Immuncheckpoint-Inhibitoren: Langzeitwirkung kaum erforscht

by | Mar 25, 2024

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Krebs-Therapien mit so genannten „Immuncheckpoint-Inhibitoren” sind inzwischen weit verbreitet. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums haben nun erstmal versucht, Langzeitfolgen zu erfassen. 

 

Es gibt sie seit 2011 und mittlerweile sind sie neben Chirurgie, Chemo- und Strahlentherapie zur vierten Säule der Krebsmedizin geworden: die sogenannten „Immuncheckpoint-Inhibitoren“ (ICI). Allerdings sind ihre Langzeitwirkungen bisher kaum erfasst – bisher. Denn nun haben Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) erstmals systematisch Studie zu den Langzeitfolgen dieser Therapien zusammengefasst.

Ein Team um Volker Arndt wertete 39 publizierte Untersuchungen aus, die die Lebensqualität von Patienten dokumentieren, die eine ICI-Behandlung bekommen hatten. Es wurden nur solche Untersuchungen in die Analyse einbezogen, bei denen die Immuntherapie in der klinischen Routineversorgung eingesetzt wurde. Die Studien erfassten toxizitätsbedingte gesundheitliche Belastungen sowie psychosoziale und finanzielle Aspekte der Erkrankung.

Eingeschränkte Lebensqualität und Nebenwirkungen

Demnach berichtet ein signifikanter Anteil der Krebsüberlebenden über eine eingeschränkte Lebensqualität und unerwünschte Nebenwirkungen nach einer ICI-Therapie. Dazu zählen etwa entzündliche Reaktionen des Magen-Darm-Traktes oder der Lunge, die teilweise sogar erst nach Ende der Therapie auftreten. Ein Drittel der ICI-Behandelten klagte zudem über psychosoziale Probleme wie Depressionen oder Angstzustände, deutlich über ein Drittel berichtete von neurokognitiven Einschränkungen. Über entsprechende Beschwerden berichten aber auch Patienten, die keine ICI-Therapie erhalten haben. Die Forscher betonen daher, dass noch wesentlich detaillierteres Wissen über die Langzeiteffekte erforderlich sei, um den Betroffenen die bestmögliche Nachsorge zu bieten.

„Die meisten in unsere Analyse einbezogenen Studien kranken an geringer Teilnehmerzahl und daran, dass eine Kontrollgruppe aus der Allgemeinbevölkerung fehlt und dass nicht mit anderen Therapiearten verglichen wurde. Eine Schwäche ist außerdem, dass die Cancer Survivor nur zu einem bestimmten Zeitpunkt befragt wurden, anstatt ihre Lebensqualität über einen längeren Zeitraum hinweg zu dokumentieren”, sagt Volker Arndt vom DKFZ.

Dringend Studien benötigt

Doch nicht nur deshalb fordern Arndt und seine Kollegen dringend umfassendere Studien. Auch die weite Verbreitung der ICI mache eine bessere Datenlage für eine bestmögliche Nachsorge nötig. Für die Heidelberger Forscher sind vor allem Fragen nach Einschränkungen der Fruchtbarkeit und nach einer möglichen Rückkehr in den Beruf wichtig.  Beides gewinne zunehmend an Bedeutung, da mit früherem Beginn der ICI-Therapien immer mehr Krebserkrankungen langfristig kontrolliert werden können.

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