Gewebebrücken als Genesungsindikator bei Rückenmarksverletzungen

by | Jun 28, 2024

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Nach einer Rückenmarksverletzung ist die große Frage immer, wie es um die sensorische und motorische Genesung der Betroffenen steht. Ein Forschungszusammenschluss aus der Schweiz, Deutschland und den USA hat möglicherweise Antworten gefunden – in den Gewebebrücken. 

 

Sie sind für die Vorhersage der sensorischen und motorischen Genesung bei Menschen mit Rückenmarksverletzungen von großem Wert: Neuroimaging-Messungen. Das konnte nun ein Forschungszusammenschluss dreier internationaler Rehabilitationszentren in Zürich, Murnau und Denver zeigen. Die Ergebnisse der Längsschnittstudie „Prognostic value of tissue bridges in cervical spinal cord injury“ haben das Potenzial, die klinische Praxis zu verändern, sind die Forscher überzeugt. Sie wurden soeben in The Lancet Neurology, der weltweit führenden Zeitschrift für klinische Neurologie, veröffentlicht.

Für die Studie hat das Team um Erstautor Dr. Dario Pfyffer und Seniorautor Prof. Dr. med. Patrick Freund von der Universitätsklinik Balgrist und der Universität Zürich in einer großen, multizentrischen Kohorte von Patienten mit zervikaler SCI (kurz für Spinal Court Injury) erfolgreich Modelle entwickelt, die Gewebebrücken im Rückenmark für eine verbesserte Prognose der klinischen Ergebnisse einbeziehen. Dabei handelt es sich um unverletztes Nervengewebe neben der Rückenmarksläsion.

Gewebebrücken als zuverlässiger Indikator

Die Forscher haben die Gewebebrücken – früh nach Eintreten der Rückenmarksverletzung aufgenommen – auf MRT-Bildern gemessen. Dadurch ergab sich für die bisherigen Prognosemodelle, die auf der Erfassung des klinischen Zustands der Patienten bei deren Eintritt ins Krankenhaus basieren, ein entscheidender Mehrwert. Denn in allen drei Rehabilitationszentren haben sich die Gewebebrücken als deutlich leistungsfähiger und genauer erwiesen als die klinischen Ausgangsdaten zur Einteilung der Patienten in Untergruppen mit ähnlichen Ergebnissen.

Erstautor Dr. Pfyffer betont deswegen, wie wichtig es ist, dass die Modelle zur Vorhersage der Genesung reproduzierbar und auf neue Patienten verallgemeinerbar sind. Insbesondere wurden die Studienergebnisse in den einzelnen SCI-Patientenkohorten der drei Zentren mit ihren demografischen und klinischen Unterschieden validiert. „Unsere Modelle und Ergebnisse können auf andere Patientenkohorten übertragen werden und sind für alle SCI-Zentren, MRT-Scanner und Personen, die die Messungen durchführen und beurteilen gültig“, attestiert Pfyffer. Damit sei der Grundstein für eine erfolgreiche Anwendung von Gewebebrücken zur verbesserten Durchführung von multizentrischen Interventionsstudien gelegt.

Kurz- und langfristige Verbesserungen ablesbar

In dieser Bildgebungsstudie wurden die Fortschritte der Genesung beim Verlassen der Klinik, etwa drei Monate nach der Verletzung und bei der Nachuntersuchung nach zwölf Monaten gemessen. Dadurch konnte die Studie überzeugende Beweise dafür liefern, dass Gewebebrücken im Rückenmark mit kurz- und langfristigen klinischen Verbesserungen einhergehen, was die breite klinische Anwendbarkeit des Studienansatzes unterstreicht.

Die Studie zeige zudem das Potenzial von Gewebebrücken zur Optimierung der klinischen Entscheidungsfindung, der Patientenberatung und der Planung von SCI-Studien, wenn die Gewebebrücken routinemäßig, als Teil der klinischen Versorgungsstandards erfasst werden. Sie sei ein weiterer Schritt bei der Entwicklung spezifischerer Rehabilitationsprogramme und individualisierter Behandlungsstrategien für Menschen mit einer Rückenmarksverletzung, betonen die Forscher.

 

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