Mindestens 36 Milliarden Euro kostet der diesjährige Sommer die Bundesrepublik, rechnet die Umweltorganisation Greenpeace vor. Produktivitätsverluste und Gesundheitskosten treiben die Schadensbilanz.
Knapp ein Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) oder 36 Milliarden Euro – so schwer wiegen die Schäden, die der diesjährige Sommer in Deutschland verursacht hat, zeigen nun Berechnungen der Umweltorganisation Greenpeace. In die Berechnung flossen unter anderem Schadensschätzungen aus den Bereichen Verkehr, Gesundheit, Forst- und Landwirtschaft sowie Produktivitätsverluste und Bildungskosten ein.
„Dieser Hitze- und Dürresommer war eine Katastrophe – für Millionen Menschen und für die Volkswirtschaft. Auch wenn diese Naturkatastrophe keine Trümmerberge verursacht, ist die Höhe der Schäden erschütternd”, sagt Mauricio Vargas, Finanzexperte bei Greenpeace Deutschland. Die Zahlen seien unmissverständlich und ein Weiter-so könne sich Deutschland schlicht nicht mehr leisten
1,54 Milliarden Euro Belastung im Gesundheitssystem
Der größte Schadensposten entfällt auf die Arbeitswelt: Bei geschätzt 25 Hitzetagen summieren sich hitzebedingte Produktivitätsverluste und -ausfälle auf 10,8 Milliarden Euro. Es folgen Waldschäden etwa durch Trockenstress und Brände mit fünf bis 7,5 Milliarden Euro sowie die gesundheitsökonomisch bewerteten Verluste an 35 000 Lebensjahren mit 6,9 Milliarden Euro. Weitere erhebliche Belastungen entstehen in der Landwirtschaft (3,4 Mrd. Euro), im Bildungssystem durch verminderten Lernzuwachs (3,2 Mrd. Euro), durch das Niedrigwasser des Rheins (3,4 bis 4,5 Mrd. Euro), an der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur (1,8 bis 3,7 Mrd. Euro) sowie durch erhöhte Belastungen im Gesundheitssystem (1,54 Mrd. Euro).
Die Gesamtschäden von mindestens 36 Milliarden Euro sind konservativ berechnet. Mehrere Wirkungskanäle ließen sich laut Greenpeace nicht belastbar quantifizieren und blieben daher in der Bilanz unberücksichtigt – etwa die Verwerfungen im europäischen Energiesystem durch fehlendes Kühlwasser, die Gesundheitsfolgen der hitzebedingt erhöhten Ozon- und Feinstaubbelastung sowie die ökologischen Folgeschäden der Waldbrände, wozu der Verlust an Biodiversität, Trinkwasser- und Erosionsschutz oder ein Schutz zur Regulierung des Mikroklimas zählen. All diese Faktoren würden die Schadensrechnung weiter erhöhen. „Die wahren Kosten von Extremwetterereignissen wie diesem Hitzesommer liegen weit über unseren Berechnungen”, sagt Vargas. „Investitionen in ambitionierten Klimaschutz schrumpfen daneben auf ein lächerliches Niveau.”



