Klinikatlas fehlerhaft

by | May 24, 2024

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Vor allem die Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisiert fehlende und falsche Daten bei dem nun gestarteten Prestigeprojekt des Bundesgesundheitsministeriums.

 

Begeisterung hat der Bundes-Klinikatlas von Gesundheitsminister Karl Lauterbach schon zum Start vergangene Woche nicht ausgelöst – im Gegenteil. Doch nun wird die Kritik lauter und deutlicher.

„Lauterbachs Klinikatlas erfüllt leider nicht ansatzweise sein Versprechen, mehr Transparenz in der Krankenhausbehandlung zu schaffen. Im Gegenteil, zahlreiche falsche und fehlende Daten leiten Patientinnen und Patienten massiv in die Irre. Zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir den Informationssuchenden leider raten, den Atlas mit größter Vorsicht zu behandeln, unbedingt Rücksprache mit den behandelnden Ärzten zu halten und auf eine bewährte Plattform zurückzugreifen“, macht beispielsweise Prof. Dr. Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), deutlich.

Ähnlich sieht das der Geschäftsführer des Klinikums Saarbrücken, Christian Braun, der betont, dass die im Klinikatlas angegebenen Daten unzureichend und intransparent seien – von der eigentlich geplanten Transparenzoffensive keine Spur. Beim Praxistest im Bereich Geburten und Frühgeburten sowie der Versorgung von Frühgeborenen hätte sich gezeigt, dass die Zahlen für das Klinikum auf dem Winterberg zu niedrig angegeben werden.

Fehler müssen schnellstmöglich korrigiert werden

Die DKG fordert das Bundesgesundheitsministerium auf, derartige Fehler so schnell wie möglich zu korrigieren und den Atlas mit einem Hinweis auf noch zu behebende Fehler zu versehen. Denn auch bei der DKG habe man die im Klinik-Atlas genannten Daten überprüft und Fehler gefunden. So sei etwa für den Standort Gehrden der KRH-Kliniken Siloah und Gehrden für radikale Prostatektomien eine Fallzahl von 4 angegeben. Tatsächlich sind es aber 156. Sucht der Laie mit verwandten Suchbegriffen wird das Krankenhaus trotz Spezialisierung nicht einmal in der Ergebnisliste angezeigt. So mache der Klinik-Atlas aus einer spezialisierten Klinik mit zahlreichen Qualitätsmerkmalen eine Klinik mit Gelegenheitsversorgung, kritisiert Prof. Neumeyer.

Anderes Beispiel, selbe Problematik: Das Krankenhaus Bethanien in Solingen ist ein ausgewiesenes Lungenzentrum und zudem von der Krebsgesellschaft zertifiziert. Lungenkrebsbehandlung ist ein Schwerpunkt der Klinik mit viel Erfahrung und hoher Qualität. Nur leider listet der Klinik-Atlas das Krankenhaus bei der Suche nach Lungenkarzinom-Behandlung nicht auf.

Die irreführenden Fehler des Atlas treffen aber nicht nur kleine Kliniken. Nur sechs Fälle soll die Universitätsklinik des Saarlandes in Homburg bei der Frühgeborenen-Versorgung vorweisen können. Tatsächlich sind es durchschnittlich mehr als 75 pro Jahr. Hier handelt es sich um Fehler, die im Zweifel entscheidend in das Leben eines Menschen eingreifen können.

Über diese Beispiele hinaus hätten die DKG unzählige Meldungen von Kliniken aus allen Bundesländern erreicht, die falsche Angaben zu Ausstattungen, Notfallstufen und vor allem immer wieder zu niedrig angegebenen Fallzahlen beklagen, führt Neumeyer weiter aus: „Dabei geht es nicht um minimale Abweichungen und gelegentliche Fehler, sondern um falsche Daten in massiver Menge, die ratsuchenden Patientinnen und Patienten, die die Daten ohne Expertenwissen nicht verifizieren können, in die Irre leiten können.“ Ein gelungener Start einer neuen Lösung sieht definitiv anders aus.

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