KI im Gesundheitswesen: Struktur wichtiger als Tools

von | Juni 22, 2026

Anhoren

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Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) wird aktuell in vielen Branchen als entscheidender Fortschritt gesehen, so auch im Gesundheitswesen. Die Erwartungen sind hoch: bessere Auswertungen, schnellere Entscheidungen und effizientere Prozesse. Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis aber ein anderes Bild. Wie Wunsch und Wirklichkeit in Einklang gebracht werden können, erklärt Dr. Andreas Dahmen im Gastbeitrag. 

 

 

Viele KI-Initiativen bleiben hinter ihren Zielen zurück oder liefern Ergebnisse, die im Alltag kaum genutzt werden. Das liegt allerdings selten an der Technologie selbst. Viel häufiger sind die eigentlichen Probleme struktureller Natur. Ein häufiger Fehler ist, dass KI als einzelnes Tool betrachtet wird, das einfach „eingesetzt“ werden kann. In Wirklichkeit ist KI aber stark davon abhängig, wie gut die zugrundeliegenden Daten strukturiert sind. Wenn Daten aus verschiedenen Bereichen stammen, unterschiedlich definiert sind oder nicht zusammenpassen, entstehen keine verlässlichen Ergebnisse.

Gerade im Gesundheitswesen ist das ein typisches Problem. Daten entstehen in der Patientenaufnahme, in der Behandlung, in der Verwaltung und in der Abrechnung – oft in unterschiedlichen Systemen. Ohne eine gemeinsame Struktur bleibt die Informationslage unübersichtlich. KI kann in so einem Umfeld zwar Muster erkennen, verstärkt aber im Zweifel sogar bestehende Unklarheiten.

Transparenz als Voraussetzung für Steuerung

Damit KI sinnvoll eingesetzt werden kann, braucht es zunächst Transparenz. Das bedeutet, dass alle relevanten Daten konsistent, nachvollziehbar und jederzeit verfügbar sind.

Dr. Andreas Dahmen ist Digitalisierungsexperte und Vorstand der GHK Management Consulting AG

Dr. Andreas Dahmen ist Digitalisierungsexperte und Vorstand der GHK Management Consulting AG

Diese Transparenz ist nicht nur für technologische Anwendungen wichtig, sondern auch für das Management selbst. Fehlt sie, steigt der Aufwand im Controlling deutlich. Zahlen müssen mehrfach geprüft werden, Abstimmungen dauern länger und Entscheidungen basieren oft auf unsicheren Grundlagen. Besonders kritisch ist das im operativen Alltag, wo schnelle und fundierte Entscheidungen gefragt sind.

In vielen Organisationen sind genau diese Voraussetzungen allerdings nicht gegeben. Das führt dazu, dass Auswertungen zwar vorhanden sind, aber nicht eindeutig interpretiert werden können. Entscheidungen werden dadurch schwieriger oder verzögern sich.

Case Study: Digitalisierung im Gesundheitswesen als Grundlage für KI

Wie diese Herausforderungen konkret gelöst werden können, zeigen Projekte aus dem Gesundheitswesen wie das der zu Bergman Clinics gehörenden Dermatologikum Hamburg GmbH oder das der auf Pflege und betreutes Wohnen spezialisierten Dorea GmbH. Hier wurde zunächst nicht bei KI angesetzt, sondern bei den Grundlagen: den Prozessen und der Datenstruktur. Ein zentraler Schritt war die durchgängige Digitalisierung aller Abläufe. Angefangen mit der Patientenaufnahme über die Behandlungsdokumentation bis hin zur Abrechnung. Dadurch entstand eine einheitliche Datenbasis. Informationen mussten nicht mehr manuell übertragen werden und standen direkt für weitere Auswertungen zur Verfügung.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor war außerdem die frühzeitige Einbindung des medizinischen Personals. Dadurch wurden die neuen Prozesse akzeptiert und sinnvoll in den Arbeitsalltag integriert. Digitalisierung wurde nicht als zusätzliche Belastung wahrgenommen, sondern als Unterstützung.

Die Auswirkungen dieser Veränderungen waren deutlich spürbar. Die Zeit von der Behandlung bis zur Abrechnung konnte erheblich verkürzt werden. Das führte nicht nur zu einer besseren Liquidität, sondern auch zu mehr Transparenz für Patient. Auch die internen Abläufe wurden effizienter. Die Buchhaltung konnte erfolgreich in die Organisation integriert werden, sodass ein Mitarbeiter mehrere Gesellschaften eigenständig betreuen kann. Das zeigt, wie stark standardisierte und gut strukturierte Prozesse die Arbeit vereinfachen können.

Wenn alle notwendigen Grundlagen geschaffen sind, kann ein sogenannter „Digitaler Controller“ zum Einsatz kommen. Er hilft dabei, Auffälligkeiten in Daten automatisch zu erkennen und für Entscheidungen nutzbar zu machen. Dabei ersetzt er nicht das klassische Controlling, sondern unterstützt es. Wichtig ist dabei, dass die Qualität der Ergebnisse direkt von der zugrunde liegenden Datenstruktur abhängt. Ohne konsistente und integrierte Daten bleibt auch der Nutzen solcher Ansätze begrenzt.

Erst Struktur, dann KI

Das Praxisbeispiel zeigt deutlich, worauf es ankommt. Der Erfolg von Digitalisierung und KI hängt weniger von einzelnen Tools ab, sondern von der Struktur dahinter.

Unternehmen und Einrichtungen müssen zunächst ihre Daten, Prozesse und Systeme so aufstellen, dass sie ein konsistentes Gesamtbild liefern. Erst dann können KI-Anwendungen ihr volles Potenzial entfalten. Daher ist es wichtig, dass zuerst Transparenz geschaffen und dann die Steuerungsfähigkeit entwickelt wird. Erst wenn diese Voraussetzungen geschaffen wurden, kann man darauf aufbauend KI einsetzen.

Der von allen beteiligten Projektpartnern erreichte umfassende Erfolg lässt sich in fünf Punkten zusammenfassen:

  1. Die Durchgängigkeit digitaler Prozesse von der Patientenannahme, über die Behandlungsdokumentation bis hin zur Faktur konnte erreicht werden und führte aufgrund einer frühzeitigen Einbindung in den Umsetzungsprozess auch zu einer hohen Akzeptanz beim medizinischen Personal.
  2. Die Prozessdurchlaufzeit bis hin zur Faktura der Behandlungsleistungen konnte erheblich verkürzt werden – mit entsprechend positiven Effekten für die Patientenzufriedenheit und die Unternehmensliquidität.
  3. Von der ersten Einbindung von GHK in den Reporting-Prozess, über die Abstimmung der Basis für das zukünftige ERP-System bis hin zur umfassenden Digitalisierung der operativen und kaufmännischen Prozesse vergingen nicht mehr als 18 Monate.
  4. Die Internalisierung der Buchhaltung hat reibungslos funktioniert, sodass die neue interne Mitarbeiterin vier Gesellschaften eigenständig im neuen ERP-System buchen kann.
  5. Alle Teilprojekte wurden sowohl in der vorgegebenen Zeit als auch im vereinbarten Budget erfolgreich umgesetzt.

 

Dr. Andreas Dahmen ist Digitalisierungsexperte und Vorstand der GHK Management Consulting AG in Frankfurt am Main und war bis März 2023 Professor an der accadis Hochschule Bad Homburg.

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