Eigentlich darf im österreichischen Gesundheitswesen schon lange nicht mehr gefaxt werden. Nur während der Corona-Pandemie wurde eine Ausnahme gemacht. Die ist nun ausgelaufen und hat die Akteure „kalt“ erwischt.
Es klingt ein wenig nach einem schlechten Scherz, über den die österreichische Tageszeitung Der Standard heute berichtet: USB-Sticks mit Gesundheitsdaten werden im Taxi umhergefahren, CD-ROMs im Rettungswagen mitgenommen – und das alles, weil das Gesundheitstelematikgesetz besagt, dass keine Gesundheitsdaten oder genetische Daten mehr per Fax übermittelt werden dürfen. Ausnahmen gibt es eigentlich keine, wurden aber während der Corona-Pandemie gemacht. Viele Bundesländer hatten damals die Daten nicht anders nach Wien schicken können, weshalb sie das Fax weiterhin nutzen durften. Damit ist seit dem 1. Januar nun aber Schluss und das konnte offensichtlich niemand ahnen.
Also fast niemand, denn die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK), der größte soziale Krankenversicherer im Land, hat sogar eine kostenlose Software zur Befundübermittlung bereitgestellt, die laut den Ärzten aber in der Anwendung zu kompliziert sei.
In der Steiermark hat laut einer Recherche der Kleinen Zeitung das Faxverbot einen Zusammenbruch der Kommunikation zwischen Krankenhäusern und der Krankenkasse verursacht. Der Grund: Die Systeme sind untereinander nicht kompatibel. Weshalb auch hier für den Austausch von Befunden oder Anträgen derzeit Boten bemüht werden.
Nur Einzelfälle
Bei der ÖGK verweist man darauf, dass derartige Botendienste nur Einzelfälle seien. Stattdessen betont eine Sprecherin gegenüber Der Standard, dass es gelungen sei, innerhalb kürzester Zeit zwei Kommunikationslösungen zu entwickeln: Das Gesundheitspartnerportal und die Plattform FTAPI, ein Cloudservice mit Serverstandorten in Deutschland, sind die neuen Möglichkeiten, Befunde und Anträge datenschutzkonform zu übermitteln.
„Diese Lösung ist bereits in Betrieb und wird von zahlreichen Partnerinnen und Partnern in allen Bundesländern genutzt”, heißt es von der ÖGK. In den eigenen Gesundheitszentren und dem Hanusch-Krankenhaus komme das Fax nicht mehr zum Einsatz, betont Sprecherin Patricia Gassner. So, wie es das Gesetz vorschreibt. Statt der „Fernkopie”, wie das Fax im österreichischen Amtsdeutsch heißt, komme ausschließlich FTAPI zum Einsatz.
Fragmentierte Lösungslandschaft
Die große Frage ist nun, ob die von der ÖGK bereitgestellten Lösungen auch das Rennen machen. Denn daneben seien auch von DaMe von A1, HCS Medical Net aus Deutschland oder GNV (Gesundheitsnetz Vorarlberg) im Einsatz, hat der Standard recherchiert. Heißt im Klartext: Es besteht kein einheitliches System. Bei der Ärztekammer hat man daher das Faxersatz-Formular entwickelt, mit dem niedergelassene Ärzte den Kassen und Kliniken mitteilen können, über welches System sie gerne kommunizieren möchten.
Auch deshalb musste die niederösterreichische Landegesundheitsagentur einräumen, dass „das Faxverbot das österreichische Gesundheitssystem im Moment vor große ablauforganisatorische Herausforderungen stellt.“ Eine universell einsetzbare Kommunikationslösung stand nicht rechtzeitig zur Verfügung und das wird sich kurzfristig auch nicht ändern.



