KI verbessert Erstversorgung bei Rettungseinsätzen

von | Sep. 3, 2024

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Leben retten mithilfe von künstlicher Intelligenz: Wissenschaftler der Universität Siegen haben ein tragbares Gerät entwickelt, das bei Rettungseinsätzen sichere Prognosen und praktische Handlungsempfehlungen zur Erstversorgung liefert.

Hilfe für Helfer: Im Rahmen des Projekts „KIRETT – Computerunterstützung durch künstliche Intelligenz bei Rettungseinsätzen zur Verbesserung der Erstversorgung“ konnten Forscher der Universität Siegen unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Roman Obermaisser neue Erkenntnisse für die Notfallmedizin gewinnen. Möglich macht es ein neu entwickeltes tragbares Gerät, ein sogenanntes Wearable. Am Handgelenk der Einsatzkräfte ist es immer direkt vor Ort. Vor allem bei besonderen Einsatzszenarien wie einer großen Anzahl an Verletzten oder einem Schlangenbiss spart das Wearable wertvolle Zeit mit seinen konkreten Hilfestellungen.

Möglich wird all das, weil das Wearable Notfallsituationen wie Atemwegs-, Herz-Kreislauf- oder neurologische Komplikationen durch maschinelles Lernen erkennt und dem Rettungspersonal mittels künstlicher Intelligenz klare Handlungsempfehlungen gibt.

Vielversprechende Ergebnisse

Das Wearable vereint mehrere Funktionen während eines Rettungseinsatzes: Der KI-Algorithmus im Inneren des Gerätes nutzt alle bekannten Daten der Leitstelle, die manuellen Eingaben der Rettungskräfte, die mittels Fragebogen erhoben werden, sowie die Vitaldaten der Patienten. Entwickelt wurde der Prototyp mit Start des Projekts vor drei Jahren. Und die bisher gewonnenen Erkenntnisse sind sehr vielversprechend. Vor allem da die Einsatzdaten automatisch im Behandlungsverlauf bereitgestellt werden, können sich die Rettungskräfte voll auf ihre Notfallpatienten konzentrieren.

Getestet und erprobt wurde das tragbare Gerät in verschiedensten Einsatzszenarien durch die Feuer- und Rettungswache Siegen. In die finale Bewertung flossen qualitative Interviews mit den beteiligten Rettungskräften sowie eine quantitative Befragung ein. Sowohl die Qualität der Situationserkennung als auch die kontextabhängigen Handlungsempfehlungen wurden dabei unter die Lupe genommen. Die lokalen Partner spielten eine tragende Rolle, indem sie wertvolles Feedback und Unterstützung lieferten.

Bessere Notfallmedizin möglich

Die Ergebnisse des KIRETT-Projekts legen den Grundstein für eine nachhaltige Verbesserung der Notfallmedizin, ist man in Siegen überzeugt. Ziel ist es nun, die neu entwickelten Technologien in zukünftigen Projekten und Anwendungen zu optimieren. Besonders die Kombination aus tragbaren Geräten und künstlicher Intelligenz bietet großes Potenzial für die Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung.

Ein mögliches Einsatzgebiet des KIRETT-Wearables wäre die präklinische Versorgung in ländlichen Gebieten bei Rettungsszenarien. In Regionen, in denen der Zugang zu medizinischer Versorgung begrenzt ist, könnte das Wearable die Erstversorgung durch weniger erfahrenes Personal unterstützen und so die Überlebenschancen der Patienten erhöhen. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen können zudem in die Weiterentwicklung von Ausbildungsprogrammen für Rettungskräfte einfließen.

Für Prof. Roman Obermaisser sind die beiden wichtigsten Errungenschaften des Wearables der neuartige KI-basierte Algorithmus zur Erkennung von Komplikationen und die geringe Inferenzzeit für die Krankheitsprognose: „Bei Rettungseinsätzen ist Zeit der kritischste Faktor, der bei begrenzter Datenverfügbarkeit zu berücksichtigen ist, und hier soll das KIRETT-Gerät mit seiner Innovation einen wichtigen Beitrag leisten“, betont er.

KIRETT gehört zum Programm „Forschung für die zivile Sicherheit“ und wurde durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Initiative „KMU-innovativ“ gefördert.

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