Gesundheitsministerkonferenz: Proteste und offene Fragen

by | Jun 13, 2024

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Die Länder wollen vor allem eins: Einigkeit demonstrieren. Heute geht die Gesundheitsministerkonferenz in Travemünde zu Ende. „Lösungen auf Knopfdruck” gab es keine. 

 

Die zweitägige Gesundheitsministerkonferenz in Lübeck-Travemünde wurde vor allem von Protesten begleitet. Bis zu 250 Ärzte, Pflegekräfte und Sanitäter waren angereist, um ihren Forderungen nach Nachbesserungen an den Reformplänen des Bundesgesundheitsministers Nachdruck zu verleihen. So fordert beispielswiese die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein in einer Resolution anlässlich der Konferenz unter anderem einen „spürbaren Abbau der Bürokratie” und eine Digitalisierung, die die Praxen wirklich entlastet, und “bei der Praxen nicht zu unfreiwilligen Software-Testern werden.”

Denn dass Deutschland eine Gesundheitsversorgung braucht, die vor allem auch in der Fläche gerecht verteilt ist, darüber scheint Einigkeit zu herrschen. Nur über den Weg und auch das Timing wird gestritten.

Konferenz mit starkem Signal

Glaubt man der Vorsitzenden der Gesundheitsministerkonferenz, der Gesundheitsministerin in Schleswig-Holstein Kerstin von der Decken, dann gehe von Travemünde das starke Signal aus, „dass sich die Länder gemeinsam und parteiübergreifend für die Sicherung der Gesundheitsversorgung einsetzen“, es aber keine „Lösung auf Knopfdruck“ gebe. Vielmehr müsse an einer Vielzahl an Stellschrauben gedreht werden. „Gute Rahmenbedingungen sowohl für die Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, als auch für im Gesundheitswesen tätigen Unternehmen in Deutschland und Europa sind dafür essentiell. Die GMK hat eine Fülle von Vorschlägen und konkreten Verbesserungsforderungen in Travemünde beschlossen“, betont von der Decken. Lauterbach wolle diese Vorschläge nun prüfen, konstruktiv wie von der Decken ebenfalls unterstreicht.

Stärkung der ambulanten Versorgung

Einigkeit besteht beispielsweise darin, die ambulante medizinische Versorgung zu stärken. Dazu fordern die Länder, das der Bund umgehend bundesgesetzliche Maßnahmen einleitet. Sie selbst wollen eine eigene Länder-AG einrichten, die sich im Schwerpunkt mit der ambulanten und sektorenübergreifenden Versorgung befassen und konkrete Vorschläge erarbeiten soll.

Zudem sollen nach dem Willen der Länder das Anerkennungsverfahren für ausländische Ärztinnen und Ärzte beschleunigt werden, ohne dabei die Patientensicherheit zu vernachlässigen. Ein entsprechender Bundesratsantrag mit konkreten Vorschlägen werde vorbereitet.

Und man haben sich für eine Überprüfung des Risikostrukturausgleichs ausgesprochen. Dazu der Nordrhein-Westfälische Gesundheitsminister Josef Laumann: „In den vergangenen Jahren haben wir gesehen, dass sich die Beitragssätze zwischen den Krankenkassen immer stärker unterscheiden. Grundsätzlich ist das positiv, da es den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen befördert. Wir wollen jedoch nicht, dass Kassen ins Hintertreffen geraten, weil sie aufgrund ihrer Historie besonders viele pflegebedürftige oder sozial benachteiligte Versicherte haben.“ Hier müss der Bund prüfen, ob der sogenannte Risikostrukturausgleich künftig angepasst werden muss.

The Elefant in the Room

Zum großen Streitthema, dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz, wurde nur wenig kommuniziert. Lediglich, dass bei allen Akteuren Einigkeit bestehe, dass eine Reform der Krankenhausversorgung nötig sei. „Aber: Der Bund muss auf die zwischen den Ländern geeinten Forderungen eingehen, damit dies auch tatsächlich gelingt. Wir Länder werden uns im parlamentarischen Verfahren auch weiter dafür einsetzen, dass die Reform zu praxistauglichen Ergebnissen und somit zu einer wirklichen Verbesserung führt“, unterstreicht Laumann.

