KV-Terminservice wird nicht ausgeschöpft

by | May 31, 2024

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Das Zentralinstitut der kassenärztlichen Versorgung moniert, dass einerseits von einem zu knappen Terminangebot die Rede ist, während das 116117-Serviceangebot nicht ausreichend genutzt wird.

 

Wer dringend einen Termin beim Arzt benötig, kann sich unter der 116117 oder auf 116117.de an die Terminservicestellen der kassenärztlichen Vereinigungen wenden – und das rund um die Uhr. Dieses Angebot werde jedoch bei weitem nicht ausgeschöpft, zeigen nun Zahlen des Zentralinstituts der kassenärztlichen Versorgung (Zi). Demnach sind von den 2,6 Millionen Terminen, die Arztpraxen den Terminservicestellen in den letzten 12 Monaten gemeldet haben, lediglich 1,2 Millionen auch vermittelt worden. Und weil gerade die Terminknappheit in Ballungszentren immer wieder kritisiert wird, betont man beim Zi, dass immerhin 300.000 dieser gemeldeten Termine aus Berlin kommen. Alleine gestern wurden über 1.300 freie Termine in Berlin gemeldet, wovon lediglich 800 gebucht wurden, unterstreicht der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried: „Es gibt derzeit eine Mischung aus einer zunehmend gefühlten Terminknappheit und einem von den Versicherten nicht genutzten Terminangebot bei den Terminservicestellen.“

Aus Sicht des Zi müssten die Terminservicestellen unbedingt besser genutzt werden. Und auch eine finanzielle Förderung der bereitgestellten Termine können dazu führen, dass mehr Praxen mehr Termine melden, glaubt Stillfried. Denn der Service der 116117 hätte auch für die Praxen Vorteile. Schließlich würden Akuttermine nur nach medizinischer Ersteinschätzung vergeben. „Außerdem bauen viele Kassenärztlichen Vereinigungen jetzt auch ein Angebot von Videosprechstunden aus, das online über Terminservicestellen buchbar wird“, macht der Zi-Vorstandsvorsitzende deutlich.

Knappheit bei vielen Fachärzten

Eine bittere Realität sei aber auch, dass immer weniger ärztliche Kapazität in den Praxen verfügbar sei. Und da kann auch die 116117 nicht zaubern. Laut kassenärztlicher Vereinigung Berlin ist insbesondere der Zugang zur Psychotherapie knapp. Aber auch in der fachärztlichen Behandlung etwa durch Neurologen und Psychiater, Gastroenterologen, Endokrinologen, Rheumatologen und Pneumologen gibt es Engpässe. Für die betroffenen Facharztgruppen bestehen daher in Berlin Terminmeldepflichten gegenüber der 116117.

„Eine weitere Konzentration von Fachärztinnen und Fachärzten an Kliniken verbessert daher sicher nicht den Zugang der Bevölkerung zur fachärztlichen Versorgung“, mahnt Stillfried. Er macht sich vielmehr Sorgen über den dynamischen Strukturwandel. Damit meint er, dass immer mehr junge Ärzte eine Anstellung, gerne auch in Teilzeit, der Selbständigkeit vorziehen. Damit steht in Summe weniger ärztliche Arbeitszeit zur Verfügung. Und die wenige Arbeitszeit müsse dann auch noch überwiegend mit Bürokratie verbracht werden, betont der Zi-Vorstand: „Hier ist einmal mehr die Bundesregierung gefordert, die Arbeitsbedingungen für Selbständige zu verbessern. Kurzum: weniger Bürokratie, weniger Auflagen, weniger dysfunktionale Praxis-IT.“

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