Geschwister können psychische Gesundheit negativ beeinflussen

by | Jan 23, 2024

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Jugendliche mit vielen Geschwistern, die zudem etwa gleich alt sind, haben häufiger psychische Probleme, zeigt jetzt eine Analyse der Ohio State University.

 

Familie kann man sich nicht aussuchen – ein Sprichwort, das bereits suggeriert, dass die eigene Familie nicht zwingend ein Ort für Stabilität und positives Miteinander sein muss. Und das ist jetzt auch wissenschaftlich belegt. Forscher der Ohio State University konnten in einer Studie nachweisen, dass Jugendliche aus größeren Familien eine schlechtere psychische Gesundheit haben als solche mit weniger Geschwistern. Dazu wurden knapp 10.000 chinesische und amerikanische Teenager mit jeweils leicht unterschiedlichen Fragen verglichen.

Wie stark sich viele Geschwister auf die psychische Gesundheit auswirken, hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Abstand zwischen den Kindern ab. Die Tatsache, dass übereinstimmende Muster in beiden Ländern gefunden wurden, sei jedoch bemerkenswert, sagt der Hauptautor der Studie Doug Downey, Professor für Soziologie an der Ohio State University: „Die Ergebnisse waren vor Durchführung der Studie nicht ohne weiteres absehbar – auch, weil andere Studien gezeigt haben, dass mehr Geschwister mit einigen positiven Effekten verbunden sind.“

Downey hat die Studie gemeinsam mit seiner Doktorandin Rui Chao im Journal of Family Issues veröffentlicht. Die Analyse stützt sich dabei auf Daten von mehr als 9.400 Achtklässler aus der China Panel Study. Die Daten für den amerikanischen Vergleich stammen von den über 9.100 Achtklässlern aus der Early Childhood Longitudinal Study – Kindergarten Cohort von 1988. Im Durchschnitt haben die Jugendlichen in China 1,6 Geschwister, die Jugendlichen in den USA 1,89 Geschwister. Wie aufgrund der chinesischen Ein-Kind-Politik zu erwarten war, sind etwa ein Drittel der chinesischen Kinder Einzelkinder (34 Prozent), während es bei den amerikanischen Kindern nur 12,6 Prozent sind.

Chinesische Jugendliche ohne Geschwister wiesen die beste psychische Gesundheit auf, während in den Vereinigten Staaten Jugendliche ohne oder mit einem Geschwisterkind eine ähnliche psychische Gesundheit aufwiesen.

Downey begründet die Ergebnisse mit der sogenannten Ressourcenverwässerung: „Wenn man sich die elterlichen Ressourcen wie einen Kuchen vorstellt, bedeutet ein Kind, dass es den ganzen Kuchen bekommt – die ganze Aufmerksamkeit und die Ressourcen der Eltern. Aber wenn man mehr Geschwister hat, bekommt jedes Kind weniger Ressourcen und Aufmerksamkeit von den Eltern, und das kann sich auf die psychische Gesundheit auswirken.“

Das würde auch die Tatsache erklären, dass Geschwister mit geringem Abstand zueinander die größten negativen Auswirkungen haben. Gleichaltrige Kinder konkurrieren stärker um dieselben Ressourcen.

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