Ein wenig vertröstet man sich, dass die Krankenhausreform genau wie der Umbau des Gesundheitswesens im Allgemeinen auch in den kommenden Jahren Thema blieben werden, wie Heike Werner, die Thüringer Gesundheitsministerin unterstreicht, die im kommenden Jahr Gastgeber der Gesundheitsministerkonferenz sein wird: „Ganz klar ist, dass uns die großen Reformprojekte auf Bundesebene weiter beschäftigen werden. Die Krankenhausreform, die Stärkung der ambulanten Gesundheitsversorgung, die Finanzierungsfrage und der Fachkräftemangel in der Pflege, die Sicherstellung der Medikamentenversorgung – das werden auch im kommenden Jahr die großen Themen bleiben.“

Lauterbach selbst hatte das kritische Thema gestern noch mit Humor genommen. Auf X veröffentlichte er ein Selfie mit einigen der Kollegen. Der Text: „Wir stechen in See. 5 sozialdemokratische Gesundheitsminister vor der Besprechung der Krankenhausreform. Noch ist die Stimmung gut…“

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Gemüsekohl für die Gesundheit

Forscher des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau haben jene Kohlsorten identifiziert, die besonders wertvolle Pflanzenstoffe für den Menschen beinhalten. Wie die sich auf die Gesundheit auswirken, wird nun in einer Interventionsstudie untersucht.

Grün und vielfältig sollte sie sein, unsere Ernährung. Und einem Gemüse kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Gemüsekohl. Am Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) gibt es mit dem Projekt SharpGreens sogar ein eigenes Forschungsprojekt, das jetzt in die zweite Phase startet. Die wissenschaftliche Fragestellung: Wie beeinflusst eine vielfältige Ernährung reich an Gemüsekohl die Gesundheit? Die humane Interventionsstudie wird gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Freiburg umgesetzt. Erforscht werden sollen vor allem die Auswirkungen auf die Immunfunktionen und das Darmmikrobiom.
Der Interventionsstudie ist eine intensive erste Projektphase vorangegangen, für die am IGZ in den vergangenen 30 Jahre eine umfassende Analytikplattform für sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Abbauprodukte entwickelt wurde. Im Fall des Gemüsekohls geht es um die sogenannten Glucosinolate, die beim Verzehr enzymatisch zu gesundheitsfördernden Abbauprodukten, den Isothiocyanaten, umgewandelt werden können. Diese Substanzen haben entzündungshemmende, antikanzerogene und antimikrobielle Eigenschaften. Bisher wurden mehr als 100 verschiedene Glucosinolate in Pflanzen identifiziert, wobei die Wirksamkeit ihrer Abbauprodukte stark variieren kann.
Über 300 Kohlsorten kultiviert
Im Rahmen des Projekts SharpGreens kultivierte das Team von Projektleiterin Dr. Katja Witzel im letzten Jahr 300 Genbank- und 17 kommerzielle Kohlsorten am IGZ und analysierte die Glucosinolat-Gehalte und Abbauprodukte. Dabei wurden 24 Kohlsorten mit verbesserten Glucosinolat-Gehalten und gewünschten -Abbauprofilen identifiziert. Diese stammen aus verschiedenen Regionen, darunter Kohlrabi aus der ehemaligen DDR, Blumenkohl-Sorten aus Italien, Weißkohl aus Japan und Spanien, Grünkohl aus Schweden und bulgarischer Rotkohl. Zur weiteren Aufklärung des enzymatischen Glucosinolat-Abbaus wurde das Proteom aller Kohlsorten am IGZ analysiert und ergänzend dazu eine genomweite Assoziationsstudie vom Projektpartner Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) durchgeführt.
In der nun gestarteten zweiten Projektphase werden die ausgewählten Kohlsorten in der Interventionsstudie am Universitätsklinikum Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Evelyn Lamy eingesetzt. Es wird untersucht, ob der Verzehr einer vielfältigeren Gemüsekohl-Diät die Gesundheit beeinflusst und ob diese Effekte auf den hohen Gehalt an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen oder die Pflanzenvielfalt zurückzuführen sind. Die Probanden erhalten dafür in einem randomisierten Crossover-Versuch vier verschiedene Gemüsekohl-Diäten, die aus gefriergetrockneten Kohlpflanzen am IGZ hergestellt werden und definierte Mengen an bioaktiven Substanzen enthalten. Außerdem wird der Einfluss der Vielfalt an Gemüsekohl in der Ernährung auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms untersucht.
Bewusstsein für Vielfalt fördern
Die Forschungsergebnisse sollen anschließend über verschiedene Formate wie Kochevents, Feldführungen und Ausstellungen an die Öffentlichkeit kommuniziert werden. Ziel ist es, das Bewusstsein für den Erhalt der Artenvielfalt in der Landwirtschafft sowie eine vielfältige pflanzenbasierte Ernährung zu fördern. Unterstützt werden die Forscher dabei von proWissen Potsdam e.V. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert SharpGreens im Rahmen der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) und der Richtlinie zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen Biodiversität und menschlicher Gesundheit (BiodivGesundheit2) mit 1,1 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren.

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