Lateral-Flow-Tests: Gesundheitsvorsorge versus Umweltschutz

von | Apr. 28, 2025

Anhoren

Teilen

 

Eine Studie aus Schottland zeigt: Die Umweltauswirkungen der sogenannte Lateral-Flow-Tests sind erheblich. Die Forderung der Wissenschaftler: Nachhaltigkeitsstandards insbesondere mit Blick auf die Plastikmenge. 

 

Keine Frage: Lateral-Flow-Tests, die vor allem durch die Corona-Pandemie große Akzeptanz erfahren haben, sind bequem und nützlich. Allerdings wird ihr Einwegdesign – wie so oft im Gesundheitswesen – zu einem Umweltproblem. Vor allem auch deshalb, weil es keine einheitlichen Vorgaben zum Materialverbrauch für die Hersteller gibt, zeigt nun eine Studie aus Schottland, die im Bulletin der Weltgesundheitsorganisation veröffentlicht wurde.

Konkret hat sich ein Team der Heriot-Watt University in Edinburgh sowie der Edninburgh University 21 verschiedene Covid-19-Testkits angeschaut. Das Ziel: Die Menge des in den Kits verwendeten Platiks begrenzen und damit unnötigen Plastikmüll zu vermeiden. Und tatsächlich sind die Forscher auf erhebliche Unterschiede im Kunststoffverbrauch gestoßen. Das Kunststoffgewicht variierte zwischen sechs und fast 40 Gramm pro Test.

Begrenzung auf vier Gramm pro Test

„Wir haben nur wenige Zielproduktprofile gefunden, in denen die Umweltauswirkungen von Tests erwähnt werden, und keines enthält quantitative Angaben. Wir möchten, dass diese Profile beispielsweise einen Grenzwert von vier Gramm Kunststoffverbrauch in den Kassetten für Lateral-Flow-Tests enthalten“, sagt Prof. Maïwenn Kersaudy-Kerhoas, Co-Leiterin des Global Research Institute in Health & Care Technologies von Heriot-Watt. Denn das habe die Studie gezeigt: Ein durchschnittliches Gewicht von vier Gramm pro Testkassette ist möglich. „Wir hoffen, dass dies als Richtline und Industriestandard angenommen wird“, unterstreicht Kersaudy-Kerhoas.

Dabei bestreitet das Team die Bedeutung des Schnelltests für die Gesundheitsversorgung nicht, fordert allerdings, dass die nicht auf Kosten ökologischer Nachhaltigkeit gehen dürfe, wie Prof. Alice Street, Expertin für Anthropologie und Gesundheit an der Edinburgh University betont: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Reduzierung von Plastikmüll in Testkits sowohl machbar als auch notwendig ist”.

Schnelltests werden häufiger

Die Diskussion um den Plastikmüll, der durch die Lateral-Flow-Tests entsteht, ist auch deshalb wichtig, weil sie immer häufiger werden. 2023 hat beispielsweise alleine der Globale Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria mit Sitz in Genf in 53 Millionen HIV-Tests und 321 Millionen Malaria-Tests investiert. Und gerade diese Tests werden überwiegend in Regionen eingesetzt, in denen es keine geeigneten Entsorgungsmöglichkeiten gibt. Die gebrauchten Kassetten landen daher oft auf Mülldeponien und in Gewässern oder werden offen verbrannt, wodurch Schadstoffe freigesetzt werden. Selbst in den Industrieländern werden diese Materialien nur selten recycelt.

Die Studienmachen schlagen daher vor, Grenzwerte für die Verwendung von Kunststoffen bei der Herstellung von Testkassetten festzulegen. Dazu sagt Kersaudy-Kerhoas: „Die Bequemlichkeit von Lateral-Flow-Tests ist unbestreitbar, aber wir müssen die langfristigen Umweltfolgen der Einwegdiagnostik anerkennen. Wenn wir jetzt nicht handeln, riskieren wir eine Umweltkrise, die den gesundheitlichen Nutzen dieser Tests untergräbt”.

Die Forscher fordern politische Entscheidungsträger, Hersteller und globale Gesundheitsorganisationen daher auf, Umweltkriterien in regulatorische Leitlinien und Beschaffungsprozesse zu integrieren. Indem Nachhaltigkeitsmaßstäben festegelgt werden, könne die Industrie ihrer Meinung nach weiterhin wichtige Diagnostika bereitstellen und gleichzeitig den Plastikmüll reduzieren.

Das könnte Sie auch interessieren