Heute veröffentlichte Daten zu Long Covid und ME/CFS zeigen, dass die gesellschaftlichen Kosten weiter steigen. Seit Pandemiebeginn liegen die Gesamtkosten bei knapp 320 Milliarden Euro.
64,4 Milliarden Euro und damit noch einmal mehr als 2024 haben Long Covid sowie die Myalgische Enzephalomyelitis, respektive das Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) in 2025 gekostet. Das rechnet nun die Stiftung ME/CFS Research Foundation gemeinsam mit Risklayer, einem Unternehmen für Risiko-Modellierung, in ihrem zweiten Bericht vor. Damit würden die gesellschaftlichen, durch Long Covid und ME/CFS verursachten Kosten bei mittlerweile 1,44 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Bundesrepublik liegen.
Die Gesamtkosten würden sich seit Beginn der Pandemie, also in den Jahren 2020 bis 2025, laut Bericht sogar auf über 318,8 Milliarden Euro summieren. Die Modellierung der Kosten erfolgte auf Basis bewährter Methoden der Katastrophenfolgenabschätzung, die soziale, medizinische und ökonomische Effekte berücksichtigt. Das Daten-Modell selbst steht Open Source zur Diskussion zur Verfügung.
Über 1,4 Millionen Betroffene
Laut der aktualisierten Studie leben in Deutschland zum Dezember 2025 mehr als 1,4 Millionen Menschen mit diesen oft schweren und bisher unheilbaren Multisystemerkrankungen. Davon sind rund 757.000 Menschen an Long COVID und weitere 657.000 Menschen an ME/CFS erkrankt. Während die Zahl der ME/CFS-Fälle im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr leicht anstieg, gingen die Long COVID-Fälle etwas zurück. Beide Erkrankungen führen weiterhin zu dauerhaften Funktionseinschränkungen und Erwerbsunfähigkeit, da sie mangels hinreichender Forschung nicht ursächlich therapierbar sind.
Außerdem warnt die Studie, dass das Infektionsgeschehen weiterhin hoch bleibe. 2025 hätten sich in Deutschland zwischen 13 und 15 Millionen Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert, was Daten-Analysen auf Grundlage von Virus-Abwasserlast-Messungen sowie Meldungen aus Notaufnahmen zeigen würden. Damit würde die tatsächliche Zahl der SARS-CoV-2-Infektionen 80- bis 200-Mal höher als die Zahlen der offiziellen Statistik des Robert Koch-Instituts (RKI) liegen und eine erhebliche Dunkelziffer nicht erfasster Krankheitsfälle offenbaren.
Forschungsgelder schnell vergeben
Dazu sagt Jörg Heydecke, Geschäftsführer der ME/CFS Research Foundation und Co-Autor der Studie: „Unsere aktuellen Analysen zeigen, dass Long COVID und ME/CFS auch sechs Jahre nach Beginn der COVID-19-Pandemie anhaltend hohe Belastungen für Betroffene und die Gesellschaft verursachen.“ Er betont zudem, dass die von der Regierung angekündigten Forschungsgelder in Höhe von 500 Millionen Euro über die nächsten zehn nun schnell und effektiv vergeben werden müssten. „Die Entwicklung wirksamer Behandlungsmöglichkeiten ist der einzige Hebel zur nachhaltigen Kostensenkung. Der Erfolg der ‚Nationalen Dekade‘ wird daran gemessen, ob wirksame Therapien in den nächsten Jahren verfügbar sein werden.”
Damit bezieht sich Heydecke auf die „Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen”, über die die Bundesregierung zwischen 2026 bis 2036 jährlich 50 Millionen Euro in die Erforschung postinfektiöser Erkrankungen investieren will. Zu den bisher formulierten Förderzielen gehören Forschungsprojekte in den Bereichen Krankheitsmechanismen und Immunologie, Diagnostik und Biomarker, Neurologie und psychische Gesundheit sowie ME/CFS. Auch die Stärkung klinischer Studien hat eine hohe Priorität.


