HBSC-Studie vorgestellt: Psychosomatische Beschwerden nehmen zu

by | Mar 4, 2024

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Wohlbefinden und Gesundheitskompetenz bei Kindern und Jugendlichen haben eine hohe Aussagekraft, was in den kommenden Jahren auf die Gesundheitssysteme zukommen wird.

 

Die aktuellen Ergebnisse der HBSC-Studie (Health Behaviour in School-aged Children) zeigen: Wir haben schon heute ein Problem in Deutschland, das sich in den kommenden Jahren potenzieren könnte – mit entsprechend negativen Folgen für das Gesundheitswesen. Zum einen nehmen psychosomatische Beschwerden seit Jahren zu und nur eine Minderheit der untersuchten Schüler bewegt sich ausreichen. Die Folgen können schwerwiegend sein, attestiert Studienleiter Matthias Richter, Professor für Soziale Determinanten der Gesundheit an der Technischen Universität München (TUM).

Nur etwa jedes zehnte Mädchen, jeder fünfte Junge sowie jeder achte der gender-diversen Heranwachsenden erfüllte die Empfehlung der WHO für tägliche Bewegung von mindestens 60 Minuten. Je älter die Befragten waren, desto weniger bewegten sie sich. Während rund 15 Prozent der elfjährigen Mädchen die WHO-Bewegungsempfehlung erreichten, waren es bei den Fünfzehnjährigen nur knapp sieben Prozent. Während die körperliche Aktivität von 2009 bis 2022 bei Jungen relativ stabil blieb, nahm diese bei Mädchen insgesamt leicht ab.

Mehr Cybermobbing

Zudem würden psychosomatische Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen, Einschlafprobleme oder Gereiztheit kontinuierliche zunehmen. Mädchen, gender-diverse Heranwachsende und ältere Jugendliche berichteten häufiger von einer schlechten Gesundheit, niedriger Lebenszufriedenheit oder multiplen psychosomatischen Beschwerden.

Und während sich das direkte Mobbing in der Schule seit 2017 kaum verändert hat, ist der Anteil der von Cybermobbing betroffenen Schüler im Vergleich zu 2017 von vier auf sieben Prozent angestiegen.

Wohlstand entscheidet über Lebenszufriedenheit

Entscheidend für die Lebenszufriedenheit ist außerdem der Wohlstand in den Familien, wie die Studie zeigt. Ist eine Familie verhältnismäßig arm, geben 24 Prozent der Mädchen eine niedrige Lebenszufriedenheit an. Das ist doppelt so häufig wie bei Schülerinnen mit einem höheren sozioökonomischen Status. Bei männlichen Heranwachsenden mit niedrigem familiärem Wohlstand geben auch 17 Prozent eine niedrige Lebenszufriedenheit an. Das ist dreimal so häufig wie bei Schülern mit einem höheren sozioökonomischen Status.

Die Ergebnisse würden nochmals unterstreichen, dass nicht alle Kinder und Jugendlichen die gleichen Gesundheitschancen haben, betont die stellvertretende Studienleitung Dr. Irene Moor von der Universitätsmedizin Halle: „Um Mobbing, gesundheitliche Ungleichheiten und die Häufigkeit psychosomatischer Beschwerden zu reduzieren, braucht es zielgruppenspezifische Maßnahmen, die beispielsweise Schulform, Migrationshintergrund, sozioökonomischen Status, Geschlecht und Alter besonders berücksichtigen. Mädchen, ältere und gender-diverse Heranwachsende sind in vielen Bereichen besonders betroffen.

Die HBSC-Studie ist eine internationale Studie an der 51 Länder beteiligt sind und die in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt wurde. Alle vier Jahre werden repräsentative Umfragen an Schulen durchgeführt. Die aktuellen Daten für Deutschland hat ein Forschungsverbund unter Leitung der TUM und der Universitätsmedizin Halle erhoben. Die Wissenschaftler untersuchten Fragestellungen rund um die Themen körperliche Aktivität, Mobbing und Cybermobbing, psychisches Wohlbefinden, Gesundheitskompetenz und gesundheitliche Ungleichheiten. An der jüngsten Erhebung im Jahr 2022 beteiligten sich 6.475 Schüler im Alter von elf bis 15 Jahren aus ganz Deutschland.

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