Hybrid-DRGs: Zu teuer für die Kassen?

von | Sep. 10, 2026

Anhoren

Teilen

 

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hat heute eine Analyse vorgelegt, wonach Hybrid-DRGs seit Einführung zu stark steigenden Kosten und Fallzahlen geführt haben.

 

Eigentlich sollten sie den Weg zu einer stärkeren Ambulantisierung frei machen, die sogenannten Hybrid-DRGs zur sektorenunabhängigen Vergütung. Nun zeigt eine heute veröffentlichte Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), dass eben diese Hybrid-DRGs 2025 zu einem starken Anstieg der Fallzahlen und damit zu stark gestiegenen Kosten für die gesetzlichen Krankenkassen geführt haben. 360 Millionen Euro rechnet das WIdO für den Berichtszeitraum vor.

Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands Carola Reimann fordert daher umgehend Nachbesserungen bei der Ausgaben- und Mengensteuerung: „Die Hybrid-DRGs sind zwar gut gemeint, aber schlecht gemacht. Denn die Verlagerung von Krankenhaus-Leistungen in den ambulanten Bereich, die seit 2024 durch die Hybrid-DRGs gefördert werden sollte, führt nicht zu der erwarteten günstigeren Versorgung. Ganz im Gegenteil sehen wir im Endeffekt einen deutlichen Ausgaben-Anstieg.“

Attraktive Vergütung schafft Masse

Konkrete Gründe findet man, wenn man in die WIdO-Analyse schaut: Bei den Vertragsärzten sieht das Institut aufgrund der attraktiven Vergütung durch die Hybrid-DRGs starke Anreize für eine Mengenausweitung. Aber auch in den Krankenhäusern, wo ohnehin schon deutlich mehr Eingriffe durchgeführt werden, sei diesen Mengensteigerung zu beobachten.

Im Jahr 2025 wurden laut der Analyse rund 830.000 Fälle abgerechnet, die unter die Hybrid-DRG-Regelung fallen. Diese waren mit Ausgaben in Höhe von rund 1,2 Milliarden Euro für die GKV verbunden. „Werden alle ambulanten und stationären Leistungen mit Leistungen des Hybrid-DRG-Katalogs im Sinne des Warenkorbs in eine Gesamtschau einbezogen, betreffen diese Leistungen im Jahr 2025 1,3 Millionen Fälle und ein Vergütungsvolumen von circa 2,9 Milliarden Euro“, heißt es im Report

Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich damit eine Mengensteigerung von 17 Prozent und ein inflationsbereinigter Ausgabenanstieg von 14 Prozent. Für die im Jahr 2026 eingeführten neuen Hybrid-DRGs lassen die ersten Trends auf Basis des ersten Quartals 2026 erwarten, dass sich Ausgaben- und Mengeneffekte verstetigen werden, sind die Experten am WIdO überzeugt. Gleichzeitig würden die zunehmende Komplexität der Leistungsausgestaltung und die sektoral unterschiedlichen Kodieranforderungen detailliertere Schlussfolgerungen erschweren.

Für Reimann wird es daher höchste Zeit, dass der Gesetzgeber die Regelungen zu den Hybrid-DRGs nachbessert. „Wir brauchen klare gesetzliche Vorgaben zur Anpassung der Preise an die tatsächlich entstehenden Aufwände in der ambulanten Versorgung. Behandlungen, die unter günstigeren Rahmenbedingungen ambulant erbracht werden, sollten für die Beitragszahlenden auch weniger kosten. Nur so bekommen wir eine wirtschaftlich tragfähige Ambulantisierung hin, die wir in Deutschland so dringend brauchen.”

Das könnte Sie auch interessieren