Medic Quadriga: Übung für den Ernstfall

von | März 9, 2026

Oliver Meermann, Mitglied des Bundesvorstands der Johanniter-Unfallhilfe, Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann und Albrecht Prinz von Croy, Vizepräsident des Malteser Hilfsdienstes, bekräftigen künftige Zusammenarbeit. Quelle: Unterstützungsbereich der Bundeswehr - Presse- und Informationszentrum / Preloznik

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Keine reine PR, kein Trommeln, sondern eine realistische Einschätzung des Status Quo, die vor allem Schwachstellen aufzeigen soll – Medic Quadriga 2026 liefert Erkenntnisse und neue Partnerschaften.

 

Mit 1.000 beteiligten Soldatinnen und Soldaten und 250 zivilen Teilnehmern ist es die größte Sanitätsübung der Bundeswehr seit Jahrzehnten: Im Expo Center Airport am Flughafen Berlin-Brandenburg soll Medic Quadriga als Teil der übergeordneten Großübung Quadriga 2026 aufzeigen, ob Bundeswehr und zivile Gesundheitsversorgung im Ernstfall der Patientenflut standhalten können. Bis zu 1.000 Patientinnen und Patienten pro Tag könnten anfallen und dafür muss die medizinische Rettungskette unter realistischen Bedingungen getestet werden – oder wie es Verteidigungsminister Boris Pistorius bei seinem Besuch der Übung formulierte: „Nur was man übt, kann man auch.“

Ziel der Übung war vor allem, eine stabile Rettungskette zu gewährleisten – von der Erstversorgung im Einsatzgebiet über den Weitertransport der stabilen Verwundeten auf dem Luft-, Land- und Seeweg bis zur Behandlung in deutschen Kliniken. Dafür wurden erstmals im größeren Stil auch Patiententransporte nach Deutschland und die dortige Weiterversorgung trainiert. Am Flughafen Berlin-Schönefeld traf am Freitag ein Flug mit sogenannten Übungsverletzten ein, deren Versorgung unterwegs und anschließende Verteilung auf Berliner Krankenhäuser erprobt wurde.

Signal nach außen

Für Verteidigungsminister Pistorius hat die Übung über die reine Status-Quo-Bewertung allerdings auch eine Signalwirkung – in Richtung Bündnispartner, die sehen, dass die Bundeswehr genau das übe, worauf es im Ernstfall ankäme. „Aber es ist auch ein Signal an einen möglichen Aggressor im Sinne der Abschreckung“, ergänzte der Minister. Dem pflichtet auch Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann bei: „Es ist ein Zeichen an einen potenziellen Aggressor, dass wir als Deutschland, als Bundeswehr nicht alleine dastehen, sondern dass wir zusammenstehen und das Ganze als eine gesamtstaatliche Aufgabe verstehen.“

Dass Medic Quadriga sowie die medizinische Versorgung im Ernstfall eine gesamtstaatliche Aufgabe sind, unterstrich am vergangenen Wochenende auch die Berliner Gesundheitssenatorin Dr. Ina Czyborra, die ebenfalls vor Ort war: „Wir üben die verschiedensten Szenarien, Massenanfall von Verletzten sehr intensiv. Es kommt darauf an, das herauszufinden, was nicht funktioniert – wer was in welchem Fall zu tun hat, wer wo entscheidet. Bestimmte Debatten dürfen nicht erst im Krisenfall anfangen.“

Zusammenarbeit vertiefen

Auch deshalb unterzeichneten der Zentrale Sanitätsdienst der Bundeswehr, die Johanniter-Unfall-Hilfe und der Malteser Hilfsdienst im Rahmen von Medic Quadriga am Freitag einen Vertrag über eine „privilegierte Partnerschaft“. Ziel ist es, in Zukunft öffentlich-rechtliche Verträge unter den drei Partnern abzuschließen, die die Grundzüge der gegenseitigen Unterstützung konkretisieren. So sollen beispielsweise Verwendungsauftrag und Verhaltensregeln, die für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Johanniter und der Malteser zur Unterstützung des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr gelten, vorab festgelegt werden und damit eine verlässliche Grundlage bilden.

Dazu sagt Generaloberstabsarzt Hoffmann: „Die aktuellen sicherheitspolitischen Entwicklungen machen deutlich: Landes- und Bündnisverteidigung sind eine gesamtstaatliche Aufgabe. Deswegen ist eine funktionierende und belastbare zivil-militärische Zusammenarbeit mit den Johannitern und den Maltesern als Deutschlands größten zivilen Hilfsorganisationen notwendiger denn je. Die Verlässlichkeit ziviler Unterstützung ist in einem militärischen Verteidigungsszenario ein entscheidender Erfolgsfaktor.”

Auch Albrecht Prinz von Croy, Vizepräsident des Malteser Hilfsdienstes, lobt die engere Zusammenarbeit, betont jedoch auch, dass diese für die eigene Belegschaft freiwillig bleiben müsse und ergänzt: „Deshalb muss schon jetzt die Freistellung durch die Arbeitgeber analog zu THW und Freiwilliger Feuerwehr durch den Gesetzgeber zügig geregelt werden. Ein Einsatz der Malteser für und mit der Bundeswehr – egal ob im In- oder Ausland – erfordert noch abschließende Regelungen im Hinblick auf disziplinarrechtliche Unterstellungsverhältnisse und auch im Hinblick auf die Fürsorge unserer eingesetzten Helferinnen und Helfer. Diese dürfen nicht schlechter gestellt sein als unsere Soldatinnen und Soldaten”.

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