Die gesetzlichen Krankenkassen erwirtschaften im ersten Quartal des Jahres einen Milliardenüberschuss – und halten doch an Beitragserhöhungen fest.
Deutschland diskutiert über Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen. Gleichzeitig rechnet die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit Verweis auf drei der vier wichtigsten Verbünde gesetzlicher Krankenversicherungen (AOK, Ersatzkassen und Betriebskassen) vor, dass die GKV im ersten Quartal einen Überschuss von rund 1,1 Milliarden Euro erzielt hat.
Der Grund: höhere Zusatzbeiträge. Von Januar bis März 2026 hätten die Ersatzkassen 567 Millionen Euro mehr eingenommen als ausgegeben, bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) betrug der Mehrbetrag 206 Millionen Euro, in der BKK-Gruppe waren es rund 300 Millionen Euro, wie die Zeitung meldet.
Dennoch warnen die Kassen, dass dies keinesfalls ein Grund zum Aufatmen sei. Die Ausgaben lägen weiterhin über den Einnahmen. Steigende Beiträge für die Versicherten bleiben damit wahrscheinlich.
Bloß nicht nachgeben
Dazu sagt die VDEK-Vorsitzende Ulrike Elsner: „Um Beitragssatzerhöhungen im nächsten Jahr zu vermeiden, muss das im Kabinettsentwurf vorgesehene Einsparvolumen mindestens realisiert werden.“ Heißt übersetzt: Dem Druck der Bundesländer und Leistungsanbieter darf auf keinen Fall nachgegeben werden, doch noch Abstriche bei der Gesundheitsreform umzusetzen, die am 12. Juni zum ersten Mal im Bundestag und Bundesrat verhandelt werden soll.
Die Last tragen aktuell die Versicherten. Die FAZ rechnet vor, dass die Einnahmen durch den Anstieg des kassenindividuellen Zusatzbeitrags von durchschnittlich 2,5 auf 2,9 Prozent bei 7,9 Milliarden Euro lagen. Die VDEK-Vorsitzende sagte, dass der tatsächliche Zusatzbeitrag inzwischen sogar im Schnitt bei 3,1 Prozent und damit über dem vom Gesundheitsministerium definierten Durchschnitt liegt. „Die Ersatzkassen benötigen das Plus für die Auffüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Rücklagen. Die Ausgaben steigen weiterhin ungebremst an und liegen über den Einnahmen.“ Auch die AOK stellte klar, das Plus habe nicht an Einsparungen oder Strukturreformen gelegen, sondern „allein an der relativ hohen Anhebung der Beitragssätze zum Jahreswechsel“.



