Im Wettbewerb um Marktanteile mit rezeptpflichtigen Medikamenten gibt die Schweizer Versandapotheke DocMorris nun neue Aktien aus.
Der Weg ist frei: Die Aktionäre der DocMorris AG haben der Kapitalerhöhung auf der gestrigen Generalversammlung zugestimmt. Damit kann die Schweizer Versandapotheke nun 36,2 Millionen neue Aktien ausgeben. Der erwartete Bruttoerlös: 200 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet rund 214 Millionen Euro). Das Kapital braucht der Konzern, um mittelfristig im Wettbewerb um rezeptpflichtige Medikamente mitmischen zu können. Denn sich hier Marktanteile zu sichern, ist teuer, wie schon die Quartalszahlen von Konkurrent Redcare diese Woche zeigten. Und so sollen die zusätzlichen Finanzmittel auch in „gezielte Rx-Marketingausgaben“ fließen – „bis zum Erreichen eines positiven freien Cashflows auf Gruppenebene im Laufe des Jahres 2027“. Außerdem muss im September 2026 eine Wandelanleihe in Höhe von 95 Millionen Franken (rund 100 Millionen Euro) zurückgezahlt werden, wofür die Kapitalerhöhung ebenfalls erhalten soll.
Dass die Aktionäre zugestimmt haben, ist dennoch verwunderlich, denn die Kapitalerhöhung verwässert ihren Anteil immens. Bisher waren 14,8 Millionen Aktien im Umlauf. Kommen die 36,2 Millionen neuen Aktien hinzu, liegt der Anteil bestehender Aktionäre am Unternehmen bei lediglich 29 Prozent. Immerhin: Bestehenden Aktionären wird ein Bezugsrecht für neue Aktien zugeteilt, drei neue Aktien für ein gehaltenes Bezugsrecht. Alle nicht durch bestehende Aktionäre gezeichneten neuen Aktien gehen dann als öffentliches Angebot raus. Wie viele das sind, werde voraussichtlich am 21. Mai 2025 nach Handelsschluss an der SIX Swiss Exchange bekannt gegeben.
Kapitalerhöhungen mit System
Kapitalerhöhungen und damit Verwässerungen der Eigentümerstruktur stehen bei DocMorris an der Tagesordnung. In drei vorherigen Runden hat man so in den letzten Jahren bereits 200 Millionen Franken eingesammelt. Und auch der Angebotspreis mit lediglich 5,75 Schweizer Franken überrascht, wird die Aktie aktuell mit rund 20 Franken gehandelt. Das ist allerdings bereits ein Absturz um rund 50 Prozent in knapp sechs Monaten und Lichtjahre von den von 509 Franken entfernt, für die die DocMorris-Titel noch im April 2021 gehandelt wurden.
Dennoch wird das Management die Aktionäre überzeugt haben, dass die Ausgabe von neuen Aktien quasi alternativlos ist. Und vermutlich wird es auch nicht die letzte Runde gewesen sein, denn in den kommenden Jahren werden weitere Wandelanleihen fällig. Unerschöpflich ist der Mechanismus dennoch nicht, das wird sich auch die Unternehmensführung früher oder später eingestehen müssen.
Die Kotierung und der erste Handelstag der neuen Namenaktien aus der ordentlichen Kapitalerhöhung an der SIX Swiss Exchange wird voraussichtlich am 22. Mai 2025 stattfinden, während die Zahlung und Abwicklung des Bezugsrechtsangebots, respektive Aktienangebots voraussichtlich am 26. Mai 2025 erfolgen wird.
DocMorris hat ein Bankensyndikat mit der Durchführung des Bezugsrechtsangebots beauftragt.



