Wieder sammelt mit Evela Health ein FemTech erfolgreich Pre-Seed-Kapital ein. Werden neue Technologien zu einem Katalysator für die Gendermedizin?
Das Berliner FemTech Evela Health sichert sich 600.000 Euro Pre-Seed-Finanzierung. Beteiligt hat sich das Angel-Netzwerk Better Ventures sowie mehrere Business Angels. Was in erster Linie für Evela Health eine frohe Botschaft ist, könnte es auch für die Gendermedizin sein. Denn mittlerweile sammeln immer mehr dieser FemTechs – also auf Frauengesundheit und neue Technologien fokussierte junge Unternehmen – Kapital von Investoren ein.
Im Fall von Evela Health soll das Angebot Frauen in den Wechseljahren digital unterstützen. Ein Riesenmarkt, der vor allem mit Phänomenen wie der Perimenopause weitestgehend unerforscht ist. Dennoch haben 90 Prozent der Frauen Symptome – von denen es über 30 gibt und die auch heute noch immer wieder mit der Psyche abgetan werden – mit denen sie im Schnitt 8,5 Jahre leben müssen. Im schlimmsten Fall dauern die Symptome 15 Jahre, wenn sie bereits in den frühen Vierzigern beginnen.
App als Corporate Benefit
Weil die Menopause jede Frau betrifft und heftige Symptome für Ausfälle am Arbeitsplatz sorgen können, setzt Evela Health auch darauf, dass Arbeitgeber ihre Lösung als Corporate Benefit unterstützen. Arbeitgeber wie Labor Berlin oder New Chapter Executive Search hätten das Angebot bereits für ihre Belegschaft implementiert. Die Frauen werden per Link eingeladen und erhalten Zugang zu einem dreistufigen Programm: Informationen, persönliche Beratung und ein individualisiertes Maßnahmenpaket.Die Beratung erfolgt durch zertifizierte Menopausenberaterinnen, ergänzt durch einen digitalen Fragebogen zur Erfassung individueller Symptome, von Schlafqualität bis Gelenkschmerzen. Die Ergebnisse fließen in ein maßgeschneidertes Gesundheitsprogramm ein.
Dr. Valerie Kirchberger, Ärztin und Mitgründerin von Evela betont, dass das Angebot vor allem präventiv wirken soll. Man wolle Beschwerden früh adressieren, Aufklärung leisten und damit die Arbeitsfähigkeit von Frauen länger erhalten. Denn Studien würden zeigen, dass jede vierte betroffene Frau wegen Wechseljahrbeschwerden ihre Arbeitszeit reduziert und jede zehnte zieht sich frühzeitig aus dem Berufsleben zurückzieht.
Erfolg zieht Investoren an
Die Frage nach dem Warum hinter dem Erfolg der FemTechs ist indes einfach zu beantworten: Frauen sind in der analogen Medizin und Forschung nach wie vor unterrepräsentiert und das wissenschaftliche Interesse an frauenspezifischen Leiden wie etwa Endometriose oder eben die Menopause deutlich begrenzt. Damit treffen speziell auf Frauen maßgeschneiderte Angebote natürlich auf einen immensen Nachfragemarkt. Das zeigt auch der Erfolg des britischen Startups Flo Health mit dem bekanntesten Produkt der Periodenapp. Binnen kürzester Zeit hat das Startup einen Unicorn Status erreicht – allerdings auch eine hitzige Diskussion darüber losgetreten, dass selbst FemTechs eben oft nur von Männern gegründet und finanziert werden. Von Frauen gegründete Unternehmen – das zeigen Studie immer wieder – haben es deutlich schwerer, Risikokapital einzusammeln. Umso positiver sind Meldungen wie die aktuelle von Evela Health zu bewerten.
Investoren auf der anderen Seite scheinen den FemTech-Trend für sich zu nutzen. So hat der österreichische Risikokapitalfonds Calm/Storm mit Beteiligungen im zweistelligen Bereich einen deutlichen Fokus auf das Segment. Analysen zeigen, dass 2024 über 50 Prozent mehr Wagniskapital in FemTechs geflossen ist. Kein Wunder, sind die Möglichkeiten, Frauen gezielt zu adressieren, immens. Bei FemTech geht es längst nicht mehr nur um die Periode, Menopause oder Fruchtbarkeit. Frauen müssen sich anders ernähren, anders trainieren als Männer, um fit und gesund zu bleiben. Frauen leider häufiger unter chronischen oder Autoimmunerkrankungen. All das birgt Chancen für kreative Köpfe, im Technologiezeitalter Lösungen dafür zu finden.
Ziehen Forschung und Wissenschaft nach?
Und wo die Wirtschaft vorprescht, folgen andere. An immer mehr Universitäten werden mittlerweile Lehrstühle für Gender- oder Diversity-Medizin eingerichtet. Die Schweiz fördert mit dem nationalen Forschungsprogramm „Gendermedizin und -gesundheit“ in diesem ahr insgesamt 19 Projekte mit bis zu elf Millionen Franken. Verglichen mit anderen Förderungen sind das noch verhältnismäßig kleine Summe, der Anfang scheint jedoch gemacht.



