Forschungsprojekt untersucht körperliche Ursachen von Depression

von | Sep. 26, 2024

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Ein Forschungsteam des Universitätsklinikums Bonn, der Universität Bonn und des Leibniz-Instituts für Resillienzforschung Mainz will die Entstehung von Depressionen aufklären – inklusive ihrer körperlichen Wurzeln.

Wie Depressionen entstehen, sei wissenschaftlich nicht ausreichend geklärt. Und genau dieser Fragestellung will sich nun ein Team des Universitätsklinikums Bonn (UKB), der Universität Bonn und des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung (LIR) Mainz widmen. Untersuchen will das Team in diesem innovativen Projekt vor allem die körperlichen Wurzeln von Depression. Dafür gibt es Unterstützung von der Volkswagen Stiftung in Höhe von rund 510.000 Euro.

Die Hypothese der Forscher: Depressionen entstehen nicht nur im Gehirn, sondern auch durch spezifische Veränderungen im Körper. Dabei gehen sie davon aus, dass sich mentaler und körperlicher Zustand wechselseitig Beeinflussung. „Chronischer Stress und systemische Reaktionen wie Entzündungen können das Gehirn beeinflussen und depressive Symptome verstärken. Gleichzeitig können Depressionen auch körperliche Beschwerden wie metabolische Beschwerden hervorrufen“, erklärt Projektleiter Dr. Nils Gassen von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des UKB, der ebenfalls an der Universität Bonn forscht.

Komplexes Zusammenspiel

Bei Depressionen zeigen sich oft Veränderungen im peripheren Metabolom und Proteom des Plasmas, die Hinweise auf das komplexe Zusammenspiel von Stoffwechsel- und Proteinprozessen liefern können. Im Metabolom des Plasmas, dem gesamten Spektrum kleiner zirkulierender Moleküle, finden sich bei Stress oft Abweichungen bei Neurotransmittern, Aminosäuren, Stresshormonen, Energie-Metaboliten und Lipiden. Im Proteom des Plasmas, dem Spektrum zirkulierender Proteine, treten häufig erhöhte Spiegel von entzündungsfördernden Zytokinen und neurotrophen Faktoren auf. Auch Proteine, die mit der Stressantwort in Verbindung stehen, wie Heat Shock Proteins (HSPs), und Enzyme, die den Energiestoffwechsel regulieren, zeigen Veränderungen. Diese Veränderungen unterstreichen, dass komplexen biochemischen Netzwerke an der Entstehung von Depressionen beteiligt sein könnten. Ein besseres Verständnis dieser Prozesse könnte helfen, neue Diagnosemethoden und therapeutische Ansätze zu entwickeln.

Ein zentraler Bestandteil dabei ist die Untersuchung von Plasma als Transfermittel. Plasma enthält zahlreiche biologisch aktive Moleküle wie Proteine, Hormone und Wachstumsfaktoren, die verschiedene biologische Prozesse beeinflussen können. „Blutplasma kann leicht gewonnen und transfundiert werden, was es zu einem vielversprechenden Mittel für potenzielle klinische Anwendungen macht“, erklärt Prof. Marianne Müller vom LIR Mainz. „Da Plasma bereits in verschiedenen medizinischen Kontexten verwendet wird, existieren etablierte Protokolle und Sicherheitsmaßnahmen, die die Implementierung neuer Therapien erleichtern.“

Hoffnung auf neue Behandlungskonzepte

Das Forschungsteam hofft, durch die Studie neue Behandlungskonzepte zu entwickeln, die auf den Erkenntnissen über periphere biochemische und zelluläre Prozesse basieren. „Wir möchten innovative Therapieansätze durch Plasmatransfer entwickeln und neue Ansatzpunkte für therapeutische Interventionen identifizieren. Diese könnten zu spezifischeren, zielgerichteten Therapien führen und eine individuellere Behandlung von Depressionen ermöglichen“, erklärt Dr. Gassen das langfristige Ziel.

Der Startschuss fällt jetzt im Winter 2024. Erste Ergebnisse werden nach etwa einem Jahr erwartet. Mit der Förderlinie „Pioniervorhaben – Explorationen des unbekannten Unbekannten“ unterstützt die VW-Stiftung riskante und besonders innovative Forschungsideen mit hoher wissenschaftlicher Relevanz. In einem zweistufigen Auswahlverfahren konkurrieren hier Vorhaben aus dem Bereich der Grundlagenforschung, die sich ausdrücklich nicht dem bereits „bekannten Unbekannten“ widmen, sondern das „unbekannte Unbekannte“ explorieren sollen und das Potenzial zu großen wissenschaftlichen Durchbrüchen aufweisen.

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