Mediziner zweiter Wahl?

by | Mar 28, 2024

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Wider dem Ärztemangel: In Österreich können einige Institutionen ab kommendem Studienjahr Medizinstudienplätze sponsern. Die damit verbundenen Bedingungen kommen nicht überall gut an.

 

Es ist eine Diskussion, die auch hierzulande immer wieder hochkommt: Wie können mehr Mediziner ausgebildet werden, ohne dass darunter die Qualität der Bewerber leidet? In Österreich will man ab dem kommenden Studienjahr etwa 85 Studienplätze „widmen“. Heißt: Bundesländer, die Österreichische Gesundheitskasse – die Pflichtkrankenkasse im Land –, das Innen- und das Verteidigungsministerium können diese Plätze mit ausgewählten Kandidaten belegen. Voraussetzung: Nach erfolgreichem Abschluss arbeiten die dann für ihren „Sponsor.“

Gar nicht happy mit dieser Lösung ist die Ärztekammer (ÖÄK) im Alpenland. Von „Knebelverträgen“ und „Medizinern zweiter Wahl oder minderer Qualität“ spricht ÖÄK-Vizepräsident Harald Mayer . Der Grund: Normalerweise erhalten die Absolventen einen der Medizinstudienplätze, die zu den besten zwölf bis 18 Prozent bei den Aufnahmetests gehören. Für die gesponsorten Plätze reicht es hingegen, wenn man bei den Tests im besten Viertel der Teilnehmer ist. Ein Qualitätsverlust sei so garantiert, schimpft Mayer: „Knebelverträge mit höchst fragwürdigen Verpflichtungsszenarien lehne ich strikt ab. So werden wir den Ärztemangel sicher nicht stoppen können, ohne einen Qualitätsverlust in unserer Gesundheitsversorgung zu erleiden.“ Sein Vorschlag: Man solle den Arztberuf generell so attraktiv machen, dass „die Jungen diesen mit Freude und ohne jahrelange Verpflichtungen und drohende Rückzahlung der Fördermittel machen wollen.“

Auch in Deutschland sollen nach Willen von Bundesgesundheitsminister Lauterbach 5.000 zusätzliche Medizinstudienplätze geschaffen werden, um einer Unterversorgung entgegenzusteuern. Nicht begeistert von dieser Idee ist die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland. Im Gespräch mit SWR Kultur sagt der dortige Vizepräsident für Öffentlichkeitsarbeit Paul Quasdorff: „Wir haben in Deutschland kein Problem mit der Anzahl der Ärztinnen und Ärzte, sondern ein Verteilungsproblem. Die Ärzte, die wir haben, werden nicht effizient eingesetzt.“

Tatsächlich liegt die Arztdichte in Deutschland mit 38 praktizierenden Ärzten pro 10.000 Einwohner im oberen Drittel der OECD-Länder. Allerdings entspricht sie dennoch nicht überall dem regionalen Bedarf. Eine reine Erhöhung der Studienplätze ist also nicht unbedingt eine Lösung, für das eigentliche Problem, das wir in Deutschland haben: Zu wenig Hausärzte insbesondere in einigen ländlichen Regionen.

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