Klinik-Atlas: Kritik an Bürokratie

by | May 17, 2024

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Vor allem von der Bundesärztekammer und der Deutschen Krankenhausgesellschaft kommt deutliche Kritik am heute vorgestellten Klinik-Atlas. Für Lauterbach ist er wichtiges Element einer Qualitätsoffensive. 

 

Nun ist er online, der bereits im Vorfeld viel diskutierte Klinik-Atlas. Das Verzeichnis des Bundesgesundheitsministeriums vergleicht die Krankenhäuser im Land und soll daher vor allem für die Patienten ein Mehr an Transparenz bieten. Das sei auch gut und richtig, wenn die Auswahl des Krankenhauses erleichtert wird, sagt Bundesärztekammerpräsident Dr. Klaus Reinhardt. Allerdings schaffe das Register vor allem zusätzliche Bürokratie, dafür keinen echten Mehrwert für die Patienten, so sein Urteil: „Die dort vorgesehenen Informationen waren schon bisher weitgehend über die etablierten Register wie die Weiße Liste oder das Deutsche Krankenhausverzeichnis laienverständlich abrufbar. Das neue Register ist außerdem kein Beitrag zu einer erfolgreichen Krankenhausreform in Deutschland, denn es ist unzureichend mit den Planungs- und Qualitätsprüfungsprozessen in den Bundesländern abgestimmt.

Auch bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) stellt man sich die Frage nach dem Sinn eines weiteren, dieses Mal steuerfinanzierten Verzeichnisses, das für die Patienten keinerlei zusätzliche Informationen bietet. Auch hier kritisiert man den bürokratischen Aufwand, weil die Kliniken „ihr ärztliches Personal noch kleinteiliger dokumentieren und regelmäßige Meldungen dazu abgeben müssen.“

Leveleinteilung nicht zielführend

Für DKG-Chef Dr. Gerald Gaß ist auch das Ranking der Krankenhäuser, das vergleichbar mit der Sterne-Kategorie bei Hotels sei, nur wenig zielführend: „Ein auf eine bestimmte Behandlung hochspezialisiertes kleines Krankenhaus mit exzellenter Qualität, dem das Ministerium nun Level 1 zuteilt, kann so im Vergleich zum nicht spezialisierten Level-3-Haus das Nachsehen haben.“ Wenn Lauterbachs Klinik-Atlas ab Herbst wie angekündigt nach diesem System funktioniere, wäre dies das Gegenteil von Transparenz und würde dem propagierten Ziel, den Patienten bestmögliche Behandlungsqualität zu ermöglichen, einen Bärendienst erweisen, glaubt Gaß.

Für den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL), Harald Renz, geht es beim Thema Transparenz um die Qualität in der Versorgung. Labormediziner würden sich schon seit langem für ein hohes Qualitätsniveau einsetzen und halten es deshalb auch für wichtig und zeitgemäß, dass die Qualität entsprechend veröffentlicht wird, sodass sich jeder, Patient, Anwender, als auch Anbieter ein entsprechendes Bild machen kann: „Naturgemäß bringen solche Themen leider etwas ‚Unruhe‘ mit sich, aber das sollte uns nicht abhalten. Transparenz und Qualitätssicherung sind extrem wichtig für eine hohe Patientensicherheit.

Heterogenität im Gesundheitswesen macht Transparenz schwer

Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass die Herausforderung darin besteht, innerhalb der Patientensicherheit eine möglichst einfach gestrickte Lösung zu erarbeiten, die von allen Stakeholdern entsprechend angewandt werden kann – und die gleichzeitig gerade den Laien auch die Möglichkeit gibt, einzuordnen, wo entsprechende Versorger im Gesundheitswesen in Bezug auf Qualitätssicherheit steht. Das ist nicht ganz einfach, wenn man die Heterogenität der Versorgungsleistung im Gesundheitswesen berücksichtigt.

Lauterbach selbst bezeichnet den Klinik-Atlas als eben dieses wegweisende Element der Patienteninformation: „Mit dem Bundes-Klinik-Atlas bieten wir Patientinnen und Patienten einen übersichtlichen Wegweiser durch den Krankenhaus-Dschungel in Deutschland. Mit wenigen Klicks können sie Kliniken vergleichen und für die benötigte Behandlung in ihrer Nähe die beste Klinik finden. Verständliche Informationen über gute Krankenhausversorgung sind damit für alle zugänglich und nicht mehr nur das Privileg von wenigen.“ Der Bundes-Klinik-Atlas mache die stationäre Versorgung sozial gerechter und leiste wichtige Vorarbeit für die anstehende Krankenhausreform. Denn Transparenz sei Teil der Qualitätsoffensive.

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