Die in Wien entwickelte „Smarte Socke“ soll vor allem Patienten mit diabetischer Neuropathie über ihre gezielten elektrischen Impulse unterstützen.
Ein internationales Forschungsteam um Studienleiterin Stanisa Raspopovic vom Zentrum für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik der MedUni Wien will die Herausforderungen der diabetischen Neuropathie an der Wurzel packen. Denn bisherige Therapien zielen nur darauf ab, die Symptome zu lindern. Hinter der nun entwickelten „Smarten Socke“ verbirgt sich hingegen eine nicht-invasive Neuroprothese, die die Ursache der Neuropathie angeht: Das System, das wie eine herkömmliche Socke getragen werden kann, stellt mit gezielten elektrischen Impulsen die gestörte Nervenleitung und damit das verlorene Gefühl in den Füßen wieder her. Eine aktuell im Fachmagazin Nature Communications publizierte Studie zeigt vielversprechende Ergebnisse.
Entwickelt hat Raspopovic „NeuroStep“ gemeinsam mit Kollegen der ETH Zürich und der Universitätskliniken Zürich und Balgrist und an 14 Patienten mit diabetischer Neuropathie getestet.
Viele Tests nötig
„Bei früheren Forschungen über den möglichen Einsatz dieser Methode bei Neuropathien wurden die elektrischen Impulse an verschiedenen Stellen und mit unterschiedlichen Konfigurationen appliziert, bis schließlich die optimale Stelle auf Knöchelhöhe gefunden wurde“, beschreibt Stanisa Raspopovic das Vorgehen. Die Technologie wird eingesetzt, um die noch teilweise funktionierenden Nervenbahnen durch die Haut zu stimulieren und die beeinträchtigte Reizleitung wiederherzustellen. Das geschieht über ein personalisiertes Kalibrierungsverfahren, das die Stimulation an den individuellen Grad der Nervenschädigung der Patienten anpasst.
Das System arbeitet im geschlossenen Regelkreis während des Gehens und bietet in Echtzeit sensorisches Feedback. So erleben die Patienten etwa beim Auftreten auf ihre Ferse eine entsprechende induzierte Empfindung an genau dieser Stelle in der Socke, was ihr Gleichgewichts- und ihr Sicherheitsgefühl stärkt.
Gehirn verarbeitet Empfindungen
Über deutliche Verbesserungen des Empfindungsvermögens und der Bewegungskoordination sowie weniger Schmerzen berichteten die Testpersonen im Rahmen der Studie – und zwar bereits nach nur einem Tag Nutzung der Neuroprothese. Diese subjektiven Angaben wurden durch Messungen der Forscher bestätigt. Ergebnisse von Magnetresonanztomographien zeigten außerdem, dass das Gehirn das wiederhergestellte Gefühlsempfinden ähnlich verarbeitet wie natürliche Sinnesreize, was eine intuitive Nutzung der Neuorprothese ermöglicht.
„Unsere Studienergebnisse geben Anlass zur Hoffnung, dass mit Hilfe von ,NeuroStep‘ nicht nur die Lebensqualität der Patienten gesteigert, sondern auch ein Teufelskreis durchbrochen werden kann“, sagt Raspopovic. Schließlich führe die eingeschränkte Mobilität in Folge der diabetischen Neuropathie dazu, dass sich die Patienten weniger bewegen, was wiederum den Verlauf des Diabetes verschlechtert und das Risiko für Folgeerkrankungen erhöht.
Bevor „NeuroStep“ in der Praxis eingesetzt werden kann, sind allerdings weitere Untersuchungen nötig. Eine Folgestudie, an der das Team bereits arbeitet, konzentriert sich auf die Langzeitanwendung der Neuroprothese und deren Auswirkung auf den Verlauf der diabetischen Neuropathie.


