Externes Gutachten für 8. Thüringer Krankenhausplanung

by | May 3, 2024

Anhoren

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Ausarbeitung zeigt: Knapp 3.000 der vollstationären Betten im Bundesland könnten ohne Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit gestrichen werden.

 

Das eigene Gefühl einmal objektiv überprüfen zu lassen, ist immer eine gute Idee. In Thüringen hat man deshalb für den 8. Thüringer Krankenhausplan ein externes Gutachten beim Beratungsunternehmen PD in Auftrag gegeben, um einen „datenbasierte Entscheidungsgrundlagen” für den Planungsprozess zu haben.

Und das war offensichtlich richtig: Denn 2.900 der insgesamt 14.610 Betten könnten komplett und ohne Auswirkung auf die Versorgungssicherheit gestrichen werden, heißt es im Gutachten. 2022 seien nur rund 65 Prozent der Klinikbetten ausgelastet gewesen, Norm sei ein Auslastungsgrad von 85 Prozent. Diese Überkapazität ist nicht effizient und bindet zudem auch wertvolle personelle Ressourcen. „Das ist ein Thema, dem wir uns angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels zwingend stellen müssen. Auch das reine Vorhalten von Kapazitäten benötigt personelle Ressourcen, die immer knapper werden. Hier müssen wir den Bestand zukünftig noch besser am Bedarf und am verfügbaren Personal ausrichten“, räumt die thüringische Gesundheitsministerin Heike Werner ein.

Alle Krankenhausstandorte „bedarfsnotwendig“

Spannend bleibt, was die Landesregierung aus dem Gutachten macht, das eine Bedarfsprognose bis zum Jahr 2030 umfasst sowie Empfehlungen für die künftige Krankenhausplanung gibt. Ziel ist es, dass der Krankenhausplanungsausschuss auf der jetzigen Grundlage bereits im Juni den 8. Thüringer Krankenhausplan verabschiedet.

Für die Gesundheitsministerin lautet die Botschaft der Stunde: „Alle Thüringer Krankenhausstandorte sind bedarfsnotwendig und werden gebraucht.“ Sie sieht den bisherigen Kurs der Landesregierung damit bestätigt. Grundsätzlich seien die Krankenhausstandorte auch gut aufgestellt. Lediglich die geriatrische Versorgung und die Versorgung im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie sei ausbaufähig. „Hier gibt es vereinzelt noch weite Fahrtstrecken für die Patientinnen und Patienten zum nächsten Fachkrankenhaus“, räumt die Ministerin ein.

Wie weit diese Fahrstrecken sind, sagt sie nicht – oder ob sie zumutbar sind. Denn genau das sieht die Krankenhausreform auf Bundesebene vor: weniger Häuser und regionale Zentren, zu denen dann eben auch eine gewisse Anfahrt in Kauf genommen werden muss. Auch hier schlägt das Gutachten in eine ähnliche Kerbe: Es empfiehlt eine stärkere Vernetzung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Gesundheitsministerin Werner will indes den Umbau beziehungsweise Abbau von Betten mit „finanzieller Unterstützung“ des geplanten Transformationsfonds des Bundes umsetzen, „den die Länder im Rahmen der Verhandlungen zum Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz hart erkämpft haben.”

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