Krankenhäuser fordern finanzielle Absicherung der Daseinsvorsorge

von | Feb. 11, 2025

Anhoren

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Zwei Drittel der Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Die Krankenhausgesellschaft fordert eine schnelle Überbrückungsfinanzierung – oder klare Ansagen zur Rationierung von Leistungen.

Die Unterfinanzierung der Krankenhäuser in Deutschland spitzt sich dramatisch zu. Steigende Kosten, fehlende Zuschüsse und die ausbleibende Reform der Krankenhausfinanzierung setzen besonders die Kliniken in Nordrhein-Westfalen unter Druck. Ingo Morell, Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW), warnt vor massiven Leistungseinschränkungen: „Die nächste Bundesregierung muss sofort handeln. Wenn die Finanzierungslücke nicht geschlossen wird, stehen defizitäre Abteilungen wie Geburtshilfen oder Palliativstationen vor dem Aus.“

Knappe Kassen, leere Reserven

Die wirtschaftliche Lage vieler Kliniken ist prekär. Frei-gemeinnützige Träger, die zwei Drittel der nordrhein-westfälischen Krankenhäuser betreiben, haben ihre finanziellen Reserven aufgebraucht. Selbst kommunale Häuser, die bislang von Städten und Gemeinden gestützt wurden, stehen am Limit. Das Problem: Die seit 2022 explodierenden Inflationskosten werden nicht ausreichend refinanziert.

Laut KGNW trifft es besonders Fachabteilungen, die zwar gesellschaftlich unverzichtbar, aber wirtschaftlich schwer tragbar sind. „Dass Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin oder Palliativstationen von den Kliniken subventioniert werden müssen, zeigt, wie schief das System ist“, kritisiert Morell.

Reformbedarf und Bürokratieabbau

Die Krankenhausgesellschaft fordert nicht nur einen Defizitausgleich, sondern eine umfassende Reform der Krankenhausfinanzierung. Das Vergütungssystem müsse sich stärker am Bedarf der Patientinnen und Patienten orientieren, statt Kliniken durch unrealistische Vorgaben zu gefährden. Dazu zählt die Abschaffung existenzgefährdender Mindestfallzahlen und praxisferner Facharztvorgaben.

Auch der Bürokratieaufwand müsse dringend reduziert werden. „Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte verlieren wertvolle Zeit durch Dokumentationspflichten, die keinen Mehrwert bringen“, kritisiert Morell. Ein Beispiel sei die minutengenaue Erfassung von Facharztzeiten für bestimmte Leistungsgruppen – eine Vorschrift, die weder der Patientenversorgung noch der Wirtschaftlichkeit dient.

Krankenhäuser fordern politische Neuausrichtung

Die Bundestagswahl am 23. Februar 2025 wird auch zur Richtungsentscheidung für die Krankenhauslandschaft. Die KGNW fordert eine Politik, die den Kliniken zuhört und realistische Lösungen anbietet. „Dass ein Bundesgesundheitsminister gegen alle Beteiligten im Gesundheitswesen arbeitet, darf sich nicht wiederholen“, stellt Morell klar.

Die Krankenhausgesellschaft hat ihre zentralen Forderungen in einer Broschüre zusammengefasst. Diese soll vor Ort den Dialog zwischen Klinikleitungen und Bundestagskandidaten unterstützen. Bleibt die notwendige finanzielle Absicherung aus, werden Leistungskürzungen unvermeidlich sein – mit spürbaren Folgen für Patientinnen und Patienten.

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