KI versus Chemiker – wer überzeugt?

von | Mai 20, 2025

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Wer ist besser, Künstliche Intelligenz oder menschliche Chemiker. Forscher der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben den Vergleich gewagt.

 

Wie gut sind moderne KI-Modelle wie GPT-4 in der Chemie? Dafür haben Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena die KI gegen menschliche Chemiker antreten lassen. Mithilfe eines neu entwickelten Prüfverfahrens namens „ChemBench” konnte das Team um Dr. Kevin M. Jablonka zeigen, dass KI-Modelle in bestimmten Aufgabenfeldern überzeugen, jedoch auch deutliche Schwächen aufweisen. Das berichtet das Team im Fachjournal Nature Chemistry.

„Die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz in der Chemie stoßen zunehmend auf Interesse – daher wollten wir herausfinden, wie gut diese Modelle wirklich sind“, erklärt Dr. Jablonka, Leiter der Carl-Zeiss-Stiftungs-Nachwuchsgruppe „Polymere in Energieanwendungen” an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Helmholtz-Institut für Polymere in Energieanwendungen (HIPOLE) Jena. Im Zentrum der Untersuchung stand mit ChemBench ein von den Forschern entwickeltes Werkzeug, das mit den Fähigkeiten Chemikern verglichen wurde.

Mehr als 2.700 Aufgaben im Vergleich

Um die Fähigkeiten der KI zu testen, entwickelte das Team der Universität Jena ein spezielles Prüfverfahren, das reale, in der modernen Chemie anfallende Aufgaben nutzt. Mehr als 2.700 Fragen aus verschiedenen Bereichen der Chemie – von organischer bis analytischer Chemie – wurden in ChemBench integriert. Sie decken sowohl Grundlagenwissen als auch anspruchsvolle Problemstellungen ab und orientieren sich an typischen Lehrplänen in der Chemie. Die Leistung der KI-Modelle wurde dabei mit der von 19 erfahrenen Fachleuten verglichen, die dieselben Aufgaben bearbeiteten.

Während die Menschen für einen Teil der Studie Hilfsmittel wie Google oder chemische Programme nutzen durften, mussten die KI-Modelle ohne solche externen Ressourcen auskommen. „Die Modelle konnten ihr Wissen also ausschließlich aus dem Training mit vorhandenen Daten ziehen“, erläutert Jablonka. „Wir haben zusätzlich auch zwei KI-Agenten mit Zugriff auf externe Tools getestet – diese konnten allerdings nicht mit den besten Modellen mithalten.“ Neben der Richtigkeit der Antworten bewerteten die Forschenden auch, wie gut die KI ihre eigene Antwortsicherheit einschätzte.

KI ist schneller und effizienter

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen ein gemischtes Bild, berichtet der Chemiker weiter: „Bei sogar sehr anspruchsvollen lehrbuchartigen Fragen zeigten sich einige KI-Modelle leistungsstärker als Menschen.“ Dagegen verfügen die Chemiker über deutlich mehr Selbstreflexion. Sie hatten kein Problem damit, zuzugeben, wenn sie eine Frage nicht sicher beantworten konnten. Anders die KI-Modelle: Sie gaben oft mit großer Selbstsicherheit Antworten – selbst, wenn diese inhaltlich falsch waren.

„Besonders auffällig war dies bei Fragen zur Interpretation chemischer Strukturen, etwa zur Vorhersage von NMR-Spektren“, stellt Jablonka fest. Hier schienen die Modelle klare Antworten zu liefern, auch wenn sie teilweise grundlegende Fehler machten. Die menschlichen Fachleute hingegen zögerten häufiger und hinterfragten ihre eigenen Schlussfolgerungen. „Diese Diskrepanz ist ein entscheidender Faktor für die praktische Anwendbarkeit von KI in der Chemie“, ordnet Jablonka ein, denn: „Ein Modell, das fehlerhafte Antworten mit hoher Überzeugung liefert, kann in sensiblen Bereichen der Forschung zu Problemen führen.“

Die Schlussfolgerung aus den gesammelten Erkenntnissen: KI kann eine wichtige Ergänzung für menschliche Expertise sein – allerdings kein Ersatz. Sie sollte vielmehr als wertvolles Werkzeug gesehen werden, das in der Arbeit unterstützt, glaubt Jablonka und ergänzt: „Damit legt unsere Studie den Grundstein für eine engere Zusammenarbeit von KI und menschlicher Expertise in der Chemie.“

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