Immer mehr Deutsche studieren Medizin im Ausland

by | Mar 25, 2024

Anhoren

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Machen die Zulassungsbeschränkung das Medizinstudium in Deutschland unnötig schwer? Trotz Fachkräftemangel und genügend Bewerber auf Studienplätze entscheiden sich viel junge Absolventen für ein Studium im Ausland, zeigen Zahlen des Centrum für Hochschulentwicklung. 

 

Ist das Medizinstudium im Ausland trotz hoher Kosten attraktiver? Das legen nun zumindest Zahlen des CHE Centrum für Hochschulentwicklung nahe: Demnach sind aktuell rund 7.500 deutsche Medizinstudenten an einer ausländischen Universität eingeschrieben, was einem Anteil von acht Prozent entspricht. Das perfide daran: Einerseits haben wir in Deutschland ein Nachwuchsproblem, insbesondere mit Blick auf die Hausärzteversorgung im ländlichen Raum. Andererseits kommen auf einen Studienplatz hierzulande durchschnittlich drei bis vier Bewerber. Und die Zahl der Studieninteressierten wächst laut CHE jährlich weiter.

Die Zahlen des CHE zeigen, dass vor allem Österreich und Ungarn zu den stark nachgefragten Ländern bei deutschen Medizinstudierende im Ausland gehören, was dort jedoch auch nicht ohne Kritik am deutschen Bildungssystem zur Kenntnis genommen wird. 2021 waren an österreichischen Hochschulen 2.585 deutsche Studenten in einem Medizinstudiengang eingeschrieben. In Ungarn waren es 2.051. Ebenfalls beliebt sind Polen (859), Tschechien (422), Großbritannien (421) und Litauen (413).

Damit scheint der Schritt ins Ausland für jeden zwölften Medizinstudenten hierzulande attraktiv – obwohl die Studiengebühren dort in der Regel hoch sind. Laut CHE-Angaben können hierfür bis zu 29.800 Euro pro Jahr anfallen. „Bei einer Studiendauer von durchschnittlich sechs Jahren sind das Kosten von bis zu 178.800 Euro allein für Studiengebühren“, unterstreicht Studienautorin Caroline Friedhoff. Unter Berücksichtigung der länderspezifischen Lebenshaltungskosten kann sich ein Auslandsstudium dennoch lohnen. „Für eine solche Investition sollten alle Angebote und Kosten, etwa auch die je nach Land unterschiedlichen Lebenshaltungskosten verglichen werden“, rät Friedhoff daher.

Keine Daten zum Verbleib der Absolventen

Aufhorchen lässt die Analyse vor allem mit Hinblick auf die Diskussion um den wachsenden Fachkräftemangel im Medizinbereich. Hier forderten die Bundesärztekammer und das Gesundheitsministerium jüngst rund 6.000 zusätzliche Medizinstudienplätze in Deutschland, um den Bedarf langfristig zu decken. Warum aber bleiben deutsche Medizinstudenten im Ausland bei dieser Diskussion in Deutschland weitesgehend außen vor, fragt man sich auch bei CHE.

Für eine abschließende Antwort fehle es an Daten, konstatiert Gero Federkeil, Leiter internationale Projekte beim CHE: „Noch lückenhafter als die Datenlage zu den aktuellen Medizinstudierenden im Ausland ist die zu deren Verbleib nach dem Studium. Zwar haben einige internationale Hochschulen in unserer Befragung angegeben, dass die Mehrzahl ihrer deutschen Absolvent*innen nach Deutschland zurückgekehrt sind, aber diese Angaben können nicht generalisiert werden. Selbst die für die Anerkennung und Approbation zuständigen Länderbehörden in Deutschland haben nahezu flächendeckend keine Informationen und Daten über die Anerkennung eines Studiums von Deutschen im Ausland.“

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