„Die Cloud ist keine Ja-Nein-Frage mehr“

von | Juni 16, 2026

Anhoren

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Schwarz Digits ist ein relativ junges Unternehmen, gegründet 2023 um „Wachstum und Zukunftsfähigkeit des Ökosystems der Schwarz Gruppe“ zu sichern. Und doch taucht der Name immer häufiger auf – weil Schwarz Digits dieses Ökosystem längst verlassen hat und seine Fühler beispielsweise auch in Richtung Gesundheitswesen ausstreckt. Im Interview mit Claudia Alsdorf, Head of Business Development, haben wir über die Strategie dahinter gesprochen sowie über ganz konkrete Fragestellungen von Kliniken und Versicherern, bei denen Schwarz Digits unterstützen will.

 

 

Frau Alsdorf, Schwarz Digits ist in relativ kurzer Zeit zu einem Anbieter von IT- und Digital-Lösungen geworden, der über Branchen- und Ländergrenzen hinweg an Bedeutung gewinnt. Worauf gründet dieser schnelle Erfolg?

Wir sind selbst unser kritischster Kunde und entwickeln unsere IT- und Digital-Lösungen nicht im luftleeren Raum, sondern auch für den Eigenbedarf der Unternehmen der Schwarz Gruppe. Wenn unsere Lösungen zum Beispiel gleichzeitig Aktionswochen von Lidl und Kaufland in 32 Ländern standhalten, sind sie marktreif. Das ist auch für externe Kunden ein Qualitäts- und Skalierbarkeitsnachweis. Zudem haben sich unsere IT- und Digital-Lösungen zum Schutz digitaler Infrastruktur und sensibler Daten der Unternehmen der Schwarz Gruppe längst am Markt etabliert und stellen Alternativen zu außereuropäischen Anbietern dar.

Europäische Alternative gewinnen auch im politischen Diskurs an Bedeutung. Sehen Sie Schwarz Digits hier bereits gut aufgestellt?

Mit strategischen Kooperationen und globalen Partnerschaften auf Augenhöhe beweisen wir, dass marktführende Technologien und digitale Souveränität Hand in Hand gehen können. Das machen wir auch mit unserem European Sovereign Stack Standard objektiv messbar. Wir haben damit einen europäischen Souveränitäts-Standard für Cloud-Lösungen und IT-Services gesetzt, für volle Transparenz über den gesamten Tech-Stack hinweg. Mit Stackit als europäischem Hyperscaler adressieren wir unter anderem den öffentlichen Sektor, den Handel, das Gesundheitswesen, die Fertigungsindustrie, Non-Profit- und kirchliche Organisationen – und das nicht nur in Deutschland, sondern in immer mehr Ländern in Europa.

Als Medium interessiert uns natürlich das Engagement von Schwarz Digits im Gesundheitswesen. Hier gab es in letzter Zeit einige Meldungen: das Joint-Venture mit der Charité, die Zusammenarbeit mit Sana oder auch Meierhofer. Woher kommt das Interesse am Gesundheitswesen und welche Strategie verfolgen Sie mit Blick auf die Branche?

Wir richten uns von Beginn an vor allem auch an regulierte Branchen wie das Gesundheitswesen, da digitale Souveränität die unverzichtbare Basis für die Speicherung und Verarbeitung von besonders schützenswerten Informationen wie beispielsweise Patienten- oder Sozialdaten ist. Mit unseren souveränen Lösungen können wir genau das garantieren. Wir unterliegen ausschließlich deutschem und europäischem Recht und erfüllen lückenlos alle Datenschutzvorgaben. Unser Ziel ist es, die digitale Unabhängigkeit im Markt gezielt zu fördern und die Interoperabilität weiter zu erhöhen. Gerade im Health-Bereich setzen wir hierfür auf starke Partnerschaften wie zum Beispiel mit Meierhofer für den Betrieb des

Claudia Alsdorf, Head of Business Development Schwarz Digits

Claudia Alsdorf, Head of Business Development Schwarz Digits

Krankenhausinformationssystems M-KIS in einer souveränen Cloud-Umgebung. Mit unserem Joint Venture mit der Charité, bieten wir beispielsweise mit Hivepro eine Plattform an, die Gesundheitsdaten harmonisiert und vernetzt. Gleichzeitig sichern wir durch Open-Source-Ansätze die volle Wechselfähigkeit ohne Vendor-Lock-in und bieten durch ein Pay-as-you-go-Modell maximale finanzielle Flexibilität.

