Massive Kritik an elektronischer Patientenakte: Datenschutz und ärztliche Schweigepflicht in Gefahr

von | Jan. 2, 2025

Anhoren

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Die Diskussion um die elektronische Patientenakte (ePA) hat eine neue Dimension erreicht. Während Gesundheitsminister Karl Lauterbach Gespräche mit Tech-Giganten wie Meta, Open AI und Google über die kommerzielle Nutzung von Krankheitsdaten ankündigt, stieß das Thema auf dem Jahreskongress der Freien Ärzteschaft in Berlin auf scharfe Kritik.

Datenschutzexperte warnt vor unausgereifter Technik

Prof. Ulrich Kelber, ehemaliger Bundesdatenschutzbeauftragter, bezeichnete die aktuelle Form der ePA als “tiefgrüne Schrumpelbananensoftware”. Die zentralisierte Datenspeicherung, Sicherheitslücken und die Opt-Out-Regelung stießen auf seine besondere Skepsis. Kelber forderte dringende Reformen: „Wir brauchen sowohl einen akuten Behandlungsplan als auch eine Langzeitstrategie für die Digitalisierung im Gesundheitswesen.“

Er kritisierte zudem die mangelnde Vorbereitung der Bundesregierung. Die aktuelle Lösung bringe „keinen Nutzen für Patienten oder Ärzte“ und sei ein Risiko für die informationelle Selbstbestimmung der Bürger.

Abschaffung der ärztlichen Schweigepflicht?

Ein zentraler Kritikpunkt auf dem Kongress war die Gefahr für die ärztliche Schweigepflicht. Dr. Silke Lüder, Stellvertretende Bundesvorsitzende der Freien Ärzteschaft, warnte vor gravierenden juristischen Konsequenzen. Durch die neuen Zugriffsregelungen der ePA könnten zwei Millionen Gesundheitsmitarbeiter auf Krankheitsdaten zugreifen. “Das gesamte Team in einer Apotheke könnte nach dem Einlesen der Versichertenkarte drei Tage lang alle Arztbriefe einsehen – ein absolutes Unding”, erklärte Lüder.

Forschung statt Profit?

Prof. Dr. Jürgen Windeler, ehemaliger Leiter des IQWIG, kritisierte die politischen Versprechen, die medizinische Forschung werde von den Daten der ePA enorm profitieren. „Die unsortierten Daten bringen keinen Quantensprung in der Versorgung, sondern riskieren, wichtige Prozessverbesserungen zu vernachlässigen“, so Windeler. Er betonte, dass Entscheidungen im Gesundheitssystem stets auf einer Abwägung zwischen Nutzen und Risiken beruhen sollten.

Öffentlichkeit täuschen?

Die aktuelle Werbekampagne für die ePA wurde ebenfalls scharf kritisiert. „Die Kampagne suggeriert, dass es um die Verbesserung der medizinischen Versorgung geht, während in Wirklichkeit die Kommerzialisierung der Daten im Vordergrund steht“, erklärte Lüder. Besonders störend sei, dass Ärzteverbände wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung sich an dieser Kampagne beteiligen, anstatt die Schweigepflicht zu verteidigen.

Die Rolle der Freien Ärzteschaft

Die Freie Ärzteschaft e. V., gegründet 2004, setzt sich für eine unabhängige Medizin ein. Ziel ist es, das Vertrauen zwischen Arzt und Patient zu stärken und die ärztliche Schweigepflicht zu bewahren. “Die ePA in ihrer aktuellen Form widerspricht diesen Grundprinzipien”, so Wieland Dietrich, Vorsitzender des Verbandes.

Ein Aufruf zur Reform

Die Stimmen auf dem Kongress verdeutlichen: Die elektronische Patientenakte bedarf dringend einer grundlegenden Überarbeitung. Ohne klare Datenschutzregeln und technische Verbesserungen droht das Vertrauen in das Gesundheitssystem erheblich Schaden zu nehmen.


Weitere Informationen finden Sie im Bericht der Freien Ärzteschaft e.V..

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