Eine neue Studie der University of Massachusetts Amherst auf Basis von Daten aus der UK Biobank zeigt, dass Prävention in Form eines gesunden Lebensstil das Risiko für Typ-2-Diabetes massiv senken kann.
Was Prävention in Form eines gesunden Lebensstils bewirken kann, zeigt nun eine neue Studie der University of Massachusetts Amherst. Sie unterstreicht, dass selbst Menschen mit einem hohen genetischen Risiko für Typ-2-Diabetes dieses durch eine gesündere Lebensweise erheblich senken könnten. Mehr noch: Möglicherweise wäre sogar die Hälfte aller Fälle vermeidbar.
Die in der Fachzeitschrift Diabetes veröffentlichte Studie analysierte Daten von mehr als 332.000 Erwachsenen im Vereinigten Königreich und stellte fest, dass Lebensstilfaktoren wie Körpergewicht, körperliche Aktivität, Rauchen und Ernährung eine entscheidende Rolle bei der Entstehung des Diabetesrisikos spielen, unabhängig von der genetischen Veranlagung.
„Selbst wenn Sie eine ausgeprägte familiäre Vorbelastung oder ein hohes genetisches Risiko haben, ist es keine ausgemachte Sache, dass Sie an Typ-2-Diabetes erkranken“, sagt die leitende Autorin Cassandra Spracklen, außerordentliche Professorin für Epidemiologie an der University of Massachusetts Amherst. „Eine gesündere Lebensweise mindert Ihr Risiko – selbst wenn Sie bei der genetischen Verlosung das Nachsehen hatten.“
Lebensstil hat größten Einfluss
Die Studie untersuchte, wie das genetische Risiko, das anhand von 783 bekannten diabetesbezogenen genetischen Varianten berechnet wurde, mit dem Lebensstil zusammenwirkt. Die Teilnehmer wurden über einen Median von fast 14 Jahren beobachtet. In diesem Zeitraum erkrankten vier Prozent an Typ-2-Diabetes.
Sowohl das genetische Risiko als auch der Lebensstil können unabhängig voneinander die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an der Diabetes zu erkranken. Der Lebensstil hatte jedoch den stärkeren Einfluss. Personen mit dem ungesündesten Lebensstil hatten ein fast siebenmal höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken, als diejenigen mit den gesündesten Gewohnheiten – im Vergleich zu einem 2,6-fach erhöhten Risiko bei denjenigen mit dem höchsten genetischen Risiko für Typ-2-Diabetes gegenüber denjenigen mit dem niedrigsten genetischen Risiko.
Für Chi Zhao, Doktorand im Bereich Epidemiologie, ist das eine positive Erkenntnis: „Erfreulicherweise bedeuten unsere Studienergebnisse, dass jeder sein Risiko durch gesündere Verhaltensweisen sinnvoll senken kann, unabhängig von seinem genetischen Hintergrund.“
Über die Hälfte der Diabetes-Fälle vermeidbar
Tatsächlich legt die Analyse nahe, dass mehr als 55 Prozent der neuen Typ-2-Diabetes-Fälle theoretisch verhindert werden könnten, wenn Menschen mit einem weniger gesunden Lebensstil ihr Verhalten verbessern würden.
Hier sind laut Studie vor allem vier Faktoren entscheidend: das Rauchverhalten, der Body-Mass-Index (BMI), körperliche Aktivität und Ernährung. Passen drei dieser Faktoren, wurden die Personen als solche mit einem gesunden Lebensstil eingeordnet. Allerdings wies der BMI den stärksten Zusammenhang mit einem Diabetesrisiko auf, gefolgt von Rauchen und körperlicher Aktivität. Die Ernährung spielte zwar ebenfalls eine Rolle, hatte in dieser Analyse jedoch den geringsten unabhängigen Einfluss.
Zudem waren die Ergebnisse bei Männern und Frauen sowie bei verschiedenen ethnischen Gruppen konsistent, was darauf hindeutet, dass die Erkenntnisse allgemein gültig sind.
„Man kann seine Genetik nicht ändern“, merkt Spracklen an. „Aber selbst Verbesserungen im Erwachsenenalter – nicht unbedingt perfekte, aber bessere Angewohnheiten – können das Risiko dennoch senken.“ Sie fügt außerdem hinzu, dass eine Verzögerung des Ausbruchs von Diabetes, selbst wenn dieser nicht vollständig verhindert werden kann, die mit der Krankheit verbundenen Langzeitkomplikationen verringern könnte.



