Kritik am KHVVG nach erster Lesung wächst

by | Jun 27, 2024

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Heute wurde im Bundestag erstmals das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz diskutiert – und die öffentliche Kritik nimmt deutlich zu.  

 

Lauterbachs Krankenhausreform, wie das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) im Volksmund heißt, wurde heute zum ersten Mal im Bundestag diskutiert – und prompt nimmt die öffentliche Kritik zu. Neben den „üblichen Verdächtigen“ auf Verbandsseite nehmen tatsächlich auch immer mehr Politiker Stellung. Die Meinungen sind geteilt.

Gegenüber dem Nachrichtensender Phoenix sagte beispielsweise Linken-Politiker Ates Gürpinar, dass seine Fraktion die Reform sehr skeptisch sieht: „Wir gehen davon aus, dass ein Großteil der Kliniken, vor allem in der Fläche, im ländlichen Raum diese Reform, diese Revolution, wie sie von Lauterbach genannt wird, nicht überleben wird. Das bedeutet für die Patientinnen und Patienten eine Verschlechterung der Gesundheitsversorgung.”

Der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion, Janosch Dahmen, verteidigte gegenüber dem Sender die Reformpläne hingegen. Er glaubt, dass sich die Versorgungsqualität verbessern wird, weil sich Menschen drauf verlassen können, dass dort, wo Krankenhaus draufsteht, auch Krankenhaus drinsteht. In Deutschland gebe es mit 1.700 Krankenhäuser, zu viele, im Vergleich zu europäischen Nachbarn, und es mangele an Arbeitsteilung zwischen den Kliniken.

Honorar- statt Krankenhausreform

Mehr Effizienz würden sich auch die gesetzlichen Kassen wünschen. Doch die könne mit dem aktuellen Entwurf keinesfalls erreicht werden, attestieren sie. Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann bezeichnet die heutige Diskussionsgrundlage im Bundestag vielmehr als „Honorarreform für Hausärzte, die Mehrkosten von mindestens 300 Millionen Euro verursacht“, ohne einen positiven Versorgungseffekt zu haben.

Einigkeit besteht eigentlich nur darin, dass es wie bisher nicht weitergehen kann. Das unterstreicht auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft Dr. Gerald Gaß heute noch einmal in einer Pressemitteilung, in der er sich auf den Krankenhausrating-Report 2024 beruft, der die eigenen Statistiken demnach noch einmal unterstreichen würde: 70 Prozent der Kliniken in Deutschland erwarten in diesem Jahr ein negatives Ergebnis. Gaß befürchtet, dass diese katastrophale wirtschaftliche Lage schlimmstenfalls in Insolvenzen und Schließungen münden wird.

Ohne Reform wird es finster

Denn für das kommende Jahr würden sogar 80 Prozent der Häuser mit negativen Jahresergebnissen rechnen. „Selbst bei einer schnellen Umsetzung der Reformpläne des Bundesgesundheitsministers und unter der Annahme von sehr optimistischen Berechnungen sieht der Rating-Report im kommenden Jahr noch 62 Prozent der Krankenhäuser mit einem negativen Ergebnis“, zitiert Gaß. Und die über die Jahre aufgehäuften Schulden würden zusätzlich weiterhin auf den Kliniken lasten. Dies zeige, dass es selbst bei sehr optimistischen Annahmen hinsichtlich der möglichen Verbesserungen durch eine Reform keine Entwarnung für die wirtschaftliche Not und die Existenzsorgen der Kliniken gibt. „Auf die Menschen in Deutschland werden also noch einige Jahre der Versorgungseinschränkungen zukommen“, prognostiziert Gaß.

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Gemüsekohl für die Gesundheit

Forscher des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau haben jene Kohlsorten identifiziert, die besonders wertvolle Pflanzenstoffe für den Menschen beinhalten. Wie die sich auf die Gesundheit auswirken, wird nun in einer Interventionsstudie untersucht.

Grün und vielfältig sollte sie sein, unsere Ernährung. Und einem Gemüse kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Gemüsekohl. Am Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) gibt es mit dem Projekt SharpGreens sogar ein eigenes Forschungsprojekt, das jetzt in die zweite Phase startet. Die wissenschaftliche Fragestellung: Wie beeinflusst eine vielfältige Ernährung reich an Gemüsekohl die Gesundheit? Die humane Interventionsstudie wird gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Freiburg umgesetzt. Erforscht werden sollen vor allem die Auswirkungen auf die Immunfunktionen und das Darmmikrobiom.
Der Interventionsstudie ist eine intensive erste Projektphase vorangegangen, für die am IGZ in den vergangenen 30 Jahre eine umfassende Analytikplattform für sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Abbauprodukte entwickelt wurde. Im Fall des Gemüsekohls geht es um die sogenannten Glucosinolate, die beim Verzehr enzymatisch zu gesundheitsfördernden Abbauprodukten, den Isothiocyanaten, umgewandelt werden können. Diese Substanzen haben entzündungshemmende, antikanzerogene und antimikrobielle Eigenschaften. Bisher wurden mehr als 100 verschiedene Glucosinolate in Pflanzen identifiziert, wobei die Wirksamkeit ihrer Abbauprodukte stark variieren kann.
Über 300 Kohlsorten kultiviert
Im Rahmen des Projekts SharpGreens kultivierte das Team von Projektleiterin Dr. Katja Witzel im letzten Jahr 300 Genbank- und 17 kommerzielle Kohlsorten am IGZ und analysierte die Glucosinolat-Gehalte und Abbauprodukte. Dabei wurden 24 Kohlsorten mit verbesserten Glucosinolat-Gehalten und gewünschten -Abbauprofilen identifiziert. Diese stammen aus verschiedenen Regionen, darunter Kohlrabi aus der ehemaligen DDR, Blumenkohl-Sorten aus Italien, Weißkohl aus Japan und Spanien, Grünkohl aus Schweden und bulgarischer Rotkohl. Zur weiteren Aufklärung des enzymatischen Glucosinolat-Abbaus wurde das Proteom aller Kohlsorten am IGZ analysiert und ergänzend dazu eine genomweite Assoziationsstudie vom Projektpartner Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) durchgeführt.
In der nun gestarteten zweiten Projektphase werden die ausgewählten Kohlsorten in der Interventionsstudie am Universitätsklinikum Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Evelyn Lamy eingesetzt. Es wird untersucht, ob der Verzehr einer vielfältigeren Gemüsekohl-Diät die Gesundheit beeinflusst und ob diese Effekte auf den hohen Gehalt an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen oder die Pflanzenvielfalt zurückzuführen sind. Die Probanden erhalten dafür in einem randomisierten Crossover-Versuch vier verschiedene Gemüsekohl-Diäten, die aus gefriergetrockneten Kohlpflanzen am IGZ hergestellt werden und definierte Mengen an bioaktiven Substanzen enthalten. Außerdem wird der Einfluss der Vielfalt an Gemüsekohl in der Ernährung auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms untersucht.
Bewusstsein für Vielfalt fördern
Die Forschungsergebnisse sollen anschließend über verschiedene Formate wie Kochevents, Feldführungen und Ausstellungen an die Öffentlichkeit kommuniziert werden. Ziel ist es, das Bewusstsein für den Erhalt der Artenvielfalt in der Landwirtschafft sowie eine vielfältige pflanzenbasierte Ernährung zu fördern. Unterstützt werden die Forscher dabei von proWissen Potsdam e.V. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert SharpGreens im Rahmen der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) und der Richtlinie zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen Biodiversität und menschlicher Gesundheit (BiodivGesundheit2) mit 1,1 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren.

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