Klinik-IT: An der Basis arbeiten

by | Nov 13, 2023

Anhoren

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Der Roland Berger Krankenhaus IT-Monitor 2023 zeigt: Im Gesundheitswesen ist die Basisarbeit noch lange nicht abgeschlossen.

 

Die IT-Anforderungen steigen und demnach auch die Budgets. Das ist eine zentrale Erkenntnis des diesjährigen Roland Berger Krankenhaus IT-Monitors, für den die Unternehmensberatung im Sommer IT-Leiter und Geschäftsführer in den 600 größten Krankenhäusern im deutschsprachigen Raum befragt hat. Demnach gehen trotz angespannter wirtschaftlicher Situation rund 88 Prozent der Befragten von steigenden IT-Budgets in den kommenden drei Jahren aus. Knapp 40 Prozent erwarten eine Erhöhung zwischen zehn und 20 Prozent. Allerdings erwarten auch zwölf Prozent, dass ihre IT-Budgets sinken werden. Dabei ist der Pessimismus unter den IT-Verantwortlichen höher. 97 Prozent der Befragten in der Geschäftsführung gehen von steigenden Budgets aus. 

Was den IT-Ausbau in den kommenden Jahren jedoch bremsen könnte, ist der Fachkräftemangel in genau diesem Bereich. Dabei kämpfen die Kliniken noch nicht einmal um Cloud oder Data Engineers, sondern benötigten mehr Kompetenzen bei den Basis-Skills, wie der Monitor aufzeigt. Vor allem in den Bereichen Informations-, IT- und Datensicherheit, Infrastruktur und Betrieb, im Projekt- und Prozessmanagement, der Prozessautomatisierung und beim Thema Interoperabilität werden dringend Fachkräfte gesucht. 

KHZG-Refinanzierung? Fehlanzeige 

Geeignete Fachkräfte zu finden, ist allerdings nicht die einzige Herausforderung, vor der die Kliniklandschaft in Punkto Digitalisierung aktuell steht. Die Roland Berger Befragung zeigt außerdem: 60 Prozent der Befragten erwarten einen geringen Refinanzierungseffekt ihrer KHZG-Projekte. Ein Viertel rechnet sogar mit keinerlei Refinanzierungseffekten.  

Das ist insofern erschreckend, weil eine Refinanzierung stets das Ziel eines jeden Digitalprojekts mit hohem Initialaufwand sein sollte und die befragten Krankenhäuser durchaus Effizienzsteigerung und Prozessbeschleunigung als relevante Refinanzierungshebel benennen. Demnach erwarten sie weder das eine noch das andere von den KHZG-Projekten, die derzeit umgesetzt werden. In dem Zusammenhang ebenfalls spannend: Die Steigerung der Behandlungsqualität und dadurch geringe Folgekosten werden auf einer Skala von eins (trifft nicht zu) bis vier (trifft voll zu) lediglich mit 2,7 bewertet. Ein Fokus auf Versorgungsqualität und Patientenzentrierung innerhalb der digitalen Transformation scheint also ebenfalls noch nicht erfolgt.  

KIS: Kenn ich, mag ich 

Im Rahmen des Krankenhaus IT-Monitors wurden ebenfalls die KIS abgefragt, die aktuell im Einsatz sind. Knapp 40 Prozent haben Orbis von Dedalus im Einsatz, 31 Prozent i.s.h.med von Oracle Cerner, die mit der SAP-Abkündigung nun potenziell auf die Suche nach einem neuen Krankenhausinformationssystem gehen müssen. Die Bewegung, die dadurch am Markt entsteht, wird demnach erheblich sein.  

Die Befragung zeigt aber auch, dass sich die Verantwortlichen in ihrer gewohnten (IT-)Umgebung sehr wohl fühlen. 56 Prozent der Häuser sind mit ihrem aktuellen KIS zufrieden – vor allem die IT-Leiter, wo 82 Prozent der Befragten diese Frage mit Ja beantwortet haben. Innerhalb der Geschäftsführung zeigt sich hingegen ein anderes Bild: Da sind weniger als die Hälfte (45 Prozent) mit dem aktuellen KIS zufrieden. Während insgesamt die Patientenverwaltung, die Behandlungsdokumentation und die Abrechnung innerhalb des KIS als positiv bewertet werden, gäbe es hingegen beim Ressourcenmanagement und bei der Nutzerfreundlichkeit, respektive der intuitiven Bedienung noch deutlich Luft nach oben, attestieren die Befragten. Wechseln will die große Mehrheit (73 Prozent) dennoch nicht – nicht einmal die i.s.h.med-Nutzer (57 Prozent). Zu groß seien die damit verbundenen Herausforderungen, allen voran werden erneut die fehlenden Kapazitäten genannt. Aber auch die Anpassung bestehender Prozesse oder die Interoperabilität mit Bestandssystemen lassen die Häuser vor einem Wechsel zurückschrecken.  

Patientendatenschutzgesetz schafft zusätzliche Herausforderungen 

Seit Januar 2022 sind alle Krankenhäuser in Deutschland im Rahmen des Patientendatenschutzgesetzes verpflichtet, IT-Sicherheitsmaßnahmen gemäß B3S zu treffen. Für die Mehrheit der Befragten (55 Prozent) sind das Zusatzkosten von mehr als einer Million Euro. Rund 13 Prozent der Häuser investieren sogar zwischen 2,5 und drei Millionen Euro, um den B3S-Standard einzuführen.  

Wobei diese Investments dringend nötig scheinen. Denn auch die Zahl der Cyberangriffe hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. 44 Prozent der Häuser gaben an, in den letzten drei Jahren Ziel eines Angriffs gewesen zu sein. Pishing, Ransom- und Malware waren die häufigsten Angriffsarten mit Folgen wie einem temporären Systemausfall oder sogar finanzielle Einbußen.  

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