Gesundheits-IT: Was bringt 2024 in Sachen Digitalisierung?

by | Jan 23, 2024

Anhoren

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Wie wird sich die Gesundheits-IT in diesem Jahr entwickeln? Was sind die großen Trends und wie bewerten Investmentexperten die Branche? Wir haben uns umgehört.

 

Es ist überall zu lesen, auf nahezu jedem Podium wird darüber diskutiert – über das Potenzial der Digitalisierung und insbesondere der Künstlichen Intelligenz in Medizin und Gesundheitsversorgung. Die Realität in den Kliniken und Praxen sieht jedoch meist anders aus. Die Einführung neuer Lösungen oder gar großer Digitalprojekte bedeutet in der Regel zunächst einmal einen nicht unerheblichen Mehraufwand. Wir wollten daher von verschiedenen Akteuren wissen: Wie wird sich die Gesundheits-IT in diesem Jahr entwickeln? Was sagen Hersteller und Nutzer und wie bewertet die Finanzbranche das Digitalisierungspotenzial im Gesundheitswesen – insbesondere im internationalen Vergleich?

Megatrend KI

Wo absolute Einigkeit herrscht: KI wird die Medizin nachhaltig verändern. Katja Kümmel, CIO am Universitätsklinikum Münster, sagt: „Künstliche Intelligenz ist weiterhin der große Trend – und da die Nutzung von Large Language Modellen zur Effizienzsteigerung und Arbeitserleichterung der Ärzte und Pflege.“

Dem pflichtet auch Vinay Thapar, Portfoliomanager des AB International Health Care Fund von Alliance Bernstein, bei: „Wir sehen ein enormes Potenzial für KI, um die Effizienz der Gesundheitssysteme zu verbessern – etwa durch schnellere klinische Studien, weniger Verwaltungsaufwand oder weniger medizinische Fehler.“ Und das spiegele sich noch nicht in den Bewertungen der Unternehmen wider.

Auch die Experten des JP Morgan Funds – Global Healthcare Fund rechnen mit weiteren wissenschaftlichen und technologischen Innovationen. Nicht nur das regulatorische Umfeld sei sehr unterstützend, auch würden echte Innovationen und Behandlungsansätze mit klinischen Erfolgen trotz angespannter Budgetsituation weltweit ein attraktives Preisumfeld vorfinden.

Basisarbeit weiter elementar

Die ganz großen Innovationen dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch an der digitalen Basis noch einiges zu tun gibt. So weist Katja Kümmel darauf hin, dass viele Krankenhäuser gezwungen sind, ein neues Krankenhausinformationssystem (KIS) einzuführen. Das sei zwar lästig, aber durch den Rückzug von SAP aus diesem Geschäft leider unumgänglich. Mit dem ganz großen Durchbruch in 2024 rechnet sie deshalb nicht: „Der ganz große Digitalisierungsschub, gerade auch mit Einbeziehung der Patienten in die digitale Kommunikation und die Vernetzung mit und zwischen allen Ebenen und Partnern im Gesundheitswesen, bleibt leider weiterhin aus.“

Nikolay Kolev, Managing Director Doctolib Deutschland und Mitglied des globalen Vorstands, blickt hingegen deutlich zuversichtlicher auf die kommenden zwölf Monate und verweist auf die Gesetzesvorhaben des Bundesgesundheitsministers: „Durch das Digitalgesetz des Bundesministeriums für Gesundheit kommt mehr Geschwindigkeit in Themen, die für die Nutzung von digitalen Gesundheits-Anwendungen essentiell sind.“ Das betreffe zum einen das wichtige Thema Datensicherheit, das sowohl für Patienten als auch für Gesundheitsfachkräfte beispielsweise die Grundlage für eine sichere Verwendung von Cloud-Angebote sei. „Einheitliche Standards wie etwa der Kriterienkatalog C5, Cloud Computing Compliance Criteria Catalogue, schaffen Transparenz und Übersichtlichkeit für Anbieter und Leistungserbringer.“

Dass sich diese Entwicklungen auch positiv auf Unternehmensgewinne auswirken werden, ist einer der Gründe, warum die Experten von JP Morgan weiterhin auf neue Technologien im Gesundheitssektor setzen. Allerdings sei die Aktienauswahl von entscheidender Bedeutung: „Die Bewertungen sind überzeugend und weisen eine erhebliche Streuung innerhalb des Sektors auf, was Chancen für aktive Aktienauswahl bietet.“

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