Gesundheitswesen Schweiz: Die Herausforderungen sind dieselben

von | Juni 1, 2026

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Große Anstrengungen bei kleinem Budget. Auch in der Schweiz gibt es Herausforderungen, die einer digitalen Transformation des Gesundheitswesens im Weg stehen. Dort setzt mal allerdings klar auf digital Souveränität.

 

Anderes Land, selbe Herausforderungen. Auch das Gesundheitswesen Schweiz steht vor großen Transformationsaufgaben und auch bei unseren Nachbarn klingen die Hürden, die es zu überwinden gilt, vertraut. Mit DigiSanté, dem Swiss Health Data Space (SwissHDS) und dem neuen Elektronischen Gesundheitsdossiert (E-GD) sind die Ziele, die sich das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gesteckt hat, hoch: Eine vernetzte, sichere und effizientere Dateninfrastruktur im Gesundheitswesen. Allerdings muss BAG-Direktorin Anne Lévy auch zugestehen, dass es aktuell nicht an digitalen Anwendungen in Praxen, Krankenhäusern oder Apotheken fehlt, sondern an gemeinsamen Standards für Daten und deren Austausch. Deshalb könnten die Systeme nach wie vor nicht nahtlos miteinander kommunizieren, sagte sie auf der Fachveranstaltung Transform 2026 Anfang Mai in Bern.

Eigentlich soll DigitSanté genau dieses Problem mit seinem rund 50 auf zehn Jahre angelegten Vorhaben lösen, von denen laut Lévy „die Mehrheit“ bereits gestartet wurden. Ein Blick auf Projekte wie eine vollständig digitalisierte Spezialitätenliste für kassenpflichtige Medikamente, ein Portal, über das der Radongehalt in Gebäuden übermittelt wird, oder ein Infoportal für übertragbare Krankheiten klingen dann doch aber noch sehr weit weg, von der eigentlichen Mission, ein digitales Gesundheitswesen zu schaffen, „in dem alle relevanten Daten nahtlos ausgetauscht und von allen Systemen gelesen werden können.“

Digitale Souveränität im SwissHDS

Dafür wird das BAG beim SwissHDS im Anforderungskatalog sehr deutlich. Wie die NZZ zuerst berichtete müsse die Infrastruktur für das IT-Großprojekt ausschließlich Schweizer Recht unterliegen und dürfe keine Abhängigkeit von äußeren Jurisdiktionen aufweisen. Explizit genannt wird in diesem Kontext der US Cloud Act. Damit sind US-Konzerne wie Microsoft, Google oder AWS faktisch raus bei der Umsetzung, für die mit einem zweistelligen Millionenbetrag gerechnet wird. Das BAG setzt damit eindeutig auf digitale Souveränität – auch, weil der Swiss HDS zur Grundlage für das E-GD werden soll, welches das bisherigen elektronische Patientendossier ablösen wird.

Zudem wird es mit Blick auf das Timing des SwissHDS sportlich: Der Startschuss ist bereits gefallen, und zwar mit dem Proof of Concept für eMedikation. 2027 und 2028 sollen dann mit einem zweitem DigiSanté-Gesetzespaket zwei erste Basisdienstpakete als Minimum Viable Product für den Gesundheitsdatenraum umgesetzt werden. 2032 soll dann bereits die Freigabe für diese Pakete folgen.

E-GD als Game Changer?

Und auch die Gesetzesvorlage für das E-GD ist schon vom Bundesrat ans Parlament überwiesen worden. Damit sollen künftig nicht nur Krankenhäuser und Pflegeheime, sondern auch Apotheken, Arztpraxen, Physiotherapien und weitere ambulante Leistungserbringer verpflichtet werden, mit dem E-GD zu arbeiten.

Geplant ist zudem, dass alle Menschen in der Schweiz automatisch und kostenlos ein Gesundheitsdossier erhalten, sofern sie nicht widersprechen. Lévy verwies auf der Veranstaltung in Bern auf positive Erfahrungen mit diesem Opt-out-Modell in Österreich. Gleichzeitig betonte sie, dass Datenschutz und Informationssicherheit oberste Priorität hätten. Zwar soll der Bund ein einheitliches technisches Informationssystem bereitstellen, die Datenhaltung bleibe aber verteilt.

Eine Frage des Geldes

Interessant wird es für das BAG dann allerdings bei der Finanzierung. Auch in der Schweiz gibt es Sparvorgaben von Bundesrat und Parlament. Daher fehlen DigiSanté bereits am 2027 Finanzmittel. Lévy fürchtet, dass diese Tatsache das Tempo der Umsetzung gefährde. Bereits Ende 2025 hatte Lévy Mitarbeitende der Behörde angewiesen, alte E-Mails zu löschen, um Speicherplatz und damit Kosten zu sparen. Dem Amt würden im vergangenen Jahr bereits elf Millionen Euro Budget entzogen. Ob der ungewöhnlichen Sparmaßnahmen hatte die Schweizer Presse gewitzelt, dass man im Ministerium neuerdings jeden Rappen umdrehe.

Ob und wie die digitale Transformation bei unseren Nachbarn gelingt, bleibt also mindestens genauso spannend wie hierzulande. Das BAG will jedoch an seinem Kurs festhalten. Für Lévy steht fest, dass die digitale Transformation eine Investition in die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitssystems sei – und letztlich ein Gewinn für Fachpersonen, Institutionen und vor allem für Patientinnen und Patienten.

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