Gesundheitswesen Schweiz: Aufgeheizte Stimmung vor Abstimmungsinitiativen

by | May 24, 2024

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Es brodelt in der Schweiz: Die Gesundheitskosten steigen. Neue Prognosen heizen die Stimmung vor der Volksabstimmung Anfang Juni nun weiter an.

 

Der 9. Juni ist ein wichtiger Tag für das Gesundheitssystem in der Schweiz. Denn da können die Eidgenossen über zwei Initiativen abstimmen, konkret über die Kostenbremse-Initiative der Mitte-Partei sowie die Prämien-Entlastungsinitiative der SP. Das Problem, was auch unseren Nachbarn haben: Ihr Gesundheitssystem ist schlicht zu teuer. Die Gesamtkosten der Grundversicherung haben 2023 erstmals die Marke von 40 Milliarden Franken genackt, berichtet beispielsweise der Krankenkassen-Branchenverband Santésuisse. Kritik geht vor allem in Richtung des Parlaments, das den Leistungskatalog immer weiter ausbaue, weshalb kostendämpfende Maßnahmen versanden würden.

Kurz vor der Abstimmung sorgt nun allerdings eine Prognose des Vergleichsportals Comparis dafür, dass sich die Diskussionen weiter aufheizen. Der dortige Krankenkassenexperte Felix Schneuwly rechnet vor, dass die Krankenkassenprämien in 2025 weiter steigen und die durchschnittliche Prämienerhöhung in der Grundversicherung bei sechs Prozent liegen könnte. Mehr noch: Für viele Krankenkassen könnte das Reservepolster trotz des Prämienanstiegs 2024 zum Ende des Jahres dünn werden. „Daher könnten einige Kassen gezwungen sein, ihre Prämien in einigen Kantonen und Prämienregionen sogar um über zehn Prozent zu erhöhen“, glaubt Schneuwly. Auch seine Kritik richtet sich gegen die Politik: „Die Krankenkassen wurden vom Bundesamt für Gesundheit gezwungen, Reserven abzubauen. Deshalb fehlt vielen von ihnen das Polster, um Kostenschwankungen abzufedern.“ Ohne diesen Zwang wären Prämienerhöhungen vermeidbar gewesen.

Gesundheitskosten steigen weiter

Der Schweizer Gesundheitsökonom Pius Gyger hält die Comparis-Schätzung hingegen für unrealistisch. Gegenüber der NZZ sagt er, dass das Portal nicht über die Angaben aus den Prämienbudget-Prozessen verfüge und es sich deshalb zwangsläufig um grobe Schätzungen auf Basis der Geschäftsberichte handeln müsse. Aus seiner Sicht seien die Angaben nicht nachvollziehbar.

Schneuwly stützt seine Aussagen hingegen auf die jüngsten Prognosen von Comparis und der ETH-Konjunkturforschungsstelle (KOF), wonach das Wachstum der gesamten Gesundheitskosten in der Schweiz im kommenden Jahr bei 3,2 Prozent liegen dürfte.

In jedem Fall ist das Timing der Comparis-Veröffentlichung ideal, um die Schweizer noch einmal ordentlich zur Abstimmung Anfang Juni zu bewegen. Bei Santésuisse ist man allerdings nicht überzeugt, dass die Prämieninitiativen der richtige Weg sind. Hier lehnt man sie ab, weil anstatt einer Lösung der Probleme Umverteilung und Symptombekämpfung im Vordergrund stunden. Eine Kostenbremse würde man indes unterstützen.

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