Das belgische Imec und das amerikanische MIT bündeln ihre Kompetenzen, um die Entwicklung intelligenter, minimalinvasiver Diagnostikgeräte zu beschleunigen.
Im Fokus steht die Entwicklung neuer nanoelektronischer Lösungen für minimal- und nichtinvasive Diagnosegeräte und damit die personalisierte Medizin. Dafür bündeln das belgische Interuniversity Microelectronics Centre, kurz Imec, sowie das Massachusetts Institute of Technology (MIT) ihre Kompetenzen in Nanoelektronik, Mikrosystemtechnik und KI.
Ziel der Zusammenarbeit ist die Entwicklung von nanoelektronischen, minimal-invasiven Diagnosegeräten, die Biomarker und Vitaldaten in der Klinik, am Point-of-Care oder zu Hause überwachen können. Die Vision der Wissenschaftler: In Verbindung mit künstlicher Intelligenz kann auf Basis dieser Daten ein digitales biologisches Profil einer Person erstellt werden, das Mediziner eine detaillierte klinische Überwachung ermöglicht. Dadurch erhalten Kliniker leistungsfähige Werkzeuge für die Therapie, Diagnose und Prävention von Krankheiten, die letztlich die Lebensqualität verbessern.
Halbleitertechnologie trifft Biowissenschaften
Möglich macht es der jüngste Fortschritt in der Halbleitertechnologie, heißt es von beiden Instituten. Und ein konkretes Beispiel liefern sie mit: die nichtinvasive Blutdruckanalytik. Während herkömmliche Manschetten nur den arteriellen Druck erfassen, adressieren neue Bildgebungs- und Modellierungsansätze auch den venösen Rückfluss – ein Schlüsselfaktor etwa bei Herzinsuffizienz. Dafür braucht es eine Fusion von Chip-, Algorithmus- und Gerätedesign, damit die smarten Medizingeräte der Zukunft nicht nur messen, sondern klinisch relevante Entscheidungen vorbereiten.
„Wir glauben, dass unsere Zusammenarbeit mit dem MIT durch die Integration modernster Halbleitertechnologie und KI das Gesundheitswesen revolutionieren kann“, sagte Veerle Reumers, Head of Health Strategy & Portfolio bei Imec USA. „Mit der Expertise des MIT in den Bereichen Gesundheitswesen und Mikrosysteme und imec als Goldstandard für den Transfer neuartiger Technologien in die Industrie vereint diese Partnerschaft jahrzehntelange, sich ergänzende Erfahrungen.“
„Wir sind entschlossen, die Gesundheitsversorgung der Zukunft durch eine neue Generation von Mikrosystemen, die den Kreislauf zwischen fortschrittlicher Sensorik und Aktorik schließen, personalisierter und erschwinglicher zu machen“, sagte Tomás Palacios, Clarence J. LeBel, Professor für Elektrotechnik und Informatik am MIT und Direktor der MIT Microsystems Technology Laboratories. „Die Gesellschaft braucht diese neuen Lösungen so schnell wie möglich, und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit unseren Kollegen vom Imec und dem gesamten MIT-Ökosystem, um dies in die Tat umzusetzen.“
Überhaupt scheinen sich Pharmabranche und Gesundheitswesen derzeit auf Nanoelektronik zu konzentrieren. Am Dienstag hat Merck eine Zusammenarbeit mit dem Imec verkündet, bei der es um die Entwicklung von mikrophysiologischen Systemen geht.



