Frauen mit koronarer Herzkrankheit schlechter versorgt

by | Jun 3, 2024

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Eine Studie der Universitätsmedizin Halle zeigt, dass Frauen mit verengten Herzkrangefäßen in Sachsen-Anhalt seltener in fachärztlicher Behandlung sind als Männer.

 

Es sind zwar nur die Daten aus einem Bundesland, sie spiegeln dennoch das Problem wider, das Frauen ganz grundsätzlich in der Medizin haben: Sie sind unterrepräsentiert oder wie in diesem Fall unterversorgt. Eine Studie der Universitätsmedizin Halle, die Geschlechterunterschiede in der Häufigkeit und Qualität der kardiologischen Versorgung in Sachsen-Anhalt untersucht hat, konnte nun zeigen, dass Frauen mit verengten Herzkranzgefäßen, der sogenannten koronaren Herzkrankheit, seltener in fachärztlicher Behandlung und in strukturierten Behandlungsprogrammen sind als Männer. Die Analyse deutet zudem darauf hin, dass sich diese Ungleichheit ungünstig auf die Medikamentenversorgung bei Frauen auswirkt. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „BMC Health Services Research“ erschienen.

„In Sachsen-Anhalt ist etwa jeder achte der über 30-Jährigen von einer koronaren Herzkrankheit betroffen. Damit ist das Land bundesweit Spitzenreiter. Ziel der Studie war es, herauszufinden, ob es dabei Unterschiede zwischen Frauen und Männern in der Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen und der Medikation gibt“, erklärt Erstautor Dr. Steffen Fleischer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaften an der Universitätsmedizin Halle. Dafür habe man anonymisiert Krankenkassendaten von mehr als 130.000 betroffenen Personen aus drei Jahren analysiert.

Frauen seltener beim Facharzt

Fast alle Betroffenen erhielten in diesem Zeitraum eine allgemeine medizinische Versorgung, aber nur ein Teil begab sich darüber hinaus in eine regelmäßige fachärztliche Betreuung – und zwar meisten Männer. Während 22 Prozent von ihnen mindestens einmal jährlich kardiologisch versorgt wurden, waren es nur 15 Prozent der Frauen. Bei einer sporadischen Inanspruchnahme war der Unterschied ebenfalls beträchtlich: 43 Prozent der Männer, aber nur 33 Prozent der Frauen begaben sich zumindest unregelmäßig, das heißt seltener als einmal jährlich, in die kardiologische Versorgung. „Dieser Geschlechterunterschied steht im Gegensatz zu Konsultationen in anderen Fachbereichen. Ob diese Differenz bei der koronaren Herzkrankheit durch eine anders empfundene Krankheitslast bedingt ist, Frauen seltener in Fachpraxen überwiesen werden oder andere Ursachen verantwortlich sind, zeigen die zugrundeliegenden Daten leider nicht“, bedauert Fleischer. Außerdem nahmen weniger Frauen an strukturierten Behandlungsprogrammen teil, die darauf abzielen, Patienten mit solchen chronischen Erkrankungen durch Beratung und Verlaufskontrollen zu unterstützen.

Folgen für die Versorgung mit Medikamenten

Die Studie untersuchte zudem, inwiefern die Versorgung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten durch eben jene fachärztliche Betreuung oder Programme beeinflusst wird. Diese Faktoren wirkten sich demnach positiv auf die Medikamentenversorgung der Betroffenen aus. Das zeigte sich konkret für Medikamente, die beispielsweise gegen Bluthochdruck verschrieben werden wie Beta-Blocker, ACE-Hemmer und AT-II-Antagonisten oder die als Cholesterinsenker Verwendung finden wie Statine. Der positive Effekt auf die Versorgung mit Blutdruckmedikamenten galt gleichermaßen für Frauen und Männer. Nur bei Statinen wurde eine Kluft zwischen den Geschlechtern deutlich: Durchschnittlich 42 Prozent aller Betroffenen erhielten Statine, wobei Männer diese Medikamente in 50 Prozent und Frauen in 35 Prozent der Fälle verschrieben bekamen – und das, obwohl rein zahlenmäßig mehr Frauen für die Statin-Verschreibung infrage gekommen wären.

„Vor dem Hintergrund, dass die Medikamentenversorgung durch diese Gesundheitsleistungen grundsätzlich verbessert wird, ist deren geringere Inanspruchnahme durch Patientinnen besonders kritisch zu hinterfragen“, argumentiert Fleischer. Warum eine Ungleichheit bei Statinen bestehe, sei bislang unklar. Von unzureichenden Informationen bis zu Bedenken der Fachärzte hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen sind viele Faktoren als Ursache denkbar. Hier brauche es weitere Forschung, um diese genauer herausarbeiten.

 

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