Mit Hinge Health hat ein weiterer US-Digital-Healthcare-Pionier den Gang an die Börse gewagt – allerdings deutlich unter der letzten privaten Bewertung, was offensichtlich kein Stigmata mehr ist.
Der Spezialist für digitale Physiotherapie Hinge Health hat sein Börsendebüt an der New York Stock Exchange erfolgreich gemeistert. Die Aktie schloss am Freitag, dem ersten Handelstag, bei rund 37,56 US-Dollar und damit etwa 17 Prozent über dem Ausgabepreis von 32 US-Dollar. Was man zunächst als Erfolg werten darf, hat jedoch auch ein Geschmäckle, denn der IPO brachte Hinge Health damit „nur“ etwa 437 Millionen Dollar ein, was einer Marktkapitalisierung von etwa drei Milliarden US-Dollar entspricht.
Damit ist der Hinge-Börsengang ein sogenannter „Down-Round-IPO“, weil der Börsenerlös deutlich unter der letzten privaten Bewertung des Unternehmens liegt. Im Oktober 2021 gab es angeführt von Coatue und Tiger Global nämlich ein Invest in Höhe von 600 Millionen US-Dollar, was damals einer Unternehmensbewertung von 6,2 Milliarden US-Dollar entsprach.
Dennoch dürfte man in San Francisco mit dem IPO zufrieden sein – und anderen Tech-Startups Mut machen. Denn die Bewertungen von Digital Health in den Boomjahren 2020 und 2021 mit überhitzten Finanzierungsrunden sind eben kein langfristiger und nachhaltiger Maßstab. 237 Millionen aus dem IPO-Erlös gehen direkt an Hinge Health – der Rest an die Investoren, von denen Insight Partners und Atomico mit 19, respektive 15 Prozent die größten Anteile haben.
Tatsächlich hat mit Omada Health – ebenfalls ein Virutal-Care-Anbieter mit Sitz in San Francisco – am 9. Mai seinen Börsengang bei der US-Kapitalmarktaufsicht FDA angemeldet. Laut Branchendienst CB Insights hat Omada Health Investorengelder in Höhe von 500 Millionen US-Dollar erhalten – zuletzt 192 Millionen im Februar 2022 in einer Serie-E-Runde und damit den berüchtigten Unicorn-Status erreicht. Aktuell liegen die Bewertungen bei rund drei Milliarden US-Dollar.
In den USA scheint sich also trotz aller Unsicherheit und mehr als einem Kursabsturz doch wieder ein IPO-Fenster zu öffnen – gerade für Tech-basierte junge Unternehmen. Auch das Fintech Chime hat kürzlich sein Börsendebüt angekündigt – in einer ganz anderen Liga. Mit über 8,6 Millionen „aktiven“ Nutzern, einem Umsatz von 1,67 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr und einer erwarteten Bewertung von mehr als 20 Milliarden US-Dollar – hier scheiden sich die Geister allerdings deutlich – ist der Börsengang von Chime ein wichtiges Ereignis für die Fintech-Branche und ein weiteres Zeichen dafür, dass in diesem Jahr vielleicht noch mehr IPOs folgen könnten.



