Krankenhausrating Report 2026: Der Druck steigt

von | Juni 25, 2026

Anhoren

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Der Status Quo trügt. Nach einer kurze Erholung in 2025 und 2026 droht ab 2027 eine Schließungswelle im Kliniksektor, wenn die Politik nicht gegensteuert, heißt es im heute veröffentlichten Krankenhausrating Report 2026.

 

Eigentlich liest sich der Krankenhausrating Report 2026, der heute auf dem Hauptstadtkongress vorgestellt wurde, auf den ersten Blick ganz gut. Umsatzvolumen von 538 Milliarden Euro im Gesundheitswesen 2024, erstmals über eine Million Vollzeitkräfte in den Krankenhäusern sowie eine zu erwartende Erholung in 2025 und 2026. Dann aber kommt das dicke Ende, rechnen die Autoren, das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und die Institute for Healthcare Business GmbH (hcb), vor. Denn mit den geplanten Erlöskürzungen im Rahmen des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes dürften bereits 2030 rund 70 Prozent der Kliniken Verluste verzeichnen – es sei denn, sie schaffen es, ihre Betriebskosten zu senken. Bürokratie und zunehmende Regulierung würden dies jedoch in vielen Fällen verhindern, heißt es weiter. „Wenn die Betriebskosten nicht ausreichend sinken, sind Standortschließungen in großem Ausmaß unausweichlich. In diesem Fall muss die Politik Leitplanken setzen, um mögliche Versorgungsengpässe zu vermeiden“, attestieren die Macherinnen und Macher des Reports.

Erholung 2025 und 2026 trügt

Dass für die Jahre 2025 und 2026 von einer verbesserten Lage die Rede ist, ist auch nur die halbe Wahrheit. Denn bereits geprüfte Jahresabschlüsse 2025 von Solidaris zeigen, dass bei der Hälfte der Kliniken die Liquidität nicht einmal für anderthalb Wochen reiche, erforderlich wären mindestens vier.

Auch die Insolvenzwahrscheinlichkeit der Krankenhäuser stieg 2024 auf hohe 2,2 Prozent. 22 Prozent der Kliniken befanden sich im roten Bereich mit erhöhter Insolvenzgefahr, 30 Prozent im gelben und nur 48 Prozent im grünen Bereich. Im Jahr 2026 rechnen wir dagegen mit einer geringeren Insolvenzwahrscheinlichkeit von 1,7 Prozent.

2027 wird dann der Wegfall des 3,25-prozentigen Rechnungsaufschlags für eine angespanntere Lage sorgen, heißt es in dem Report. Weiterhin würden die geplanten Erlöskürzungen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes ebenfalls ab 2027 zu einer drastischen Verschlechterung führen: Der Anteil der Kliniken mit einem Verlust würde zunächst auf 60 Prozent springen und bis 2030 auf 68 Prozent ansteigen. Die Umsatzrendite würde auf etwa -2 Prozent fallen. Um dies zu vermeiden, müssen Krankenhäuser ebenfalls ihre Kosten senken, insbesondere ihre Personalkosten bis 2030 um bis zu neun Prozent – außer in der Pflege.

Schließungswelle droht

Sollte dies nicht gelingen, findet der Report ebenfalls deutliche Worte: viele Standortschließung. Rund 400 Standorte wären bereits mittelfristig gefährdet – mit Konsequenzen für die Versorgung der Patientinnen und Patienten: Im Status quo ist die Erreichbarkeit der Krankenhäuser sehr gut. Nur 1,7 Prozent der Bevölkerung haben einen Anfahrtsweg zu einem Allgemeinkrankenhaus von mehr als 30 Minuten. Eine Schließung der gefährdeten Häuser würde für weitere 5,2 Prozent der Bevölkerung den Anfahrtsweg auf über 30 Minuten erhöhen.

Um die Transformation der Krankenhausstrukturen zusätzlich zum KHVVG anzuregen, schlagen die Autorinnen und Autoren als weitere konkrete Maßnahme vor, den bis Oktober 2026 befristen Rechnungsaufschlag in einen Strukturzuschlag umzuwandeln, der abhängig von der in einem Bundesland erzielten Bettendichte ausgezahlt wird. Er würde einen Anreiz für Bundesländer schaffen, eine günstigere Krankenhausstruktur anzustreben. Eine damit erzielbare Reduktion der stationären Fallzahlen könnte sogar dazu führen, dass sich der Strukturzuschlag selbst finanziert.

Und auch mehr Gestaltungsfreiheit für die Häuser selbst sei dringend nötig. Der Fokus sollte künftig stärker auf Ergebnisorientierung anstatt auf Struktur- und Prozessvorgaben, wie beispielsweise bundesweit einheitliche Pflegepersonaluntergrenzen (PPUG) auf Abteilungsebene, liegen. Dies muss durch einen konsequenten Abbau von Bürokratie flankiert werden. Beispiele hierfür sind das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und Anerkennungsverfahren für internationale Talente aus Drittstaaten. Denn in einer seit dem Jahr 2019 stagnierenden Volkswirtschaft können mangels Ressourcen Standards nicht hochgefahren werden. Stattdessen braucht es eine Rückbesinnung auf Standards der 2010er Jahre.

Schließlich müssten auch starke Kostentreiber wie das auf Selbstkostendeckung beruhende Pflegebudget neu justiert werden.

Datengrundlage des Reports ist eine Stichprobe von 430 Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2024 sowie eine Sonderauswertung von 125 geprüften Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2025. Sie umfassen zusammen 864 Krankenhäuser.

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