Lauterbachs stationäre Revolution

by | Jan 30, 2024

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„Die Krankenhausreform ist zurück in der Spur“, verkündet Bundesgesundheitsminister Lauterbach heute in Berlin. Ab Mai sollen Patienten die passende Klinik vorab online aussuchen können.

 

Am 1. Mai soll der Klinik-Atlas an den Start gehen, mit dem Patientinnen und Patienten vorab das geeignete Krankenhaus für ihre jeweilige Behandlung aussuchen können. Das verkündete Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach heute auf einer Pressekonferenz und betonte, dass damit die Krankenhausreform zurück in der Spur sei.

Der Klinik-Atlas soll bereits zum Start Auskunft darüber geben, wie viel Erfahrung eine Klinik mit bestimmten Eingriffen hat – etwa bei Krebsbehandlungen. Lauterbach zeigte sich zuversichtlich, dass das entsprechende Transparenzgesetz am 22. März im Bundesrat beschlossen werden könne. Am 21. Februar verhandelt der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag über das Regelwerk.

Die umfassendere Klinikreform soll dann bereits am 24. April im Bundeskabinett verabschiedet werden, wie Lauterbach bekannt gab. Zuvor solle sie erneut mit den Ländern beraten werden. Die Länder hatten Lauterbach am Vortag in der Gesundheitsministerkonferenz unter Druck gesetzt, den Gesetzentwurf schnell auf den Weg zu bringen. Eine schnelle Umsetzung der Krankenhausreform fordert auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), ebenso wie einen offenen und transparenten Dialog zu den Inhalten und Details.

Weniger Tote durch mehr Spezialisierung

Mit Lauterbach saß auch Gesundheitsforscher Prof. Reinhard Busse von der TU Berlin auf dem Podium, der die Argumentation des Gesundheitsministers mit seinen Forschungsergebnissen untermauerte. Denn in Deutschland gäbe es aktuell große Qualitätsdefizite, die durch mehr Spezialisierung vermindert werden könnten. Bei Hunderten Patientinnen und Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder Lungenentzündung könne ein tödlicher Ausgang vermieden werden, wenn sich mehr von ihnen in den besten Kliniken behandeln lassen würden.

Lauterbachs Pläne sehen deshalb eine Unterteilung der Kliniklandschaft in drei Stufen vor: wohnortnahe Kliniken für Notfälle sowie die Grundversorgung, Häuser mit Regel- und Schwerpunktversorgung sowie Maximalversorger, was vor allem die Uniklinken gewährleisten sollen.

Deutschland mit deutlich weniger Kliniken

Die Reform wird nach Prognose Lauterbachs die Kliniklandschaft deutlich verändern –manche Kliniken, vor allem in westdeutschen Großstädten, dürften dann abgebaut werden. „Es ist ganz klar, dass wir ein Überangebot an Kliniken haben”, sagte Lauterbach. In überversorgten Städten seien Belegungen von nur 50 bis 70 Prozent keine Seltenheit. „Das Personal fehlt uns für andere Einrichtungen. Daher haben wir zu viele Kliniken.” Künftig könnten etwa große Medizinische Versorgungszentren an die Stelle von nicht mehr gebrauchten Kliniken treten.

Gleichzeitig gebe es unterversorgte Gebiete in ländlichen Regionen – auch durch Zuschläge sollten Kliniken hier am Netz gehalten werden. Über die künftige Zahl von Kliniken in Deutschland wollte Lauterbach nicht spekulieren. Laut Statistischem Bundesamt gab es 2022 noch 1893 Krankenhäuser – 2001 waren es noch rund 2200.

Quelle: dpa

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