Hirnvolumen: evolutionäre Obergrenze noch nicht erreicht?

by | Apr 3, 2024

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Eine neue Studie aus den USA zeigt: Unser Gehirn wächst weiter. Vor allem die kortikale Oberfläche nahm in den vergangenen Jahrzehnten noch einmal deutlich zu.

 

Es sind beeindruckende Erkenntnisse, die Forscher um den Neurobiologen Charles DeCarli von der University of California nun im Journal of the American Medical Association veröffentlicht haben. Unser Gehirn wächst. Dafür wurden MRT-Aufnahmen der Bewohner einer US-Kleinstadt namens Framingham im Middlesex County, Massachusetts, ausgewertet. Sie sind Teil der weltweit umfangreichsten Kohortenstudie zu Herz-Kreislauf- und anderen Erkrankungen seit der Nachkriegszeit – eine Studie, die seit 75 Jahren fortgesetzt wird und inzwischen die zweite und dritte Generation Teilnehmer umfasst. Seit 1999 wurden zudem auch systematisch Hirnscans angefertigt. Insgesamt haben die Forscher für ihre Studie „Entwicklung des intrakraniellen und zerebralen Volumens von Teilnehmern der Framingham Heart Study der Jahrgänge 1930 bis 1970“ die Gehirne von 3.000 Personen analysiert und konnten zeigen, dass bestimmte Strukturen im Gehirn über die Zeit zwar langsam aber dafür konstant zunahmen.

Wer in den 1930ern geboren wurde, hatte beispielsweise ein durchschnittliches Hirnvolumen von 1.234 Milliliter. Bei Menschen, die in den 1970ern geboren wurden, lag es bereits bei 1.321 Millilitern. Das entspricht einem Zuwachs von 6,6 Prozent.

Die äußerste Schicht des Großhirns, die kortikale Oberfläche, nahm im Laufe der Jahrzehnte sogar noch stärker zu. Wer in den 1970ern auf die Welt kam, hatte eine durchschnittliche Oberfläche von 2.104 Quadratzentimetern. Bei den 1930er-Jahrgängen waren es im Vergleich nur 2.056 Quadratzentimetern, also fast 15 Prozent weniger. Auch die weiße Substanz, die graue Substanz und der Hippocampus haben signifikant an Größe gewonnen, konnten die Forscher zeigen.

Größere Körper, größere Gehirne?

Zudem ist der Mensch im selben Zeitraum insgesamt gewachsen. In den 1930ern lag die durchschnittliche Körpergröße noch bei 1,68 Metern. Rund 40 Jahre später bei 1,72 Metern. Doch während die Körpergröße nur um 2,4 Prozent zunahm, wuchs das Gehirn im Vergleich um 5,9 Prozent. Die Forscher vermuten deshalb, dass die Genetik einen maßgeblichen Einfluss auf das Gehirnwachstum hat. Zudem deuten die Ergebnisse darauf hin, dass auch äußere Umstände wie gesundheitliche, soziale, kulturelle und erzieherische Faktoren eine Rolle spielen, erklärt DeCarli.

Der Studienautor glaubt zudem, dass die größeren Gehirne vorteilhaft für uns sein könnten: „Eine größere Gehirnstruktur steht für eine größere Gehirnreserve und kann die Spätfolgen von altersbedingten Gehirnerkrankungen wie Alzheimer und verwandten Demenzerkrankungen ein Stückweit abfedern.” Allerdings sei die Studie nicht repräsentativ für die US-Bevölkerung, weil in Framingham überwiegend weiße, gesunde und gut ausgebildete Menschen leben.

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