Forscher zeigen Auswirkungen von Stress auf Darmgesundheit

by | Apr 15, 2024

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In einer mit dem Theodor-Frerichs-Preis ausgezeichneten Arbeit zeigt ein Team der Uniklinik in Aachen, welche zellulären und biochemischen Vorgänge im Darm durch Stress ausgelöst werden.

 

Stress schlägt auf den Magen, weiß schon der Volksmund. Und auch die Medizin kennt die grundsätzliche Verbindung zwischen Psyche und Darm – etwa bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Ein Team um den Gastroenterologen Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Kai Markus Schneider konnte nun wichtige Erkenntnisse darüber beitragen, welche zellulären und biochemischen Vorgänge der Verbindung zwischen Psyche und Darm zugrundeliegen. Für die in „Cell“ publizierte Arbeit erhält Schneider, der an der Uniklinik der RWTH Aachen tätig ist, den diesjährigen Theodor-Frerichs-Preis der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM). Der wichtigste Wissenschaftspreis der Fachgesellschaft ist mit einem Preisgeld von 30.000 Euro dotiert.

In Versuchen an Mäusen konnten Schneider und sein Team zeigen, dass der Körper unter Stress verschiedene Hormone produziert, um mit der eigentlich temporären Belastung besser umgehen zu können. Kurzfristig steigert dieser Hormonschub auch tatsächlich die Leistungsfähigkeit. Langfristig kann er jedoch zu gesundheitlichen Problemen führen. Denn unter Dauerstress lassen die in der Nebennierenrinde produzierten Glucocorticoide Entzündungsreaktionen im Darm eskalieren.

Indirekte Wirkung über Darmnervensystem

Die Forscher konnten auch zeigen, dass nicht die Entzündungszellen selbst das Ziel der Glucocorticoide sind, sondern das Enterische Nervensystem (ENS). Dabei handelt es sich um ein dichtes Geflecht, das die Darmwand durchzieht und aufgrund seiner komplexen Organisation zuweilen als „Bauchhirn“ bezeichnet wird. Unter Glucocorticoid-Einfluss kam es zu deutlichen Veränderungen dieses komplexen Gefüges. Davon waren sowohl die Stütz- und Hilfszellen (Gliazellen) des ENS betroffen, als auch die enterischen Nervenzellen selbst. Wie Schneider in aufwändigen Versuchen belegen konnte, bildete sich unter Dauerstress eine Subgruppe von Gliazellen heraus, die den Immunbotenstoff CSF1 produziert und so zu einer Aktivierung von Entzündungszellen beitrug. CSF1 aktiviert außerdem Monozyten, also Blutzellen des Immunsystems, was die Entzündungsreaktion noch verstärkt – dieser Prozess fehlgeleiteter Entzündungen ist bereits bekannt als zugrundliegende Ursache einer Vielzahl anderer Erkrankungen.

Die enterischen Nervenzellen wurden dagegen durch die Glucocorticoide in einen Zustand der „Unreife“ versetzt, der mit einem Mangel des Botenstoffes Acetylcholin und einer Störung der Darmmotilität, also der Bewegungsfähigkeit des Darms, einherging. Durch diese beiden Vorgänge lassen sich Entzündungsschübe und Darmbeschwerden bei einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung erklären.

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