KHVVG erfüllen – ohne die IT-Landschaft neu zu bauen

von | Aug. 24, 2026

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Die KHVVG-Ausschreibungen laufen, während Landesausführungsgesetze noch verhandelt werden. Viele Klinikverantwortliche warten daher noch ab. Dabei wäre genau jetzt der richtige Zeitpunkt, Weichen für die Zukunft zu stellen. Wie die Umsetzung aussehen könnte, erklärt Corinna Lutz, Sales Manager für die DACH-Region bei Founda, im Gastbeitrag. 

 

 

Für viele Krankenhäuser und Klinikverbünde klingt das KHVVG zunächst wie ein Projekt für die Zukunft. Die Ausschreibungen laufen, die Landesausführungsgesetze werden noch verhandelt, und die konkreten Anforderungen an Interoperabilität und Digitalreife wirken abstrakt. Wer gerade noch mit der Umsetzung von KHZG-Vorhaben beschäftigt ist, verschiebt die Auseinandersetzung mit KHVVG und KHTF deshalb gern auf später. 

Das ist nachvollziehbar, aber riskant. Denn KHVVG verlangt nicht in erster Linie neue digitale Anwendungen. Es verändert, wie Versorgung organisiert wird: mehr Zusammenarbeit zwischen Häusern, mehr regionale Spezialisierung, mehr Behandlungspfade, die über die eigene Organisation hinausreichen. Genau diese Verlagerung setzt voraus, dass Daten dorthin gelangen, wo sie gebraucht werden, auch über Organisationsgrenzen hinweg. Dafür braucht es Zeit, die sich jetzt noch nehmen lässt. 

Warum die IT-Landschaft dabei zum Nadelöhr wird 

Der Grund, warum viele IT-Verantwortliche zögern, liegt selten am fehlenden Willen. Er liegt an der gewachsenen Komplexität der eigenen Systemlandschaft. Im Rahmen von KHZG ist in den letzten Jahren viel investiert worden, meist jedoch Haus für Haus, System für System. Jede neue Anwendung brachte eine eigene Schnittstelle mit, jede Schnittstelle einen eigenen Pflegeaufwand. 

Innerhalb eines einzelnen Krankenhauses lässt sich diese Logik noch beherrschen. Sobald Daten jedoch zwischen mehreren Organisationen fließen sollen, wie es KHVVG mit regionalen Verbünden, Telemedizin-Netzwerken oder spezialisierten Versorgungszentren vorsieht, wird jede zusätzliche Punkt-zu-Punkt-Verbindung zu einem eigenen Projekt. Die Komplexität wächst dann nicht linear, sondern mit jeder neuen Partnerorganisation.

Corinna Lutz ist Sales Manager DACH bei Founda

Das zeigt sich besonders deutlich bei Patientendaten selbst. Befunde, Bilddaten und Dokumente liegen häufig in unterschiedlichen Formaten und Systemen vor, je nachdem, welches Haus sie erzeugt hat. Ein Verbund kann also technisch bereits mehrere leistungsfähige Systeme betreiben und trotzdem keinen verlässlichen Überblick über die Patientenhistorie über Standortgrenzen hinweg haben, weil die Daten nie in eine gemeinsame, nutzbare Struktur überführt wurden. 

Das eigentliche Problem ist also nicht das Fehlen von Anwendungen, sondern das Fehlen einer wiederverwendbaren Grundlage, auf der sich mehrere Vorhaben gleichzeitig und nacheinander aufbauen lassen. 

Was tatsächlich gebraucht wird 

An dieser Stelle lohnt sich ein Perspektivwechsel. Die Frage ist nicht, wie sich eine einzelne KHTF-geförderte Initiative technisch umsetzen lässt, sondern wie sich verhindern lässt, dass jede Initiative wieder bei null beginnt. KHTF-Förderungen laufen über viele Jahre und mehrere Ausbaustufen. Bringt jedes Vorhaben seine eigene Integrationsarchitektur mit, wächst der Betriebsaufwand für IT-Teams mit jedem neuen Projekt, statt durch Wiederverwendung zu sinken. 

