Herausforderungen im stationären Sektor sind groß

by | Jul 1, 2024

Anhoren

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Die angespannte wirtschaftliche Lage macht auch vor den Unikliniken im Land nicht halt. Aktuell berichten die Häuser in Mainz und Rostock zum Geschäftsjahr 2023, wo die Lage jeweils unterstreicht, wie dringend der Sektor eine Reform benötigt.

 

Nicht immer lassen absolute Zahlen ein umfassendes Bild zu. Das zeigt sich einmal mehr an den Jahresabschlüssen 2023 der Unikliniken Rostock und Mainz, die mit plus 8,7, respektive minus 113,6 Millionen Euro unterschiedlicher nicht hätten ausfallen können. Dass ersteres Ergebnis jedoch nicht zwangsläufig für eine solide finanzielle Basis spricht und ein Fehlbetrag von über 100 Millionen Euro dennoch positiv bewertet werden kann, zeigt ein zweiter Blick auf die Geschäftszahlen. Denn Freud und Leid liegen eben manchmal doch deutlich näher beieinander, respektive kämpfen beide Häuser gleichermaßen mit der herausfordernden wirtschaftlichen Situation im stationären Sektor.

Denn das Plus in Rostock sei lediglich einem Sondereffekt zu verdanken. Der Überschuss ergebe sich im Wesentlichen aus den Ergebnissen der Pflegebudgetverhandlungen mit den Krankenkassen sowie Bundeszuschüssen zum Inflationsausgleich, heißt es in der zugehörigen Meldung. Christian Petersen, Kaufmännischer Vorstand der Universitätsmedizin Rostock, betont deshalb, dass der Überschuss nicht über die tatsächlich angespannte finanzielle Situation hinwegtäuschen darf: „Nicht nur wir als universitärer Maximalversorger benötigen dringend die finanzielle Sicherheit, die sich durch die eingeleitete Krankenhausreform ergeben soll.“

Demgegenüber fällt der Jahresfehlbetrag in Mainz deutlich besser aus als erwartet. Gerechnet hatte man noch im März mit einem Minus von 120 Millionen Euro. Dennoch betont der Vorstandsvorsitzende und medizinische Vorstand der Universität Mainz, Univ.-Prof. Dr. Ralf Kiesslich: „Die aktuelle Situation erfordert ohne Zweifel klare und umgehende Maßnahmen. Deshalb gibt es sehr viele Themen, die wir gerade an der Universitätsmedizin bewegen.“ Allen voran wollen man Ressourcen künftig verstärkt gemeinsam nutzen.

Mangelnde Auslastung

In Mainz sind vor allem Erlöse aus dem Krankenhausbetrieb ausgeblieben. Insbesondere im letzten Quartal des Jahres seien weniger Patienten auf Stationen behandelt worden. Gleichzeitig seien die Ausgaben bei medizinischen Sachkosten aufgrund der allgemeinen Preissteigerungen in die Höhe geschnellt. Dennoch haben die ersten sechs Monate seit dem „Neustart“ bereits Früchte getragen, wie der Aufsichtsratsvorsitzende und rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch betont. Mit dem Zukunftsprogramm UM.Neustart sollen Strategie, Organisation und Prozesse weiterentwickelt und das Defizit abgebaut werden. Und der schwarzen Null könne man sich so gut annähern, glaubt Hoch. Bis Ende das Jahres soll das Defizit nur noch bei 107 Millionen Euro liegen. Der Umbau sei allerdings eben auch ein Marathon, betont Kiesslich.

In Rostock hofft man indes auf die Krankenhausreform, die „dringend weiter fortgeführt werden müsse, wie Dr. Christiane Stehle, Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Vorständin der Universitätsmedizin Rostock, noch einmal unterstreicht: „Weitere Verzögerungen können wir uns angesichts ebenfalls großer Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel nicht mehr erlauben.“

Reform benötigt

Dass nicht nur kleine kommunale Häuser dermaßen stark mit den wirtschaftlichen Herausforderungen zu kämpfen haben, sollte der Politik zu denken geben. In welcher Form auch immer eine Lösung ausfallen wird, sie wird offensichtlich dringend gebraucht. Die sinkenden stationären Erlöse in Mainz unterstreichen allerdings auch, dass die Ambulantisierung ein wichtiger Aspekt in der aktuellen Reformdiskussion ist, der wir ganz aktuell auch unsere aktuelle Folge der Podcast-Serie „Diagnose: Umbau“ gewidmet haben.

