Über 25 Prozent hat die Aktie der Online-Apotheke und Telehealth-Plattform Hims and Hers in den letzten fünf Tagen nachgegeben. Der Grund: Techriese Amazon startet günstiges Angebot für Prime-Mitglieder.
Amazon startet seine Telemedizin- Apothekenoffensive und lockt Prime-Mitglieder in den USA Dumping-Preisen: „Prime-Mitglieder können jetzt schnell und einfach Gesundheits-, Schönheits- und Lifestyle-Bedingungen behandeln“, heißt es in der Ankündigung. Haarausfall bei Männern? Kein Problem, bei Amazon schon für 16 US-Dollar pro Monat zu bekommen. Die Anti-Aging-Hautpflege gibt es für zehn Dollar pro Monat. Nur wer unter einer erektilen Dysfunktion leidet, muss mit 19 Dollar pro Monat etwas tiefer in die Tasche greifen.
Für insgesamt 30 häufige Erkrankungen – darunter Bindehautentzündung, Grippe oder Sinusitis – können über Amazon One Medical „Pay-per-Visit“, dem neuen Telehealthservice, ab sofort Konsultationen gebucht werden – entweder per Messenger für 29 US-Dollar oder als Videokonsultation für 49 US-Dollar. Prime-Mitglieder bekommen eine Vergünstigung. Gezahlt werden kann per Kreditkarte, mit einem sogenannten Flexible Spending Account oder der Health Savings Account Karte. Nach dem Besuch schickt der Arzt dem Kunden einen persönlichen Behandlungsplan und ein Rezept (falls erforderlich), das der Kunde in einer Apotheke seiner Wahl einlösen kann, heißt es von Amazon weiter.
Die Börse reagiert
Mit diesem Vorstoß auf den Telehalthmarkt setzt Amazon vor allem die Online-Apotheke Hims and Hers unter Druck. Über 25 Prozent ging es in den letzten fünf Tagen für den Titel abwärts. Denn das Konzept, geschlechterspezifische Beschwerten via Telemedizin-Konsultation zu adressieren hatte bei Hims and Hers zuletzt für ein Allzeithoch gesorgt. Ähnlich wie nun Amazon können Kunden über die Online-Plattform von Hims and Hers mit zugelassenen medizinischen Fachkräften sprechen, die eine Behandlungen für eine Reihe von Krankheiten anbieten. Die möglicherweise ausgestellten Rezepte werden dann über die Online-Apotheke eingelöst. Und auch hier setzt Konkurrent Amazon an, der – bisher Alleinstellungsmerkmal von Hims and Hers – die verschriebenen Medikamente in Prime-Manier kostenfrei und wenn möglich noch am selben Tag zustellen will.
Hims and Hers trifft der Kursrutsch besonders hart. Erst vor rund zwei Wochen hatte man starke Quartalsergebnisse vorlegen können und damit das Hoch überhaupt erst realisiert – das sich nun quasi in Luft aufgelöst hat.
Ob sich die Sorge der Anleger, dass viele Hims and Hers-Kunden nun zu Amazon abwandern, als richtig herausstellt, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Der Kampf um den amerikanischen Telehealthmarkt ist in jedem Fall eingeläutet, was auch europäische Versandapotheken aufhorchen lassen sollte.



