Konsequenz der US-Politik: ZB Med stärkt europäische Forschungsinfrastruktur

von | Mai 5, 2025

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Mit dem Aufbau einer eigenen europäischen Datenbank bereitet sich ZB Med auf einen potenziellen Wegfall der PubMed-Inhalte vor.

 

Die Abhängigkeit von US-basierten Informationssystemen – insbesondere in den Lebenswissenschaften – ist zu groß, attestiert das ZB Med – Informationszentrum Lebenswissenschaft. Deshalb will man nun eine eigene, offene und zuverlässige Alternative zur PubMed-Datenbank entwickeln. PubMed wird vom amerikanischen National Institute of Health betrieben und genau deshalb müsse schnellstmöglich eine europäische Alternative her, attestiert man bei ZB Med.

„Die offene Informationsversorgung für die Gesundheitsforschung ist ein sehr wertvolles Gut. Bis Anfang dieses Jahres hätten wir uns nicht träumen lassen, dass dieses Gut einmal gefährdet werden könnte“, äußert sich Prof. Dr. Dietrich Rebholz-Schuhmann, Wissenschaftlicher Direktor von ZB Med, besorgt. Und da diese Gefahr jetzt bestehe, müsse man nun auch schnell handeln.

PubMed-Daten und mehr

Die neue Datenbank von ZB Med soll einen möglichst nahtlosen Ersatz für den Fall bieten, dass es auch bei PubMed zu Einschränkungen oder gar Löschungen kommt. Zudem soll die gewohnte Suchoberfläche von PubMed so weit wie möglich nachgebildet werden. Und ein zentraler Meilenstein in die richtige Richtung sei bereits erreicht, verkündet die Stiftung des öffentlichen Rechts. Die aktuellen Inhalte von PubMed sind gesichert und über das ZB MED-Suchportal Livio zugänglich. „Mit dem Projekt ergreifen wir die Initiative, um die Handlungsfähigkeit in den medizinischen und lebenswissenschaftlichen nationalen und europäischen Forschungsinfrastrukturen zu erhalten. Wir werden den Informationsaustausch auf hohem Niveau sichern und damit der biomedizinischen Forschung in Deutschland, Europa und weltweit den Rücken stärken”, führt Prof. Rebholz-Schuhmann weiter aus.

Es gibt allerdings auch noch einiges zu tun. So müssen beispielsweise die Daten mehrfach gesichert und auch die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Workflows zur Datenverarbeitung und die Kompatibilität mit bestehenden PubMed-Datenformaten noch geklärt werden. Zudem werden derzeit für die Anreicherung mit Metadaten, etwa aus dem kontrollierten Vokabular MeSH (Medical Subject Headings), automatische Verfahren genutzt. Die Software-Komponenten werden als Open-Source-Lösung entwickelt.

Vorbereitung auf den Worst-Case

Im Bewusstsein, dass PubMed mehr als nur eine „einfache” Datenbank ist, sollen im Zuge des Projektes ferner weitere Entwicklungsschritte für das Worst-Case-Szenario des Abschaltens von PubMed vorbereitet werden. Dazu gehören die Entwicklung und Bereitstellung einer Programmierschnittstelle (API), die Integration weiterer Quellen sowie die Pflege und Erweiterung des MeSH. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bietet hierfür Fördermöglichkeiten. ZB MED schreibt derzeit den Antrag für ein Initialprojekt.

Wichtig ist der Stiftung außerdem der Austausch mit der wissenschaftlichen Community. Dafür werden derzeit Workshops im digitalen und Präsenzformat auf nationaler und europäischer ebene entwickelt. Ein erstes Online-Meeting finde bereits in der Antragsphase am 14. Mai 2025 um 15.30 Uhr statt, um die Community frühzeitig einzubinden, zu informieren und sich über den Bedarf auszutauschen. Dazu sind alle Interessierten aus Forschung, Infrastruktur und Politik herzlich eingeladen.

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