Nun ist es kein Geheimnis, dass das Gesundheitswesen in puncto Digitalisierung Nachholbedarf hat. Wie bewerten Sie den Status Quo auf Basis Ihrer bisherigen Einblicke?

Aus unserer Sicht ist das nur teilweise richtig. Wir sehen zwar einen gewissen Nachholbedarf, allerdings zeigt sich, dass die elektronische Patientenakte weiter digitalisiert und auch bei Krankenhausinformationssystemen immer stärker auf Interoperabilität gesetzt wird. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet stark voran und die Cloud-Strategien zeigen, dass auch der Mut da ist, auf skalierbare Lösungen wie KI oder einfache Sprachmodelle zu setzen. Genau hier können wir mit unserer souveränen Cloud Stackit unterstützen, dass die Unternehmen bei ihrer Digitalisierung unabhängig bleiben und die hochsensiblen Daten maximal geschützt werden. So können beispielsweise KI-Modelle souverän genutzt werden, ohne dass die Daten unbewusst an Dritte abfließen. Wir sehen hier auch großes Potenzial, gemeinsam mit und für Partner Neues zu entwickeln.

Der Cloud stand man bis vor kurzem noch sehr skeptisch gegenüber, teilweise durften Kliniken in bestimmten Bundesländern gar keine Daten in der Cloud haben. Ist dieser „späte Start“ ins digitale Zeitalter noch aufzuholen?

Das ist aufzuholen – und zwar genau jetzt. Es ist richtig, dass Deutschland und Europa lange Zeit sehr vorsichtig waren, insbesondere im Hinblick auf Cloud-Nutzung und kritische Daten. Diese Zurückhaltung hat uns aber auch geholfen, jetzt mit einer fundierten Grundlage und dem Fokus auf digitale Souveränität und höchste Sicherheitsstandards in die Transformation zu starten. Wir sehen in der deutschen Gesundheitsbranche aktuell einen starken Aufschwung. Der späte Start ermöglicht es, direkt auf moderne Architekturen zu setzen, Vendor Lock-ins von Beginn an zu vermeiden und flexible Hybrid-Cloud-Szenarien zu realisieren, die den strengen regulatorischen Anforderungen wie dem Bundesdatenschutzgesetz oder der DSGVO gerecht werden.

Treffen Sie damit denn auch auf Akzeptanz bei Organisationen im Gesundheitswesen?

Die Akzeptanz für skalierbare, sichere und insbesondere europäische Cloud-Lösungen wächst rasant. Mit Auftragsverarbeitungsvereinbarungen haben wir zudem die Möglichkeit, personenbezogene Daten zu sichern und zu schützen – nach allen Sicherheitsstandards und Zertifizierungen wie dem C5-Testat, ISO 27001 und ISO 27018 und unberührt vom US Cloud Act. Jetzt ist die richtige Zeit, um mit voller Geschwindigkeit und unter Beachtung aller Sicherheitsaspekte die Digitalisierung voranzutreiben, beispielsweise durch den Einsatz von KI-Anwendungen.

Sicherheitsstandards sind ein gutes Stichwort, da die Bedeutung von Cyber- und Datensicherheit kontinuierlich wächst. Wie bewerten Sie die Sicherheitslage in Deutschland?

Die Gewährleistung der Datensicherheit ist für Gesundheitsorganisationen existenziell. Wir beobachten leider, dass viele Unternehmen erst nach einem erfolgreichen Cyberangriff auf uns zukommen und dann unter massivem Zeitdruck Lösungen nachfragen. Es herrscht eine hohe Angriffsfrequenz, und die Bedrohungslage ist sehr ernst zu nehmen. Krankenhäuser und Krankenkassen, als Teil der Kritischen Infrastruktur, kurz KRITIS, sind attraktive Ziele. Die jüngsten Angriffe dienen als dringende Warnung.

Welchen Sicherheitsansatz verfolgen Sie?

Wir verfolgen einen proaktiven Ansatz. Es geht nicht nur um die Reaktion im Schadensfall, sondern um die Prävention und die Etablierung eines robusten Sicherheitsfundaments. Das bedeutet zunächst Digitale Souveränität, also den Schutz der Daten vor unbefugtem Zugriff durch die Nutzung europäischer, souveräner Cloud-Lösungen. Dann ist natürlich auch eine proaktive Abwehr essenziell. Durch unsere Cybersecurity-Experten und -Beteiligungen helfen wir, Schwachstellen zu identifizieren, bevor sie ausgenutzt werden. Und wenn doch etwas passieren sollte, geht es um „Survivability“. Das heißt wir bieten mit Stackit sichere Disaster Recovery- und Cold-Rechenzentren-Lösungen, die gewährleisten, dass Kliniken und Versicherer im Ernstfall schnell wieder handlungsfähig sind – ein essenzieller Baustein, um die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden. Wir sehen hier die klare Verantwortung, das Gesundheitswesen nicht erst im Notfall, sondern präventiv als Partner mit umfassender Cybersecurity-Expertise zu unterstützen.