Pragmatisch bedeutet deshalb nicht, kleiner zu denken, sondern modularer. Ein Haus muss nicht sämtliche Datenflüsse auf einmal neu ordnen, um KHVVG-fähig zu werden. Es reicht, mit einem konkreten Anwendungsfall zu beginnen, etwa dem Datenaustausch mit einem regionalen Partner oder einer Telemedizin-Anbindung, sofern die zugrunde liegende Struktur so ausgelegt ist, dass sich weitere Anwendungsfälle später anschließen lassen, ohne die Grundlage jedes Mal neu zu errichten. 

Wie sich das in der Praxis umsetzen lässt 

Der pragmatische Weg zu mehr Interoperabilität stützt sich in der Regel auf zwei technische Prinzipien, dazu kommt ein regulatorisches, das im nächsten Abschnitt eine eigene Betrachtung verdient. 

Erstens: bestehende Systeme verbinden statt ersetzen. Standards wie HL7, FHIR, DICOM und die IHE-Profile ermöglichen es, PACS, KIS und weitere Fachsysteme miteinander sprechen zu lassen, ohne sie auszutauschen. Das reduziert sowohl das Investitionsrisiko als auch die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter. 

Zweitens: eine Struktur wählen, die mit den Anforderungen mitwächst. Was heute als Anbindung zwischen zwei Häusern beginnt, kann in zwei Jahren Teil eines regionalen Verbunds mit mehreren Partnern sein. Ist die Grundlage von Anfang an so ausgelegt, dass sie neue Organisationen aufnehmen kann, muss dafür nicht jedes Mal neu integriert werden. 

Wie das konkret aussehen kann, zeigt sich an einem der typischen KHVVG-Anwendungsfälle: dem Behandlungspfad, der eine Organisation verlässt und wieder zu ihr zurückkehrt, etwa von der Aufnahme über die Behandlung in einem spezialisierten Zentrum bis zur Entlassung und Nachsorge beim einweisenden Haus. Damit dieser Pfad funktioniert, müssen Befunde, Bilddaten und Verlaufsinformationen an jeder Station verfügbar sein, unabhängig davon, wo sie ursprünglich entstanden sind. Wird diese Anbindung als wiederverwendbare Struktur aufgesetzt statt als Einzelprojekt für genau diesen einen Behandlungspfad, lässt sich dieselbe Grundlage später für ein Telemedizin-Netzwerk oder ein weiteres Spezialzentrum nutzen, ohne erneut bei null zu beginnen. 

Pragmatisch handeln, während die Details noch in Bewegung sind 

Ein Grund, warum sich viele IT- und Digitalisierungsverantwortliche bei KHVVG lange zurückhielten, war regulatorischer Natur, nicht technischer. Inzwischen steht der bundesrechtliche Rahmen: Das KHVVG ist seit Dezember 2024 in Kraft, das nachschärfende KHAG hat Bundestag und Bundesrat im März 2026 passiert und gilt seit April 2026, unter anderem mit weniger Leistungsgruppen und mehr Spielraum für die Länder bei Ausnahmeregelungen. 

Was deshalb aber nicht abgeschlossen ist, ist die Umsetzung vor Ort. Mehrere Bundesländer verabschieden ihre eigenen Landeskrankenhausgesetze und Leistungsgruppen-Zuweisungen erst im Laufe dieses Jahres, andere haben das gerade erst getan. Die eigentliche Unsicherheit liegt also nicht mehr auf Bundesebene, sondern in der Frage, wie die einzelnen Länder und Aufsichtsbehörden die Vorgaben im Detail und im eigenen Tempo umsetzen, während die KHTF-Förderfenster bereits laufen. Wer auf eine bundesweit einheitliche, bis ins letzte Detail austarierte Rechtslage wartet, bevor er beginnt, wartet auf einen Zeitpunkt, den es angesichts dieser Ländervielfalt in absehbarer Zeit nicht geben wird. 

Die pragmatische Antwort darauf ist nicht, die Regulierung zu ignorieren, sondern nicht auf den exakten Wortlaut einer einzelnen, sich noch wandelnden Landesregelung zu bauen. Stattdessen lohnt sich die Orientierung an den Prinzipien, die unabhängig vom jeweiligen Bundesland gelten: Daten müssen zwischen Organisationen nachvollziehbar, einwilligungsbasiert und geprüft bewegt werden können. Daran ändert sich durch eine einzelne Landesverordnung nichts Grundsätzliches, allenfalls im Detail. 