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Gemüsekohl für die Gesundheit

Forscher des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau haben jene Kohlsorten identifiziert, die besonders wertvolle Pflanzenstoffe für den Menschen beinhalten. Wie die sich auf die Gesundheit auswirken, wird nun in einer Interventionsstudie untersucht.

Grün und vielfältig sollte sie sein, unsere Ernährung. Und einem Gemüse kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Gemüsekohl. Am Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) gibt es mit dem Projekt SharpGreens sogar ein eigenes Forschungsprojekt, das jetzt in die zweite Phase startet. Die wissenschaftliche Fragestellung: Wie beeinflusst eine vielfältige Ernährung reich an Gemüsekohl die Gesundheit? Die humane Interventionsstudie wird gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Freiburg umgesetzt. Erforscht werden sollen vor allem die Auswirkungen auf die Immunfunktionen und das Darmmikrobiom.
Der Interventionsstudie ist eine intensive erste Projektphase vorangegangen, für die am IGZ in den vergangenen 30 Jahre eine umfassende Analytikplattform für sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Abbauprodukte entwickelt wurde. Im Fall des Gemüsekohls geht es um die sogenannten Glucosinolate, die beim Verzehr enzymatisch zu gesundheitsfördernden Abbauprodukten, den Isothiocyanaten, umgewandelt werden können. Diese Substanzen haben entzündungshemmende, antikanzerogene und antimikrobielle Eigenschaften. Bisher wurden mehr als 100 verschiedene Glucosinolate in Pflanzen identifiziert, wobei die Wirksamkeit ihrer Abbauprodukte stark variieren kann.
Über 300 Kohlsorten kultiviert
Im Rahmen des Projekts SharpGreens kultivierte das Team von Projektleiterin Dr. Katja Witzel im letzten Jahr 300 Genbank- und 17 kommerzielle Kohlsorten am IGZ und analysierte die Glucosinolat-Gehalte und Abbauprodukte. Dabei wurden 24 Kohlsorten mit verbesserten Glucosinolat-Gehalten und gewünschten -Abbauprofilen identifiziert. Diese stammen aus verschiedenen Regionen, darunter Kohlrabi aus der ehemaligen DDR, Blumenkohl-Sorten aus Italien, Weißkohl aus Japan und Spanien, Grünkohl aus Schweden und bulgarischer Rotkohl. Zur weiteren Aufklärung des enzymatischen Glucosinolat-Abbaus wurde das Proteom aller Kohlsorten am IGZ analysiert und ergänzend dazu eine genomweite Assoziationsstudie vom Projektpartner Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) durchgeführt.
In der nun gestarteten zweiten Projektphase werden die ausgewählten Kohlsorten in der Interventionsstudie am Universitätsklinikum Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Evelyn Lamy eingesetzt. Es wird untersucht, ob der Verzehr einer vielfältigeren Gemüsekohl-Diät die Gesundheit beeinflusst und ob diese Effekte auf den hohen Gehalt an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen oder die Pflanzenvielfalt zurückzuführen sind. Die Probanden erhalten dafür in einem randomisierten Crossover-Versuch vier verschiedene Gemüsekohl-Diäten, die aus gefriergetrockneten Kohlpflanzen am IGZ hergestellt werden und definierte Mengen an bioaktiven Substanzen enthalten. Außerdem wird der Einfluss der Vielfalt an Gemüsekohl in der Ernährung auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms untersucht.
Bewusstsein für Vielfalt fördern
Die Forschungsergebnisse sollen anschließend über verschiedene Formate wie Kochevents, Feldführungen und Ausstellungen an die Öffentlichkeit kommuniziert werden. Ziel ist es, das Bewusstsein für den Erhalt der Artenvielfalt in der Landwirtschafft sowie eine vielfältige pflanzenbasierte Ernährung zu fördern. Unterstützt werden die Forscher dabei von proWissen Potsdam e.V. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert SharpGreens im Rahmen der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) und der Richtlinie zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen Biodiversität und menschlicher Gesundheit (BiodivGesundheit2) mit 1,1 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren.

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