Der Markt blickt natürlich auch auf Ihr Joint Venture mit der Charité. Die gemeinsame Schwarz Charité Health Data GmbH soll ihren Fokus auf Gesundheitsdaten und deren Harmonisierung legen. Was versprechen Sie sich von dem Projekt?

Eine alternde Bevölkerung und Fachkräftemangel im medizinischen Sektor erhöhen den Druck auf das Gesundheitssystem massiv. Wir sehen die Digitalisierung als Hebel, diesen Herausforderungen zu begegnen: Medizinische Leistungen könnten durch effizientere, datengestützte Prozesse optimiert werden. Wir bringen in das Joint Venture unsere umfassende IT- und Cybersecurity-Expertise sowie die souveräne Stackit-Cloud ein, um gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und Innovationen zu ermöglichen.

 Und im Ergebnis entsteht dann die cloudbasierte Plattform Hivepro?

Genau. Die Schwarz Charité Health Data GmbH bietet mit Hivepro eine cloudbasierte Plattform, die digitale Souveränität und europäische Spitzenmedizin skalierbar verbindet. Neben der Vernetzung von Daten für eine evidenzbasierte Forschung und individualisierte Prävention unterstützen wir Kliniken dabei, ihre Daten nach dem internationalen openEHR-Standard zu strukturieren und nutzbar zu machen. Das Modell sieht vor, die Plattform in die Breite zu bringen und somit Kliniken in die Lage zu versetzen, Daten zum Wohle ihrer Patienten künftig deutlich zielgerichteter zu nutzen. Zudem ermöglichen wir so eine datenbasierte Kliniksteuerung. 

Zum Schluss ein strategischer Ausblick: Wo steht das deutsche Gesundheitswesen in puncto Digitalisierung in fünf Jahren und welchen Beitrag hat Schwarz Digits hierzu idealerweise geleistet?

In fünf Jahren wird der Großteil des deutschen Gesundheitswesens digitalisierte Lösungen fest im Einsatz haben. Unter anderem werden durch Agentic AI Prozesse noch schneller, effizienter und optimierter ablaufen, und die interdisziplinäre Zusammenarbeit wird einfacher und datengestützt verlaufen. Die Cloud ist dann keine Ja-Nein-Frage mehr, sondern ein fester und souveräner Bestandteil der IT-Strategie, mit der die Unternehmen die notwendige Skalierbarkeit für Innovationen sicherstellen. Dazu wollen wir einen wesentlichen Beitrag leisten. Wir möchten Gesundheitsunternehmen in ganz Europa befähigen, sichere und unabhängige Lösungen zu nutzen, um jederzeit digitale Souveränität zu gewährleisten. Also ihnen helfen, sich so aufzustellen, dass neue moderne Strukturen in allen Krankenhäusern genutzt werden. Unser Ziel ist es, Kliniken und Versicherer in die Lage zu versetzen, jederzeit vom Verhandlungstisch aufstehen zu können und maximale Flexibilität in ihrer Technologiewahl zu behalten – dank offener Standards, Interoperabilität und europäischer Cloud-Souveränität.

 

 

Claudia Alsdorf ist eine Pionierin im deutschen Markt für 3D- und Virtual-Reality-Anwendungen und gründete eines der ersten Unternehmen in diesem Sektor. Ihre Expertise basiert auf jahrelanger Führungserfahrung in globalen Konzernen und Beratungsunternehmen wie SAP, KPMG und Microsoft, wo sie in den Bereichen Public Sector, Bildung, Healthcare & Life Science tätig war. Seit 2024 leitet Claudia Alsdorf das Business Development bei Schwarz Digits. Ihre technologische Kompetenz umfasst Unternehmenssoftware, Cloud Computing, Daten & KI sowie Virtual/Augmented Reality. Ergänzend bringt sie tiefgreifende Branchenkenntnisse in Gesundheitswesen & Life Sciences, Forschung & Bildung sowie Smart City und Mobilität ein.

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