Die konkrete Umsetzung

Zugriffskontrolle, Protokollierung und Einwilligung gehören von Anfang an in die technische Struktur, nicht als nachträgliche Ergänzung. Wird diese Frage erst gestellt, wenn ein Vorhaben bereits läuft, wird sie schnell zum Flaschenhals, gerade weil sich mehrere Organisationen und mitunter mehrere Bundesländer auf ein gemeinsames Vorgehen einigen müssen. 

Der Anschluss an bereits etablierte nationale Infrastruktur wie die elektronische Patientenakte (ePA) und die Telematikinfrastruktur (TI) bietet einen verlässlicheren Ankerpunkt als das Warten darauf, dass auch das letzte Bundesland seine Ausführungsbestimmungen final formuliert hat. 

Auditierbarkeit sollte von Beginn an mitgedacht werden. Öffentlich geförderte KHTF-Vorhaben laufen über mehrere Jahre und müssen ihre Compliance gegenüber den Fördermittelgebern durchgängig nachweisen können, auch wenn sich einzelne Landeskriterien im Laufe der Förderlaufzeit noch ändern. 

Damit wird aus der fortlaufenden Feinjustierung auf Länderebene kein Grund zum Abwarten, sondern ein Kriterium für die Architekturentscheidung: Eine Struktur, die auf diesen Grundprinzipien aufbaut statt auf der Rechtslage eines einzelnen Bundeslandes, bleibt tragfähig, auch wenn sich einzelne Landeskrankenhausgesetze im Detail noch ändern oder weitere Länder erst nachziehen. 

Mehrwert für Häuser

Der Effekt zeigt sich vor allem im laufenden Betrieb, nicht nur im Projektstart. IT-Teams berichten regelmäßig, dass der eigentliche Aufwand nicht bei der ersten Anbindung entsteht, sondern bei jeder folgenden. Eine wiederverwendbare, standardbasierte Grundlage kehrt dieses Verhältnis um: Der erste Anwendungsfall braucht etwas mehr Vorbereitung, jeder weitere lässt sich schneller und mit weniger Aufwand realisieren. 

Für Klinikverbünde, die im Rahmen von KHVVG mehrere Standorte oder Fachbereiche koordinieren müssen, bedeutet das eine planbarere Umsetzung über die gesamte Förderlaufzeit von KHTF hinweg. Für IT-Leitungen bedeutet es weniger Einzelprojekte, die parallel betreut werden müssen, und mehr Kontrolle über die eigene Architektur, auch wenn sich die regulatorischen Anforderungen weiterentwickeln. 

Ein ruhiger Blick nach vorn 

KHVVG und KHTF werden über die kommenden Jahre zahlreiche einzelne Vorhaben hervorbringen: Telemedizin-Netzwerke, regionale Allianzen, spezialisierte Versorgungszentren. Welche davon langfristig tragfähig bleiben, entscheidet sich weniger an der einzelnen Anwendung als an der Frage, ob die zugrunde liegende Dateninfrastruktur mitwachsen kann. 

Häuser, die sich jetzt mit dieser Grundlage befassen, verschieben damit keine Entscheidung auf später. Sie schaffen die Voraussetzung dafür, dass spätere Entscheidungen leichter werden. Ein guter Ausgangspunkt ist deshalb keine Frage nach dem nächsten großen Projekt, sondern eine kleinere: Welche Datenflüsse bestehen im eigenen Haus heute schon über Organisationsgrenzen hinweg, und worauf bauen sie eigentlich auf? 

 

 

Corinna Lutz ist als Sales Manager für die DACH-Region bei Founda tätig und bringt über 18 Jahre Erfahrung im Gesundheitswesen mit – ein Werdegang, der schon früh von einem klaren Interesse an Digitalisierung und dem standardbasierten Austausch von Gesundheitsdaten geprägt war. Diesen pragmatischen Blick, bestehende Systeme zu vernetzen statt sie zu ersetzen, bringt sie heute in ihre Arbeit ein. Bei Founda verantwortet sie den Vertrieb von Interoperabilitätslösungen auf Basis von HL7, FHIR, DICOM und den IHE-Profilen, die Kliniken und Klinikverbünden helfen, ihre Daten sowohl innerhalb der eigenen Organisation als auch institutionsübergreifend auszutauschen und so sektorenübergreifende Versorgung sowie den Aufbau regionaler Netzwerke zu ermöglichen.

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