Kündigungswelle bei Pflegeberufen bleibt aus

by | Jan 24, 2024

Anhoren

Teilen

Experten hatten im Nachgang der Corona-Pandemie mit einer Kündigungswelle im Gesundheits- und Pflegesektor gerechnet. Eine Studie gibt nun Entwarnung.

 

Die Belastungen im Gesundheits- und Pflegesektor sind groß und wurden während der Corona-Pandemie auf eine Bewährungsprobe gestellt. Die Befürchtung: Viele Pflegekräfte könnten in der Folge ihren Job aufgeben. Eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt nun: Die Zahl der Pflegefach- und Pflegehilfskräfte stieg insgesamt deutlich und die Beschäftigungsverhältnisse waren nach Beginn der Corona-Pandemie ähnlich stabil wie vorher. Der befürchtete verstärkte Personalabgang aus dem Sektor trat damit nicht ein.

Die Studie zeigt außerdem: Die Beschäftigungsverhältnisse sind vor allem in den Krankenhäusern stabil. Fast 90 Prozent der Fach- und Hilfskräfte waren ein Jahr später noch im selben Betrieb tätig, nach zwei Jahren waren es noch etwa 80 Prozent. Demgegenüber war die Beschäftigungsstabilität in der ambulanten Pflege und in den Pflegeheimen deutlich niedriger als bei Beschäftigten in Krankenhäusern – vor und nach Beginn der Pandemie.

Das weise vor allem auf die großen Probleme hin, die Pflegeeinrichtungen grundsätzlich haben, ihre Mitarbeitenden zu halten, betont IAB-Forscher Max Kunaschk. Nach einem Jahr haben 15 Prozent der Fachkräfte in der ambulanten Pflege in einen anderen Betrieb im Gesundheitswesen gewechselt, nach zwei Jahren war es fast jede vierte Fachkraft. Aber auch der Anteil der Beschäftigten, der in eine andere Branche wechselt, fällt in Heimen und in der ambulanten Pflege höher aus als in Krankenhäusern.

Insgesamt ist die Zahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Fach- und Hilfskräfte im Gesundheits- und Pflegesektor in den Jahren 2016 bis 2021 um 80.000 Personen beziehungsweise um 8,5 Prozent gestiegen. Anteilig am stärksten – fast um ein Drittel – nahm dabei die Zahl der Pflegehilfskräfte in Krankenhäusern und in der ambulanten Pflege zu. Bei den Fachkräften in Pflegeheimen gab es hingegen einen leichten Rückgang. „Auch wenn die Zahl der Beschäftigten in der Pflege gestiegen ist, müssen in Zukunft mehr Menschen für eine Tätigkeit im Gesundheits- und Pflegesektor gewonnen werden. Dabei kommt der Ausbildung und Rekrutierung von Fachkräften sowie der Weiterbildung von Hilfs- zu Fachkräften eine besonders hohe Bedeutung zu“, sagt Gesine Stephan, Leiterin des Forschungsbereichs Arbeitsförderung und Erwerbstätigkeit am IAB.

Die Studie beruht auf Daten der Integrierten Erwerbsbiografien (IEB), die im Rahmen des vom Fördernetzwerk Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (FIS) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) geförderten Projektes „Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen im Gesundheitssektor. Eine multimethodische Studie“ ausgewertet wurden.

Das könnte Sie auch interessieren

Bosch schließt sich mit R-Biopharm zusammen

150 Millionen Euro wollen beide Unternehmen in die Molekulardiagnostik stecken – unter anderem in die Entwicklung neuer PCR-Tests für multiresistente gramnegative Backterien.

vdek veröffentlicht Basisdaten 2024

Zum 28. Mal veröffentlicht der Verband der Ersatzkassen die Basisdaten des Gesundheitswesens. Zentrale Erkenntnis: Die Leistungsausgaben sind seit Jahren im Aufwärtstrend.

Brexitnachwehen führen zu Medikamentenknappheit

Eine Studie des britischen Think-Tanks Nuffield Trust zeigt: Großbritannien und die Europäische Union haben immer häufiger mit Medikamentenengpässen zu kämpfen – eine Situation, die der Brexit deutlich verschärft hat.

Eine Studie des britischen Think-Tanks Nuffield Trust zeigt: Großbritannien und die Europäische Union haben immer häufiger mit Medikamentenengpässen zu kämpfen – eine Situation, die der Brexit deutlich verschärft hat.