Es sind wenige Langzeiterkrankungen, die allerdings mit knapp 40 Prozent den größten Anteil an Fehlzeiten haben – mit entsprecheden wirtschaftlichen Auswirkungen.
Die meisten Krankschreibungen (70,8 Prozent) dauern nicht länger als eine Woche, rechnet das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in seiner aktuellen Auswertung der Zahlen des vergangenen Jahres vor. Lediglich 3,3 Prozent der Krankmeldungen dauern länger als sechs Wochen. Die haben es dafür aber in sich, machen sie doch 39,9 Prozent der gesamten Fehlzeiten aus. „Damit wird deutlich, dass langfristige Krankmeldungen einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtausfallzeiten in den Betrieben haben. Diese Fälle sollten daher im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung besonders in den Fokus genommen werden“, kommentiert WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder. Insgesamt liegt der Durchschnittwert von 23,9 Krankheitstagen auf dem Niveau des Jahres 2023 und etwas unter dem bisherigen Höchststand von 2022.
Atemwegserkrankungen häufiger Grund
Die krankheitsbedingten Ausfallzeiten des Jahres 2024 sind im Wesentlichen von sechs großen Krankheitsgruppen bestimmt worden: Muskel-Skelett-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Verletzungen, psychische Störungen und Verhaltensstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Erkrankungen der Verdauungsorgane.
60,8 Prozent der Arbeitsunfähigkeitsfälle und 65,1 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage entfielen auf diese sechs Krankheitsarten. Der häufigste Grund für die Ausstellung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) waren Atemwegserkrankungen. Im Jahr 2024 waren sie für mehr als ein Viertel der Ausfälle (27,9 Prozent) verantwortlich. Zugleich verursachten sie mit 5,9 Fehltagen pro Fall die kürzesten Ausfallzeiten. Bei den Langzeiterkrankungen spielen sie mit einem Prozent hingegen keine Rolle.
Muskel-Skelett sorgt für Langzeiterkrankungen
Die meisten Arbeitsunfähigkeitstage wurden 2024 durch Muskel-Skelett-Erkrankungen verursacht, die häufig mit längeren Ausfallzeiten verbunden waren. Allein auf diese Krankheitsart waren 2024 19,8 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage zurückzuführen, obwohl sie nur für 13,7 Prozent der Arbeitsunfähigkeitsfälle verantwortlich war. Das ist vor allem auf den Anteil der Langzeiterkrankungen von über sechs Wochen zurückzuführen, der bei den Muskel-Skelett-Erkrankungen 2024 mit einem Anteil von 9,8 Prozent am höchsten lag.
Auch psychische Erkrankungen spielen beim Krankenstand eine große Rolle: Obwohl sie nur 4,8 Prozent aller AU-Fälle ausmachten, entfielen 12,5 Prozent aller AU-Tage auf psychische Erkrankungen. Mit durchschnittlich 28,5 Arbeitsunfähigkeitstagen je Fall verursachten sie im Vergleich der Krankheitsarten die längsten Ausfallzeiten. Bei den langen Ausfallzeiten von mehr als sechs Wochen erreichten sie 2024 einen Anteil von 8,1 Prozent. „Auch hier kann betriebliche Gesundheitsförderung Ansätze bieten, um die Widerstandsfähigkeit und psychische Belastbarkeit der Belegschaft von Betrieben zu stärken. Eine gute Unternehmenskultur und Führung sind zentrale Stellschrauben, um Mitarbeitende gesund zu erhalten und langfristig an die Unternehmen zu binden“, ist Schröder überzeugt.
Nach wie vor hohes Niveau
Insgesamt lag der Krankenstand unter allen AOK-versicherten im Jahresdurchschnitt 2024 bei 6,5 Prozent. Erkrankte Beschäftigte erhielten von ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten 2024 im Schnitt 2,3 AU-Bescheinigungen und fehlten krankheitsbedingt 23,9 Tage in ihren Betrieben. Damit lagen die Ausfallzeiten weiterhin auf einem hohen Niveau, auch wenn der bisherige Höchststand des Jahres 2022 nicht erreicht worden ist. Der damalige Spitzenwert ist vor allem auf eine große Zahl von Erkältungskrankheiten und auf mehrere Infektionswellen mit der Omikron-Variante des Coronavirus zurückzuführen. Auch die Einführung der elektronischen Krankschreibung (eAU) spielt eine Rolle: Sie ermöglicht ein vollständigeres Bild der AU-Meldungen.
Der Monatsverlauf der Arbeitsunfähigkeits-Daten in den zurückliegenden drei Jahren zeigt jeweils einen wellenförmigen Verlauf: Insbesondere im Frühjahr und im Winter stieg die Zahl der krankheitsbedingten Ausfalltage deutlich an. Die jeweiligen Höchststände wurden in den Monaten Januar bis März sowie Oktober bis Dezember erreicht. Bestimmend für diese wellenförmige Entwicklung sind die Atemwegserkrankungen, die im Jahr 2024 ihre höchsten Werte mit durchschnittlich 0,6 Tagen im Januar sowie mit 0,5 Tagen im November erreichten.
Deutliche Unterschiede zwischen Berufsgruppen
Die meisten Arbeitsunfähigkeitstage weisen Berufsgruppen aus dem gewerblichen Bereich auf. Dazu gehören beispielsweise Berufe in der Ver- und Entsorgung mit 38,4 Tagen im Jahr 2024. Es handelt es sich häufig um Berufe mit hohen körperlichen Arbeitsbelastungen und überdurchschnittlich vielen Arbeitsunfällen. Auch soziale Tätigkeiten wie Berufe in der Altenpflege, die bei der Arbeit in besonders hohem Maße psychischen Belastungen ausgesetzt sind, weisen hohe Krankenstände auf. Die niedrigsten Krankenstände sind bei akademisch geprägten Berufsgruppen wie zum Beispiel in der Hochschullehre und -forschung, der Unternehmensberatung oder der Softwareentwicklung zu verzeichnen. Während Beschäftigte in der Hochschullehre und -forschung im Jahr 2024 im Durchschnitt nur 7,5 Tage krankgeschrieben waren, waren es bei den Berufen in der Ver- und Entsorgung mehr als fünfmal so viel.



