Klinikpleiten in der Schweiz

by | Apr 5, 2024

Der Neubau des Kinderspitals Zürich hat das Haus in finanzielle Notlage gebracht / Quelle: Kinderspital Zürich

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Die einen werden gerettet, die anderen nicht. Zwei Spitäler im Kanton Zürich sind in finanzieller Notlage. Der Regierungsrat trifft harte Entscheidung.  

 

Sie stecken in einer ähnlichen Situation und haben um ähnliche Hilfe gebeten. Doch der Regierungsrat des Kantons Zürich will nur ein Spital retten. Auch in der Schweiz sind zahlreiche Kliniken in finanzielle Schieflage geraten. Erst im März wurde das Spital Uster von den Trägergemeinden mit einer Finanzspritze von 33 Millionen Franken gerettet. Nun haben das Kinderspital Zürich und das Spital Wetzikon die Politik im Kanton um finanzielle Unterstützung gebeten. Beide Häuser hat ein teurer Neubau in die Notlage gebracht. 170 Millionen Franken braucht das Kinderspital – 100 Millionen als Darlehen, 70 als Betriebsbeitrag –, 180 Millionen das Spital Wetzikon als Garantie oder Darlehen.

Gestern hat nun der Regierungsrat des Kantons über die Zukunft der beiden Häuser entschieden. Das Kinderspital soll gerettet werden, das Spital Wetzikon nicht. Das eine sei systemrelevant, das andere durch umliegende Häuser zu ersetzen, heißt es in der Begründung.

Alte Strukturen sind zäh

Ob es wirklich das Aus für das Spital Wetzikon bedeutet, ist allerdings noch offen. Der Stadtrat zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung des Regierungsrats und könnte sich eine finanzielle Unterstützung des Spitals grundsätzlich vorstellen. Allerdings müsse die Klinik dafür einen Finanzierungsplan für die Anleihe sowie einen tragfähigen Businessplan vorlegen. Im Juni dieses Jahres muss eine Anleihe in Höhe von 170 Millionen Franken abgelöst werden. An einem Konzept dafür ist allerdings auch schon die Unterstützung für die Klinik von einem Investor gescheitert.

Für den Präsidenten des Zürcher Spitalverbands Christian Schär ist klar, dass weitere Kliniken in Bedrängnis kommen werden, sollte es keine Tariferhöhungen geben. Gegenüber dem Schweizer Tagesanzeiger sagte er, dass sich die Schweiz das auf stationäre Behandlungen ausgerichtete Gesundheitssystem nicht mehr leisten kann: „Wir müssen den Wechsel von stationär auf ambulant vorantreiben.“ Dafür brauche es eine einheitliche Finanzierung der Behandlungen, gleich ob diese ambulant oder beim Spitalaufenthalt erfolgen. Klingt irgendwie vertraut und ist auch in Deutschland eines der zentralen Themen im Rahmen einer grundlegenden Reform des Gesundheitswesens.

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