IQWiG-Analyse: Der Check-up braucht einen Check-up

by | May 28, 2024

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Menschen, die von einem Check-up beim Arzt besonders profitieren würden, gehen seltener hin. Das ist die zentrale Erkenntnis einer aktuellen Analyse des IQWiG im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums.

 

Dass die Deutschen echte Vorsorgemuffel sind, belegen Studien immer wieder – ganz aktuell eine Analyse des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums. Der Frage: Welche allgemeinen Gesundheitsuntersuchungen nehmen die Menschen hierzulande überhaupt in Anspruch? Dabei analysierte das Institut auch, wie sich die Nutzung zum Beispiel nach Alter, Geschlecht, Region, sozioökonomischem Status, Lebensstil oder Zuwanderungserfahrung unterscheidet, welche Informations- und Aufklärungsmaterialien existieren und welche wirksamen Maßnahmen es gibt, um bestimmte Gruppen besser zu erreichen.

Die zentrale Erkenntnis: Zur Vorsorge gehen vor allem die Menschen, die ohnehin häufig Kontakt zu ihrer Arztpraxis haben. Gruppen mit höheren Gesundheitsrisiken und jene, die das ambulante Versorgungssystem weniger in Anspruch nehmen, nutzen das Angebot für Check-ups hingegen seltener. „Für den Bedarf dieser Gruppen sollte ein geeignetes Informationsangebot geschaffen werden“, betont Beate Zschorlich, Leiterin des Projekts aus dem IQWiG-Ressort Gesundheitsinformation.

Alle zehn Jahre wieder

Auch die Frequenz, mit die Menschen im Land das Vorsorgeangebot wahrnehmen, ist ausbaufähig. So zeigt die Analyse, dass 77 Prozent der 50-jährigen Männer und 85 Prozent der gleichaltrigen Frauen innerhalb von zehn Jahren immerhin mindestens einmal zur allgemeinen Gesundheitsuntersuchung gehen. Da Patienten hierzulande dazu allerdings nicht gesondert aufgefordert werden, lohnt ein Vergleich mit jenen Ländern, die Vorsorge-Einladungen versenden. Und siehe da: Auch in Großbritannien und Österreich nutzen trotz Einladungsverfahren nicht mehr Menschen den Check-up – im Gegenteil. Der Anteil in Deutschland liege im Vergleich sogar leicht drüber, attestiert das IQWiG.

„Zu den Menschen, die seltener zum Check-Up gehen, gehören Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status, Frauen und insbesondere Männer mit Hinweisen auf gesundheitliche Risiken, respektive die ihren Gesundheitszustand als mittelmäßig oder schlecht einschätzen sowie Menschen, die nach Deutschland zugewandert sind“, berichtet Zschorlich.

IQWiG schlägt gezielte Maßnahmen vor

Genau diese Personen mit besonderem Vorsorgebedarf müsse man gezielt ansprechen – gegebenenfalls in anderen Sprachen, glauben die Experten. Gleichzeitig weist Projektleiterin Zschorlich aber auch darauf hin, dass auf Basis veröffentlichter Studien ein gesundheitlicher Nutzen des sogenannten Check-ups selbst unklar ist: „Die Maßnahmen und Kommunikationsstrategien sollten diese Diskrepanz berücksichtigen.“

Einige Länder wie Österreich und Großbritannien hätten ihre Angebote zu Gesundheitsuntersuchungen in den letzten Jahren deshalb wissenschaftlich neu bewerten lassen und – insbesondere in Großbritannien – grundlegend reformiert. Dabei habe ein Schwerpunkt auf Bevölkerungsgruppen mit besonderen gesundheitlichen Risiken gelegen.

„Begleitend zur Umsetzung von Maßnahmen zur Steigerung der Bekanntheit und zur Stärkung der informierten Entscheidungsfindung ist auch in Deutschland eine Überprüfung der Inhalte der allgemeinen Gesundheitsuntersuchung sinnvoll“, resümiert Klaus Koch, Leiter des IQWiG-Ressorts Gesundheitsinformation. „Die allgemeine Gesundheitsuntersuchung sollte eingebunden sein in eine dauerhaft begleitende Evaluation, die auch die gesundheitlichen Auswirkungen des Angebotes erfasst.“

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