Kontroverse um Einführung von Hybrid-DRG

by | Mar 12, 2024

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Geplante die Einführung von „Hybrid-DRG” für ambulante Operationen sorgt für Diskussionen. Verbände sehen Patientenversorgung in Gefahr.

 

Das Gesundheitsministerium plant eine grundlegende Veränderung im ambulanten Operationsbereich, die sogenannten Hybrid-DRG”, die Behandlungspauschalen für ambulante Operationen vorsehen. Diese Ankündigung stößt allerdings auf geteilte Reaktionen und kontroverse Diskussionen innerhalb der medizinischen Gemeinschaft. Während die Maßnahme von einigen als Effizienzsteigerung begrüßt wird, äußern insbesondere der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), der Berufsverband für Arthroskopie (BVASK), die Gesellschaft für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie e.V. (GFFC) sowie die D-A-CH Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (DVSE) erhebliche Bedenken.

Die Sorge ist vor allem, dass die Entscheidungsfreiheit eingeschränkt wird. Der Kostendruck durch Pauschalvergütungen, wie sie bereits jetzt im stationären DRG-System zu finden sind, führe zu medizinisch fragwürdigen Entscheidungen, so der Tenor der Verbände, der aus einer aktuellen Umfrage unter unter 600 angeschlossenen Ärzten hervorgeht. Etwa 60 Prozent der befragten Operateure gaben jetzt an, unter freier Wahl andere Entscheidungen etwa mit Blick auf Materialien oder Implantate zu treffen und ein Fünftel bestätigte, dass sie unter DRG-Bedingungen nicht dem wissenschaftlichen Standard entsprechen könnten. Zudem könnte die Pauschale auch die Zahl unnötiger Eingriffe erhöhen: Etwa ein Drittel sähen sich aufgrund der Änderungen dazu gezwungen, bestimmte Operationen zukünftig in zwei separaten Eingriffen durchzuführen, obwohl aus medizinischer Sicht ein einziger ausreichend wäre.

Verschlechterung der Versogrungsqualität

Die Bedenken erstrecken sich auch auf die Qualität der Patientenversorgung: Über 80 Prozent der Operateure sind der Meinung, dass Patienten medizinisch besser behandelt werden könnten, wenn die Erstattung weiterhin nach Verbrauch erfolgen würde. Um die individuelle Patientenversorgung sicherzustellen, sei eine separate Erstattung durch die Krankenkassen unbedingt beizubehalten, betonen die Vorsitzenden des BVOU sowie des BVASK, Dr. Burkhard Lembeck und Priv.-Doz. Dr. Ralf Müller-Rath. Nur so könne man den Bedürfnissen der Patienten tatsächlich gerecht werden, ohne den medizinische Standard zu gefährden. Viele Ärzte äußerten ihre Sorgen, dass die Einführung von Hybrid-DRG zu einer Verschlechterung der Versorgungsqualität sowie zu einem Ende der ambulanten Operationen führen könnte. Letztlich münde dies in einer Zweiklassenmedizin.

Aussagen Lauterbachs erscheinen widersprüchlich

Die Entscheidung über die geplanten Veränderungen sorgen in den Verbänden vor allem deshalb für Verwunderung, weil Bundesgesundheitsminister Lauterbach selbst öffentlich die Überökonomisierung und Fehlanreize beklagt, die durch das DRG-System entstehen und das Gesundheitswesen in zwei Klassen teilen. Bislang werden bei ambulanten Operationen Materialien und Implantate separat von den Kassen erstattet. Das bedeutet, dass der Chirurg die Entscheidung für das passende Implantat ohne finanziellen Druck treffen kann, um die bestmögliche Versorgung für den Patienten sicherzustellen. Experten sehen diese Freiheit nach den geplanten Änderungen in Gefahr.

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